Sonntag | 05. Februar 2017  |  10:09 Uhr

Die Natur als Fitnessstudio: Outdoor im Winterfieber

Die Wintersaison lockt auch immer mehr Outdoor-Ausrüster auf die Bühne. Viele erweitern ihre Sortimente um Themen wie Touren, Ski, Running und Fitness mit neuen und spannenden Verkaufsargumenten, denen auch der Fachhandel mit offenen Augen begegnen sollte.

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Text: Nicolas Kellner

Mit dem Schnee und der Kälte ist das so eine unsichere Sache geworden: Der Sporthandel gewöhnt sich langsam daran, dass sich der Saisonverlauf verschiebt. Das drückt natürlich die Order und setzt den regulären Preisen zu. Trotzdem: Auch wenn der vergangene Herbst noch mit milden Temperaturen lockte, stehen die kalten Monate vor der Tür.

Für viele Fitness-Enthusiasten geht es dann ins Fitnessstudio. Warum aber nicht weiter draußen trainieren? Mit der richtigen Ausrüstung steht einer Einheit an der frischen Luft nichts im Weg, meint zum Beispiel The North Face, und hat speziell dafür die Mountain-Athletics-Kollektion entwickelt. Der US-Outdoorausrüster entdeckt und setzt verstärkt auf den Winter: Und weiß sich zu verkaufen: Die neuen Produkte würden mit Robustheit, Atmungsaktivität und gleichzeitig zuverlässiger Wärme vor, während und nach dem Sport punkten.

Passend zur Kollektion hat die amerikanische Outdoor-Marke ein Trainingskonzept entwickelt, mit dem auch viele Profi-Athleten trainieren. Die Südtirolerin Tamara Lunger beispielsweise hat schon zahlreiche hochalpine Expeditionen hinter sich und gibt beim Mountain Athletics Training immer Vollgas. Ihr Tipp für die Wintermonate: „Das Beste ist eine Kombination aus Ganzkörperkräftigung und Ausdauer. Wer nur wenig Zeit hat, sollte sich mit Intervalltraining und Kraftausdauer-Zirkeln richtig auspowern. Das Wichtigste dabei ist, dass man sich wohl fühlt.“

Der Schweizer Sam Anthamatten gilt als einer der talentiertesten Freerider und tankt gerade in der Vorbereitung auf die Skisaison viel Kraft mit Mountain Athletics: „Solange man hochmotiviert ist, wird man sich stets verbessern. Wer mit Freunden trainiert, hat mehr Spaß dabei und wird am Ende stolz auf seinen Muskelkater sein.“ Sich gemeinsam auszupowern, das wird Fitness- Fans von The North Face beispielsweise in München ermöglicht. Die Community „#neverstopmunich“ trifft sich wöchentlich zu kostenlosen Trainingseinheiten unter professioneller Anleitung trifft und unterstützt jeden dabei, seine individuellen Ziele zu erreichen. Auch Sporthändler können und sollen mitmachen.

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Viele Outdoorausrüster erweitern ihre Sortimente um Themen wie Touren, Ski, Running und Fitness
© Vaude

Mit an Bord ist Primaloft: Egal, ob auf dem Weg zum Sport, beim Training selbst oder zum Warmhalten danach, die robusten und gleichzeitig sehr leichten Jacken sind dafür konzipiert, jede Bewegung mitzumachen. Dank kleiner Details wie Reißverschlusstaschen und eine Öse für Kopfhörer erweist die Jacke in jeder Situation gute Dienste. Dabei sind sie windabweisend und bieten durch das aufgebürstete Fleece an Ärmeln und Bündchen zusätzlich auch Komfort. Und die ThermoBall-Isolierung von Primaloft soll die vielseitigen Jacken darüber hinaus genau so warm halten wie Daunen.

Partnerschaften mit Marken, beispielsweise aktuell mit Isbjörn, haben sich bestens bewährt: „Die freie Natur ist der beste Spielplatz für Erwachsene und Kinder gleichermaßen“, sagt Jochen Lagemann, Managing Director Europe and Asia bei Primaloft. „Wenn die Kids im Schnee selbst bei Eiseskälte spielen können ohne zu frieren, haben sie am meisten Spaß an ihren Abenteuern. Mit Produkten von Isbjörn können Eltern sicher sein, dass ihre Kinder den ganzen Tag trocken und warm bleiben, egal wie das Wetter aussieht. In dieser Hinsicht ist die Primaloft-Isolationstechnologie die perfekte Ergänzung. Wir freuen uns auf eine langfristige Partnerschaft sowohl auf Produktseite als auch in strategischer Hinsicht. Gemeinsam wollen wir weitergehende Anforderungen erkennen und in Folge neue Bekleidungslösungen der Zukunft anbieten.“

Auch Vaude baut sein Winterengagement immer kräftiger aus. Die Anzahl der Teile wächst, die Zielgruppe sind sportlich aktive und anspruchsvolle Käufer, die nur im Fachhandel bestens bedient werden können. Die Winter-Kollektion 2017 überzeugt ebenfalls durch höchste Umweltfreundlichkeit und leistungsfähige Markenmaterialien. Innovative Funktionsstoffe kommen hier vom amerikanischen Spezialisten Polartec: Alpha, NeoShell und Power Wool sorgen für die Performance.

