Mittwoch | 09. März 2016  |  11:13 Uhr

Neu in der Ausbildung - Zeit fürs erste Feedback

Ein bis vier Monate dauert die Probezeit für Auszubildende. In dieser Zeit sollen beide Seiten, Azubis wie Arbeitgeber, herausfinden, ob der gewählte Beruf der richtige ist und ob der Auszubildende zum Betrieb und zu den Kollegen passt.

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Durch die immer wiederkehrenden Feedbackgespräche können wir schnell eingreifen und gegensteuern, falls sich eine negative Entwick­lung abzeichnet. Sebastian Roettinger
© Sport Scheck

Text: Dorothea Weniger

Arbeitgeber nutzen diese Zeit sinnvoll, wenn sie die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterschiedlichen Situationen beobachten und immer wieder Feedback geben. Dabei gilt es, Stärken zu fördern, Schwächen anzusprechen und nach Wegen zu suchen, wie diese überwunden werden können. Über die Bedeutung der Feedbackgespräche sprach Sebastian Roettinger (Foto), Berufsbildner bei Sport Scheck und dort für alle Ausbildungsberufe verantwortlich, mit Dorothea Weniger.

sportFACHANDEL: Wie war der Start ins neue Ausbildungsjahr? Konnten Sie alle freien Stellen zum 1. September besetzen?

Sebastian Roettinger: Ja, boarding completed. Wir haben unsere Wunschkandidaten gefunden und alle vakanten Ausbildungs- und Studienplätze besetzt. Deutschlandweit sind 41 neue Auszubildende eingestellt worden, sieben in der Zentrale, 34 in den Sport Scheck-Filialen.

Wann führen Sie mit Ihren neuen Auszubildenden das erste Feedbackgespräch? Der Auszubildende erhält bei Sport Scheck permanent Feedback, weil wir eine offene und konstruktive Feedbackkultur leben. Im Idealfall vor einem Einsatz, spätestens am ersten Tag des Einsatzes in einer neuen Abteilung führt der dortige Ausbildungsverantwortliche ein Zielvereinbarungsgespräch mit dem Auszubildenden, in dem die Lernziele und Erwartungshaltungen abgestimmt werden. Dieses Gespräch ist Basis für jedes weitere Feedback und für die spätere Bewertung. Transparenz für alle Beteiligten ist hier der Schlüssel. Durch die immer wiederkehrenden Feedbackgespräche können wir schnell eingreifen und gegensteuern, falls sich eine negative Entwicklung abzeichnet. Allerdings legen wir auch großen Wert darauf, dass die Auszubildenden selbst diese Gespräche initiieren. Am Ende der Probezeit findet dann das erste Beurteilungsgespräch statt.

Binden Sie den Betriebsrat bei diesen Gesprächen mit ein? In der Regel werden die Gespräche nicht mit dem Betriebsrat abgestimmt. In Ausnahmesituationen nehmen wir ihn aber mit ins Boot und stimmen uns vorher ab.

Und wer nimmt im Normalfall an dem Gespräch teil? Nur der Auszubildende und der Ausbildungsverantwortliche.

Was sind für Sie die wichtigsten Punkte beim Feedbackgespräch? Grundlage eines jeden Gesprächs ist unser Beurteilungsbogen. Dieser Bogen wird bei Eintritt in die Berufsausbildung allen Azubis vorgestellt und erläutert. Der Azubi weiß also mit Beginn seiner Ausbildung, anhand welcher Kriterien er später beurteilt wird. Die wichtigsten Punkte des Beurteilungsbogens und der Gespräche spiegeln sich im Kompetenzmodell (Abb.) wider.

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Die Kompetenzdimensionen und Unterkategorien beruflicher Hand­lungskompetenz, die die Grundlage für die meisten Beurteilungsbogen für die Ausbildung sind.
© Sport Scheck

Gibt es am Ende eines ausführlichen Gesprächs ein Protokoll? Bekommt der Auszubildende eine Kopie davon? Wir erstellen keine gesonderten Protokolle. Der Beurteilungsbogen, auf dem die Ziele von Beginn an notiert werden, dient während der kompletten Ausbildung als Protokoll. Dieser kommt auch in die Personalmappe. Der Auszubildende erhält immer eine Kopie davon.

Führen die Ausbildungsverantwortlichen die Gespräche auch nach der Probezeit weiter? Ja, das Prozedere läuft unverändert weiter. Die Azubis wechseln alle drei bis sechs Monate die Abteilung. In jeder Abteilung bekommen sie eine Gesamtbeurteilung, der viele kurze und längere Gespräche vorgeschaltet sind. Alle drei Monate wird ein Feedbackbogen erstellt, der dann zu mir zurückkommt. Dabei achten wir darauf, dass der Prozess transparent und nachvollziehbar gestaltet wird.

