Freitag | 17. Februar 2017  |  16:15 Uhr

Sigg: Chinesen köpfen Schweizer CEO

Der chinesische Neueigentümer von Sigg wechselt überraschend den CEO in der Schweiz aus. Stefan Ludewig muss gehen und wurde durch den Spanier Antonio Villacampa ersetzt. Angeblich gab es Streit über die strategische Ausrichtung des Schweizer Trinkflaschenanbieters, berichten Insider.

banner after intro

Der Neue kommt aus der obersten Chefetage von Haers, dem chinesischen Eigentümer, und war die letzten zehn Jahre in Shanghai tätig. Haers ist ebenfalls ein Trinkflaschenhersteller, der in China eher im Billigsektor und als Produzent für No-Name-Anbieter vor allem auch über die Beschaffungsplattform Alibaba groß geworden ist.

Der Schweizer Hersteller Sigg wurde mit Aluminium-Trinkflaschen weltberühmt. Nachdem das Traditionsunternehmen mit über 100jähriger Geschichte zuletzt nur knapp an der Pleite vorbeischrammte, sollte es nun unter chinesischer Führung bergauf gehen. Im Frühjahr letzten Jahres griffen die Chinesen zu und schluckten Sigg. Nach anfänglich großer Skepsis versprachen die neuen Eigentümer neue Absatzmärkte (auch in Fernost) und neue Kategorien von Flaschen, mit denen der Schweizer Produktionsstandort gestärkt werden sollte. Ludewig sollte dabei eine starke Rolle spielen. Zudem sollen Flaschen aus Glas und Plastik sowie Thermosflaschen aus Edelstahl die Thurgauer Firma breiter aufstellen. Die Themen Sport und Lifestyle spielen dabei eine wichtige Rolle (siehe auch SFH-Report zu Trinkflaschen in der Ausgabe vom 6.2.2017).

Sigg produziert im thurgauischen Frauenfeld Aluminiumflaschen in verschiedenen Grössen. Verziert mit verschiedenen Sujets und diversen Farben, entstehen Trinkflaschen für Kinder und Erwachsene, für Wanderer und Sportler. Mittlerweile hat sich die Aluflasche aber auch als hippes Lifestyle-Zubehör im Alltag etabliert. Zahlen veröffentlicht das Unternehmen keine. Marktkenner jedoch schätzen den Umsatz auf 50 Mio. Schweizer Franken jährlich. Über die Hintergründe des abrupten Managementwechsels schweigt sich die Hersteller aus. Unternehmensnahe Kreise glauben zu wissen, dass es Auseinandersetzungen über die strategische Ausrichtung gab. Offenbar forderten die neuen Eigentümer zweistellige Wachstumsraten und eine offensivere Gangart. Sie wollten den Umsatz von eben knapp 50 Mio. so schnell wie möglich auf über 100 Mio. Franken steigern. Ludewig soll sich quergestellt und die Expansionslust gebremst haben. Ludewig war seit gut eineinhalb Jahren an Bord der Schweizer Kultmarke.

Nicolas Kellner

banner in article

neuer_name
Die Sigg-Zentrale in der Schweiz
© www.sigg.de