Montag | 24. November 2014  |  18:31 Uhr

Azubi gesucht? Förderprogramme helfen!

Beim diesjährigen Start in die Ausbildung gingen einige Händler leer aus. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern – im Gegenteil: Der demographische Wandel und steigende Studentenzahlen werden die Lage noch verschärfen. Warum also nicht neue Wege gehen und auch mal Jugendlichen eine Chance geben, die außen vor sind?

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foederdatenbank.de veröffentlicht alle Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU. © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

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Text: Dorothea Weniger

Sicher kennen Sie das: Gingen Sie nur nach den Unterlagen, die Ihnen ein Jugendlicher als Bewerbung für einen Ausbildungsplatz geschickt hat, müssten Sie ihn ablehnen. Und trotzdem glauben Sie, dass er Potenzial hat. Dann geben Sie ihm doch eine Chance! Vielleicht ziehen Sie das große Los, denn viele junge Menschen, die als nicht „ausbildungsreif“ gelten, entwickeln sich am Arbeitsplatz zu motivierten Mitarbeitern. Sollten Ihre Bedenken aber doch zu groß sein, hilft das Programm der Einstiegsqualifizierung (EQ) weiter.

Einstiegsqualifizierung nach § 54a SGB III:

Jugendliche, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind und auch über Nachvermittlungsaktionen keine Lehrstelle gefunden haben, werden so an einen Ausbildungsberuf herangeführt. Bevor Sie allerdings mit einem von ihnen einen EQ-Vertrag über sechs bis zwölf Monate abschließen, müssen Sie Ihre zuständige Agentur für Arbeit oder Ihre IHK kontaktieren. Dort erhalten Sie auch einen Mustervertrag, in dem Kündigungsfristen, Vergütung und Zeugniserstellung geregelt sind. Nach Abschluss des Vertrages müssen Sie diesen bei der IHK einreichen. Die Agentur für Arbeit gewährt Ihnen dann einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung von maximal 216 Euro und eine Pauschale zum Sozialversicherungsbeitrag. Soll die EQ auf eine Ausbildung als Kaufmann/-frau im Einzelhandel oder auf Verkäufer/-in vorbereiten, sind die bundeseinheitlichen Ausbildungsbausteine (vgl. Kasten) Inhalt der Maßnahme. Unterstützt wird Ihre Arbeit durch einen Besuch der Berufsschule, idealerweise in einer Fachklasse. Mindestens 70 Prozent der Qualifizierungszeit muss aber im Betrieb abgeleistet werden. Die EQ erfolgt in Vollzeit, kann aber wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen auch in Teilzeit (mindestens 20 Std./Woche) durchgeführt werden.

Ihren erfolgreichen Abschluss müssen Sie in einem Zeugnis, das als Grundlage für ein IHK-Zertifikat dient, bestätigen. Das Zertifikat berechtigt dazu, die Praktikumszeit auf die anschließende Ausbildungszeit anzurechnen und entsprechend zu verkürzen.

Was als soziales Engagement erscheint, bietet auch Betrieben Vorteile: Als Ausbilder müssen Sie nicht nach einem kurzen Bewerbungsgespräch entscheiden, ob der Jugendliche zum Betrieb passt oder nicht. Auch ein Neu- oder Wiedereinstieg in die betriebliche Ausbildung wird damit leichter. Als Antragsteller sollten Sie aber verantwortungsbewusst mit dieser Maßnahme umgehen. Es geht um die Zukunft eines jungen Menschen – dieser Gedanke sollte Sie bei Ihrer Entscheidung ob Erstausbildung oder EQ leiten.

Das bundesweite Förderprogramm gilt als gutes arbeitsmarktpolitisches Instrument: Mehr als 60 Prozent der EQ-Teilnehmer münden danach direkt in eine betriebliche Ausbildung.

EQ funktioniert vor allem dort gut, wo Betriebe, IHK und Agentur für Arbeit eng zusammenarbeiten.

Für lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte junge Menschen in einer EQ können zusätzlich ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) beantragt werden. Das dadurch erweiterte Förderprogramm heißt dann EQ Plus.

Ausbildungsbegleitende Hilfen nach § 75 SGB III: Von abH profitieren aber auch Betriebe und Azubis in der Erstausbildung. Bei fachlichen, sozialen oder sprachlichen Defiziten, schlechten Noten oder Prüfungsversagen können Sie im Einvernehmen mit Ihrem Auszubildenden diese Unterstützung bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter beantragen. Wird Ihr Antrag genehmigt, erhält Ihr Auszubildender bei einem Bildungsträger einen auf ihn abgestimmten Förderunterricht (max. 3 bis 8 Std./Woche), der in der Regel außerhalb der Ausbildungszeit stattfindet. Die Lehrkräfte und Sozialpädagogen arbeiten dabei eng mit der Berufsschule, den Eltern und Ihnen zusammen.

