Montag | 01. Dezember 2014  |  09:45 Uhr

Achtung Mindestlohn!

Ab dem 1.1.2015 gilt in Deutschland der flächendeckende Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Dies betrifft auch den Einzelhandel sowie sämtliche Verträge mit Aushilfen, Minijobbern und Beschäftigten in der so genannten Gleitzone. Fehler können teuer werden!

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Als Minijobber gilt, wer weniger als 450 Euro im Monat verdient. In der so genannten Gleitzone befindet sich, wer zwischen 450 und 850 Euro bekommt. Beide Grenzwerte dürfen auch dann nicht überschritten werden, wenn Sie jetzt den Stundenlohn aufgrund des Mindestlohngesetzes auf über 8,50 Euro pro Arbeitsstunde anheben müssen.

Berücksichtigen müssen Sie dabei alle laufenden und einmaligen Einnahmen innerhalb von zwölf Monaten. Dazu gehört also auch etwaiges Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Kommt es nach Anpassung des Stundenlohns zu einer Überschreitung der Gleitzone (850 Euro), wird der Mitarbeiter voll versicherungspflichtig. Überschreiten Minijobber die 450-Euro-Grenze, rutschen sie in die Gleitzone (450 – 850 Euro) und haben höhere Abzüge als zuvor (Arbeitnehmeranteil an den Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsbeiträgen). Aufgrund der so genannten Gleitzonenformel sind diese zwar reduziert, sie fallen aber natürlich trotzdem ins Gewicht.

Ansonsten bleibt Ihnen nur noch, mit den entsprechenden Mitarbeitern eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit zu vereinbaren, und zwar auf maximal 52 Stunden monatlich. Legt man hier den neuen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro zugrunde, sind das dann 442 Euro im Monat.

Denn, wenn Sie den Mindestlohn unterschreiten, um eine Entgeltgrenze nicht zu überschreiten, gehen die Sozialversicherungsträger bei der Berechnung der Beiträge vom tatsächlichen Anspruch aus, den der Mitarbeiter hat (Phantomlohn). Das bedeutet: Sie müssen dann nicht nur Entgeltzahlungen, sondern auch Beitragszahlungen nachleisten (evtl. zuzüglich Säumniszuschläge). Außerdem tritt rückwirkend eine Versicherungspflicht ein.

Das Mindestlohngesetz enthält auch neue Grenzen für Aushilfen. Arbeitgeber können Aushilfen ab dem 1.1.2015 bis zu einer Dauer von drei Monaten (statt bisher zwei Monaten) oder bis zu 70 Arbeitstagen (statt bisher 50 Arbeitstagen) sozialversicherungsfrei beschäftigen. Wichtige Voraussetzung hierfür ist aber, dass der Arbeitsvertrag von vornherein befristet ist.

Tipp: Sie können diese – aufgrund der Sozialversicherungsfreiheit besonders günstigen – Mitarbeiter noch umfassender nutzen, wenn Sie deren Einsatz von vornherein und auf das ganze Jahr gerechnet richtig planen. Die Grenze von 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr gilt nämlich, wenn die Aushilfe entweder weniger als fünf Tage pro Woche arbeitet oder eine Beschäftigung mit einer Arbeitszeit von teilweise fünf Tagen wöchentlich und zu einem anderen Zeitpunkt eine Beschäftigung mit einer Arbeitszeit von weniger als fünf Tagen pro Woche ausübt (klassische Saisonarbeit). Die Grenze von drei Monaten im Kalenderjahr gilt, wenn die Aushilfe ganzjährig mehr als fünf Tage wöchentlich arbeitet.

Vorsicht: Andere kurzfristige Beschäftigungen müssen dabei berücksichtigt werden. Übersteigt der Zeitraum die 70 Arbeitstage bzw. drei Monate, unterliegen alle Beschäftigungsverhältnisse der Sozialversicherungspflicht! Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, Sie über seine weiteren Tätigkeiten zu unterrichten. Aber es ist Ihre Pflicht, Mehrfachbeschäftigung zu kontrollieren. Handeln Sie dabei „grob fahrlässig“ haftet Ihr Unternehmen auch rückwirkend für Beitragsnachzahlungen (§ 8 Abs. 2 SGB IV). Sie sollten sich deshalb bei der Einstellung von kurzfristig Beschäftigten eine Bestätigung über weitere Beschäftigungsverhältnisse geben lassen. Ideal ist eine in den Arbeitsvertrag integrierte Bestätigung.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 22 / 2014