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So ist das Damenmodell „Women‘s Ampeza 3 in1 Parka“ ein modischer, wasserdichter und warmer Winterparka für den eleganten Outdoor-Auftritt. Ein „Lieblingsstück“ zum Wandern, Walken, Wintersport und vieles mehr, meint Vaude, das dank atmungsaktiver Isolation für ein angenehmes Klima sorgt. Und es geht noch weiter: Für Tourenfreund gibt es beispielsweise eine wasserabweisende, elastische Softshell-Hose aus äußerst atmungsaktivem Windproof 80 Material – ideal für Skitouren und gemäßigtes Winterbergsteigen. Zum Schutz gegen Skikanten und Steigeisen ist der Beinabschluss mit robustem Cordura verstärkt. Das Produkt ist mit Eco Finish umweltfreundlich wasserabweisend ohne Fluorcarbone (PFC) hergestellt. Der Fachhandel erhält also auch im Winter speziell von den Outdoorausrüstern starke Verkaufsargumente, die ihm das Leben leichter machen sollen.

In der Wintersaison werden auch Schuhe verstärkt nachgefragt, bestätigen Händler: Die Kunden halten sich mit Laufen und Fitness in Form, bereiten sich auf Wintersport vor. Lowa und Ecco setzen bereits für ihre Casual-Kollektionen auf die neue leistungsfähige Technologie Gore-Tex-Surround, jetzt werden von beiden Firmen auch Wander- und Multifunktionsschuhe mit dieser Technologie ausgestattet. Adidas bringt ebenfalls seine erste Kollektion mit der rundum atmungsaktiven Technologie auf den Markt. Ab dieser Saison sind Schuhe mit Gore-Tex-Surround für Händler und Endverbraucher auch von den Marken Camel Active, Caterpillar, Haglöfs, Merrell, The North Face und Under Amour erhältlich. Damit rücken Sortimente und sportliche Aktivitäten enger zusammen, was dem Handel mehr Spielraum hinsichtlich Kundenansprache und individueller Beratung gibt. Im Fachhandel setzt sich damit zunehmend innerhalb der Kategorie Multifunktionsschuhe der Bereich „Outdoor Fitness“ durch, der mit leichten und hochfunktionellen Schuhen auch über die Wintermonate gut läuft.

Salomon, einst Erfinder des Themas Light-Hiking, folgt ebenfalls dem Trend Winterfitness: Das neue Modell „Snowcross CS“ ist ein leichter, sehr technischer Winterlaufschuh, unter anderem für speziellen Grip auf nassem, verschneitem und sogar vereistem Untergrund. Verkäufer bei 21run in München haben sich auf diesen Schuh spezialisiert und beraten dazu immer mehr Interessenten. Dazu powert der On- und Offline-Filialist auch noch das neue Modell „ClimaheatRocket Boost“ von Adidas: Einen speziellen Winterfitness-Schuh, der für absolute Wärmeisolierung bei Kälte steht und höchste Energie-Rückgewinnung verspricht durch Kapseln, die bei jedem Schritt Energie speichern und freisetzen. Adidas, gerade an der Börse für seine Innovationsfreudigkeit gefeiert, setzt also auch im Winter draußen Maßstäbe, die der Handel dankbar umsetzt.

Salewa hat sich derweil mit dem neuen Sohlen-Profi Michelin verpartnert, um mit dem Modell „Lite Train“ den weltweit ersten Laufschuh mit dem Original Michelin-Profil anzubieten. Die spezielle Outdoor-Gummimischung in Kombination mit dem aggressiven Sohlendesign garantiert laut Anbieter perfekte Trittsicherheit und Grip in jedem Gelände. In der Münchner Salewa-World wird das Winter-Fitness-Thema und die dazugehörige Ausrüstung entsprechend präsentiert. Damit besetzt und verkauft der Komplettausrüster Geschichten, die auch abseits vom Schnee Käufer animieren können.

Diese Aussicht lockt mittlerweile auch andere Outdoor-Marken an. Hi-Tec beispielsweise bietet jetzt ebenfalls Outdoor-Fitnessschuhe für den Winter an. Dieses ziehen zu gewohnt konsumigen Preislagen unter hundert Euro in den Handel und dürfte das breite Bewusstsein für diese Produktgruppe beim Endverbraucher stärken, hoffen zumindest der Anbieter und viele Händler.

Outdoorausrüster im Winterfieber: Das bedeutet einerseits, etablierte Wintersportmarken könnten in Bedrängnis kommen, sie stehen zumindest unter erhöhten Wettbwerbsdruck. Andererseits bekommt der Handel zusätzliche Angebotsoptionen und kann sich im ebenfalls erhöhten Wettbewerbsumfeld besser profilieren. Das gilt vor allem für den reinen Sporthandel, der damit Druck auf den reinen Outdoorhandel ausüben dürfte. Auf der anderen Seite drängen Outdoorhändler immer stärker ins Winterbusiness. Sie wollen nicht nur mit funktioneller Bekleidung punkten, sondern auch mit Hartware. Der Outdoorhandel lockt Kunden für Skitouren und Schneeschuh-Laufen ins Geschäft und beschäftigt sich sogar erfolgreich mit dem Thema Freeride. „Hohe Erwartungen“ hat man bei der Bremer Filiale der mehrere Standorte umfassenden Outdoorgruppe Unterwegs zur Wintersaion. „Wir hoffen auf ein gutes Geschäft“, meint einer der Verkäufer.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2017