Bauen die Gespräche inhaltlich aufeinander auf? Das ist eine spannende Frage, an der wir gerade arbeiten. Wir überlegen im Moment, ob wir Übergabegespräche mit den jeweils beteiligten Ausbildungsverantwortlichen als Standard einführen sollen. Was auf den ersten Blick sehr positiv aussieht, weil bei diesem Weg das Prozesshafte und die Entwicklung im Fokus stehen, kann auf den zweiten Blick ein Nachteil sein. Denn die Chance, dass für einen Auszubildenden ein neuer Aus-bildungsabschnitt auch ein Neubeginn darstellen kann, wird damit vielleicht verspielt. Ich gebe einmal ein Beispiel: Lief es mit einem Azubi in einer Abteilung nicht so gut und wird diese Erfahrung mit ihm in den nächsten Ausbildungsabschnitt weitergetragen, wird es ihm schwer fallen, die Rolle des „Schwierigen“ wieder abzulegen.

Kontaktieren Sie in der Vorbereitungsphase der Gespräche auch die Berufsschule? Ja, wir tauschen uns laufend mit den Berufsschulen aus. Im dualen System stellt die Berufsschule unabdingbar einen wichtigen Bestandteil der Ausbildung dar.

Fordern Sie bei schwierigen Fällen Hilfe wie z.B. ausbildungsbegleitende Hilfen von außen an? Nein, bisher sind wir mit unseren internen Ressourcen gut zurechtgekommen.

Bilden sich Ihre Ausbilder in Bezug auf Feedbackgespräche selbst fort? Wir sind intern immer im Austausch. Und einmal im Jahr treffen sich unsere Ausbildungsverantwortlichen aus dem ganzen Bundesgebiet zur Betreuertagung. Dort wird auch das Thema Feedbackgespräch entweder durch den Austausch untereinander oder durch einen Input eines Trainers von außen auf einem guten Qualitätsniveau gehalten.

Herr Roettinger, vielen Dank für das Gespräch.

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Auch spontane Feedback-Gesten stärken nicht nur das Team, sondern binden die Azubis auch an den Betrieb.
© Sport Scheck

Wozu Feedbackgespräche?

Feedbackgespräche sind Teil der Ausbildung und sollen den Ausbildungsprozess unterstützen, für eine positive Entwicklung des Azubi sorgen, Konflikte und den Ausbildungsabbruch vermeiden und dem Azubi seinen Ausbildungsstand rückmelden.

Wie bereitet man sich vor?

- Eine Woche vor dem Gespräch Themen, Einschätzung- und Bewertungskriterien, Termin, Uhrzeit und Ort dem Auszubildenden mitteilen.

- Ihn bitten, sich auch darauf vorzubereiten.

- Als Ausbilder vorbereiten.

- Der Azubi sollte mindestens zwei unterschiedliche, berufstypische

Abteilungen mit wechselndem sozialem Umfeld durchlaufen haben.

- Machen Sie sich einmal in der Woche Notizen zu Stärken und Schwächen des Azubis, inklusive Beispiele.

- Holen Sie sich das Feedback anderer Fachausbilder ein.

- Erstellen Sie einen Gesprächsleitfaden für die Themen Leistung, Fach- und Sozialkompetenz.

Welche Bestimmungen sind einzuhalten?

- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bei standardisierten Beurteilungen das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates nach §§ 82, 84, 94 Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG)

Das Gespräch führen

- Nehmen Sie Aufzeichnungen, Ausbildungsordnung, Ausbildungsrahmenplan, Berichtsheft, Leistungen in der Berufsschule mit in das Gespräch.

- Schaffen Sie eine angenehme Gesprächsatmosphäre.

- Informieren Sie über Inhalt und Dauer (1 bis 1,5 Std.) des Gesprächs.

- Denken Sie daran, dass sie Ihren Azubi wertschätzen. Animieren Sie ihn zur aktiven Gesprächsbeteiligung.

- Arbeiten Sie sachlich und konzentriert den Gesprächsleitfaden ab.

- Besprechen Sie zuerst die Stärken, dann die Schwächen.

- Animieren Sie den Azubi dazu, selbst Lösungen für schwierige Situationen zu finden. Unterstützen Sie ihn erst, wenn er Hilfe braucht.

- Klären Sie, welche Unterstützung der Auszubildende braucht.

- Klären Sie die weiteren Aufgaben und Ziele.

Was tun, wenn’s nicht rund läuft?

Gibt es Schwierigkeiten in der Ausbildung, die innerbetrieblich nicht zu lösen sind, kann man von außen ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) und zur Assistierten Ausbildung (AsA) anfordern. Infos dazu gibt es unter arbeitsagentur.de. Infos zu abH gibt es auch bei den zuständigen IHKen.

Informationen zu „VerA, Stark durch die Ausbildung“ gibt es unter vera.ses-bonn.de (vgl. SFH 1/2015 v. 23.1.2015).

Wie bereitet man das Gespräch nach?

Die Antworten auf folgende Fragen sind die Basis für das nächste Feedbackgespräch:

- Waren Sie adäquat vorbereitet?

- Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

- Wann und warum wäre das Gespräch beinahe aus dem Ruder gelaufen:

- Was überraschte?

Weitere Infos zum Thema

- Feedbackgespräche für Ausbilder BMBF (Hg.): "Handreichung für ausbildende Fachkräfte", Download: bmbf.de

- DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung - Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH (HG): "Ausbilderhandbuch", Download: stark-fuer-ausbildung.de

- Fortbildungen für Ausbilder: bei den zuständigen IHKen

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2015