Freitag | 03. Juni 2016  |  11:29 Uhr

Fitness: Studios vergessen Sportartikel!

Fitness-Studios erleben eine Renaissance, die sogar den Kletter-Boom der letzten Jahre in den Schatten stellen. Vor allem günstige Fitnessketten treiben den Markt an, von dem auch der Sporthandel profitieren kann: Denn Sportartikel selbst scheinen in den Konzepten der Studios keine Rolle zu spielen!

Text: Nicolas Kellner

McFit und Clever Fit sind die Urväter der Discountwelle im Fitness-Studiobereich, die ab dem Jahr 2000 zu rollen begann. Beide Pioniere der Branche zählen zusammen mittlerweile annähernd 400 Studios bundesweit. Die Mitgliederzahl bei McFit hat nach eigenen Angaben längst die eine-Million-Grenze übersprungen, beim ärgsten Verfolger Clever Fit sind es über eine halbe Million Studiofans. Das in der Regel auf Franchise aufgebaute Club-System expandiert inzwischen auch ins europäische Ausland, nach Italien, Österreich und in die Schweiz. Andersherum drängen ausländische Fitnessketten immer stärker auf den offenbar lukrativen Markt in der Bundesrepublik. So ist vor einigen Jahren erst in Süddeutschland die Migros Fitnesskette Elements an den Start gegangen. Inzwischen existieren zwischen München und Frankfurt sechs High-end-Studios – „Fitness auf Fünf-Sterne-Niveau“, wie es der Mutterkonzern, die Schweizer Einzelhandelsgenossenschaft Migros stolz bezeichnet. Während der Ausflug des Food- und Non-Food-Riesen ins benachbarte Ausland, insbesondere nach Deutschland und Österreich bislang eher floppte als glückte, haben sich die Fitness-Studios unter dem Markennamen Elements durchaus als Glücksbringer entpuppt. Insider sehen darin nicht weniger als auch den Versuch, den bundesdeutschen Markt zumindest im Süden auf die eigenen Sporthandels-Kette der Migros, SportXX, vorzubereiten. Denn was allen Studios fehlt sind Sportartikelshops. Es gibt zumindest in den Edelstudios exklusive Spa- und Nass-Bereiche mit Gutschein-Verkauf, doch keine Verkäufe von Sportartikeln. Hier ist die Lücke, die sich für den engagierten Sporthändler auftun könnte.

„Das bietet unser Konzept momentan nicht an“, bestätigt zum Beispiel Lesley Steinbuß, Sprecherin der neuen Discountkette FitX aus Essen (Geschäftsführer: Jacob Fatih, Burkhard Revers), die derzeit über 41 Filialen bundesweit verfügt und in den nächsten zwei Jahren auf mindestens 100 Studios wachsen will. Die Ausstattung der Studios erfolgt mit Geräten von Technogym und Hammer Fitness. FitX produziert nach eigenen Angaben inzwischen aber auch Geräte selber. Sportausrüstung oder Bekleidung jedoch gibt es eben nicht. Die meist vorherrschende Sichtbetonoptik und rote Sitzpolster sind gewöhnungsbedürftig, wirken trotzdem aber moderner und frischer als manche in die Jahre gekommene McFit-Filiale. Dafür hat der Gründer von McFit jetzt erneut zugeschlagen. Rainer Schaller startet seit einem Jahr von Berlin aus mit seiner Gym-Kette High5 durch: Die Studios sind auf Vintage getrimmt, erinnern an amerikanischen Hinterhof-Charme und sollen neue Kunden ins McFit-Imperium (Studios, Modellagentur, Printmagazine) spülen. Die sehr-günstig-Kette (ab 9,90 allerdings mit Laufzeit 24 Monaten) hat derzeit knapp 30 Ableger und setzt ebenfalls mächtig auf Expansion.

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FitX neu in Dortmund: Ein bißchen eng, aber mit modernsten Cardio-Geräten.

Aber es gibt Verfolger: Neu von Berlin und Potsdam aus zum Beispiel die Kette Superfit (Geschäftsführer: Torsten Deichsel). Ins Angebot von 19,90 Euro monatlich wurden hier sogar teilweise Kurse und Sauna-Möglichkeit gepackt. Einen Sportshop gibt es hier aber auch nicht. Der Newcomer verfügt derzeit über acht Studios. Das Studioangebot wächst, oft sogar rund um die Uhr geöffnet, der Preiskampf ist gnadenlos, die Standards jedoch sind nach wie vor hoch. Lediglich für die Ausrüstung und Bekleidung ist der Kunde selber verantwortlich. Bislang haben die Studios diesen Bereich links liegen gelassen. Noch!

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2016