Sollte nach Ausbildungsende eine Fortsetzung der Förderung nötig sein, um das Arbeitsverhältnis zu festigen, kann die abH auch verlängert werden.

Ausbildungshilfen für behinderte Jugendliche: Entschließen Sie sich dazu, einen behinderten Jugendlichen auszubilden, gibt es gleich mehrere Förderprogramme: von staatlicher Seite, vorrangig von der Agentur für Arbeit, aber auch von SGB II- und Reha-Trägern sowie vom Integrationsamt. Sie beraten und gewähren Darlehen, Zuschüsse oder Prämien.

Technische Berater der Arbeitsagentur oder des Integrationsamtes helfen Ihnen dabei, einen behindertengerechten Arbeitsplatz einzurichten und zu unterhalten. Darunter fallen spezielle Bürotische und -stühle ebenso wie eine neue Telefonanlage oder ein behindertengerechter Computer usw. Für die praktische Umsetzung gibt es dann einen Zuschuss oder ein Darlehen. Die Höhe hängt vom konkreten Fall ab. Individuell geregelte Zuschüsse gibt es auch vom Integrationsamt für alle Gebühren, die die IHK während der Berufsausbildung erhebt.

Ausbildungsbetriebe mit 20 oder mehr Beschäftigten, die behinderte Jugendliche ausbilden, sparen sich damit auch die Zahlung der gesetzlichen Ausgleichsabgabe.

Tue Gutes und rede darüber: Warum auch nicht? Es spricht nichts dagegen, wenn Sie z.B. die Umbaumaßnahmen, die sie in Ihrem Geschäft vor der Einstellung Ihres Auszubildenden im Rollstuhl getätigt haben, Ihren Kunden gegenüber in der Regionalpresse oder auf Ihrer Webseite kommunizieren. Denn Ihr nun barrierefreies Geschäft hat sich damit auch einer neuen Zielgruppe geöffnet, die gleichzeitig von einer Person beraten werden kann, die weiß, von was sie spricht.

Sportsella-Trainings im November

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Erstes von vier Langlauf-Trainings von Rossignol: Der Fokus dieses Trainings liegt auf den unterschiedlichen Bedürfnissen der Zielgruppe „Langläufer“. Denn nur wenn Sie wissen, welche Langlauftypen es gibt, können Sie kundenorientiert beraten.

Hinweis: Mehr zu Langlaufschuhen erfahren sie in „beraten&verkauft“ in der Mitte dieses Magazins, das in Kooperation mit Sportsella entstanden ist.

2. Runde der Rossignol/Lange-BootCampTour: Die Blended-Learning-BootCampTour besteht aus fünf Gratis-Online-Schulungen und einem Praxisseminar (Teilnahmegebühr: 199 Euro). Die Tests zu den Schulungen „Anatomie“, „Schuhanpassung“ und „Allgemeiner Verkaufsleitfaden zu Skischuhen“ auf sportsella.com bzw. sportsella.at müssen vor dem Praxistag bestanden werden. Unterstützt wird die Tour von Sidas, Therm-ic und Polygiene.

Kamik Kinderkleidung Winter 2014: Kamik ist nicht mehr nur Schuhhersteller. Seit September 2014 bietet Kamik dem Handel auch funktionelle Winterbekleidung für Kinder und Kleinkinder an, die in diesem Training u.a. vorgestellt wird. Monatspreis: 1 Paar Kamik-Winterboots.

Polygiene: Polygiene-Produkte gelten als Geruchskiller, die für lang anhaltende Frische stehen. In diesem Training erfahren Sie, wie Schweiß entsteht und mit welchen Mitteln ihm Polygiene entgegentritt.

Wochenpreis: Polygiene Micro-Reisehandtuch.

Infos zu weiteren Trainings: sportsella.com

Infos zu Förderprogrammen

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© Rossignol/Monica Dalmasso

Ausbildungsbausteine: jobstarter.de

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH): arbeitsagentur.de

Ausbildung behinderter Jugendlicher: einfach-teilhaben.de

Download der Broschüre „ZB info: Behinderte Menschen im Beruf 2012“: integrationsaemter.de/publikationen/65c1348i/index.html

Regionale Sonderprogramme: Infos gibt es bei den regionalen Integrationsämtern, den Arbeitsministerien der Länder und der IHK.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 19 / 2014