Mittwoch | 09. Juli 2014  |  10:15 Uhr
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Damit es nach dem 1. Tag heißt: „Mein Betrieb ist klasse!“

2013 wurden 23 Prozent aller Ausbildungsverträge vor Ausbildungsende wieder gelöst – fast jeder vierte Vertrag also.

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Der Münchner Filialist Sport Scheck legt großen Wert auf seine Azubis. © Sport Scheck

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Händler setzen mit jedem Abbruch circa 7.700 Euro in den Sand. Nicht eingerechnet sind die vertane Zeit und Arbeitskraft. 19 Prozent der Betriebe warteten zudem vergeblich auf ihren Azubi. Der Grund: Dieser hatte sich kurzfristig für einen anderen Betrieb entschieden. Kleine und mittelständische Unternehmen stellen dann oft Ihr Engagement in der Ausbildung ein, obwohl es Maßnahmen gibt, Ausbildungsabbrüche aktiv zu verhindern.

Text: Dorothea Weniger

Falsche Berufswahl (53 Prozent), Probleme mit Ausbildern, Lehrern, Kollegen und Mitschülern (46 Prozent) sowie persönliche, finanzielle und gesundheitliche Probleme (42 Prozent) sind auf Azubi-Seite die Hauptgründe für vorzeitige Vertragslösungen (vgl. Grafik). Bei den Themen Ausbildungsqualität, Betriebsklima und persönliche Probleme haben Sie als Händler allerdings schon vor Beginn der Ausbildung die Möglichkeit, präventiv gegenzusteuern.

Kurz vor Ausbildungsbeginn sollten Sie ihren Azubi noch einmal anschreiben. Er muss wissen, wann er am ersten Tag anfangen und was er mitbringen soll (vgl. Kasten). Gleichzeitig sollten Sie ihm die Kontaktdaten seines Ausbilders und Ausbildungspaten mitteilen. Der Pate kann ein Azubi im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr sein, der noch am nächsten an der Situation des Einstiegs dran ist. Ermuntern Sie Ihren „Neuen“ dazu, bei Fragen die Kontaktpersonen wirklich anzurufen. Am Ende Ihres Briefes sollten Sie ihn noch einmal ausdrücklich willkommen heißen.

Spätestens jetzt sollten auch alle Mitarbeiter in Ihrem Betrieb darüber informiert sein, dass ein „Neuer“ kommt. Wenn Sie es noch nicht erledigt haben, melden Sie jetzt den Azubi auch bei der IHK und der Berufsschule an. Stellen Sie die notwendigen Arbeitsmittel zusammen, richten Sie eine Personalakte sowie ein mit Namen beschriftetes Fach für seine persönlichen Dinge ein. Akzeptieren Sie bei all diesen Vorbereitungen keine Notlösungen!

Ist Ihr Azubi minderjährig, müssen Sie das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde aushängen. Beschäftigen Sie drei oder mehr Azubis unter 18 Jahren, gilt dies auch für die Arbeits- und Pausenzeiten.

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Auch der noch so coole Azubi ist an seinem ersten Tag nervös. Begrüßen Sie ihn persönlich und überreichen Sie ihm einen Ordner, in dem er die wichtigsten Unterlagen für seine Ausbildung finden kann (vgl. Kasten).

In einem entspannten Gespräch sollten Sie die einzelnen Punkte gemeinsam mit dem Auszubildenden und dem Ausbilder detailliert besprechen. Vergessen Sie dabei nicht, auf die Zahlung des Gehalts, auf den Tarifvertrag, Weiterbildungsmöglichkeiten und den Umgang untereinander einzugehen. Berichten Sie auch, wo Ihr Betrieb steht und welche Ziele Sie derzeit verfolgen.

Fragen Sie Ihren Azubi, was er sich von seiner Ausbildung verspricht, und definieren Sie gemeinsam erste konkrete Ziele und Wege, wie diese erreicht werden können. Fragen Sie ihn abschließend, ob er alles verstanden hat, und ermuntern Sie ihn dazu, von Beginn an Verbesserungsvorschläge zu machen, denn er ist der einzige, der noch nicht betriebsblind ist. Stellen Sie ihm wöchentlich ein kurzes Feedback-Gespräch in Aussicht, das sie dann aber auch unbedingt einhalten sollten. Stellen Sie ihn allen Kollegen, auch dem Betriebsrat – falls vorhanden – vor und zeigen Sie ihm Ihren Betrieb. Vergessen Sie dabei die Sozialräume wie Toiletten, Küche, Aufenthaltsraum und Fluchtwege nicht und weisen Sie ihn auf die Sicherheitsvorkehrungen des Betriebes hin. Gleichzeitig können Sie ihm von den Gepflogenheiten im Betrieb erzählen: Wie sprechen sich Kollegen vor Kunden an? Werden Geburtstage gefeiert? Gibt es gemeinsame sportliche Aktivitäten, zu denen Sie ihn einladen möchten? All dies trägt zu einer vertrauensvollen Atmosphäre bei. Und denken Sie daran: Spätestens nach den ersten 100 Tagen sollten Sie ihn fragen, wie ihm sein erster Ausbildungstag gefallen hat. Auch von diesem Feedback sollte der nächste Azubi profitieren!

Gelingt es Ihnen, Ihrem Azubi einen spannenden, gut organisierten ersten Tag zu bieten, haben Sie auch die erste Hürde im sogenannten Ausbildungsmarketing genommen. „Mein Betrieb ist klasse! Ich muss Euch erzählen, was da heute los war …“, macht beim Kumpeltreff am Abend potenzielle Bewerber für 2015 bereits jetzt neugierig.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2014