Industrie kämpft mit Beschaffungsproblemen aus Fernost
17.06.2010
Die globale Wirtschaftskrise beginnt, sich auf die Wertschöpfungskette in der Outdoor-Industrie auszuwirken. Momentan ist eine massive Kürzung von Produktions-Kapazitäten und Lieferverspätungen zu verbuchen, nachdem die asiatischen Fertigungen sowohl auf Ebene der Produktvorstufen wie Fasern oder Reißverschlüssen als auch bei den Endprodukten ihren Ausstoß erheblich gedrosselt haben.Zudem sind die europäischen Marken – und dabei insbesondere die kleineren – ins Hintertreffen geraten, da sich die amerikanische Wirtschaft schneller als erwartet erholen konnte. Dies hatte zur Folge, dass große Anbieter wie beispielsweise Decathlon oder Wal-Mart mit ihren Bestellungen in Fernost wieder bestimmter auftreten und von ihren Lieferanten erwarten, bevorzugt behandelt zu werden. Ein mittleres europäisches Outdoor-Unternehmen ließ wissen, dass sich die Wartezeiten für Lieferungen von sechs auf acht Monate verlängert haben.
Offenbar betrifft dieser Sachverhalt vor allem Bekleidung, Zelte und Rucksäcke. Nachdem die Marken schon bei der Auslieferung für diesen Frühling und Sommer mit Verspätungen zu kämpfen hatten, wird allgemein erwartet, dass sich für die Herbst/Winter-Kollektionen ähnliches ereignen könnte.
Diese Entwicklung kommt nicht überraschend, nachdem die Chinesen den Ausbruch der Wirtschaftskrise mit Vorsicht begrüßten. Im Reich der Mitte wurde zeitnah mit der Reduzierung der Belegschaft reagiert, um für die Unwägbarkeiten und trüben Aussichten der globalen Wirtschaft gerüstet zu sein. Am Ende waren die Fabriken personell unterbesetzt, nachdem die Orders der westlichen Marken schneller als vermutet zu alter Stärke zurückgefunden hatten.
Von dieser Entwicklung war die Outdoorbranche im Besonderen betroffen, da das kalte Wetter im letzten Winter half, die Abverkäufe anzukurbeln und die Läger der westlichen Händler zu räumen. In Europa waren im Warenfluss ohnehin keine nennenswerten Einbrüche zu verbuchen, und in Nordamerika erholte sich der Handel um einiges schneller als ursprünglich angenommen.
Extra-Wurst von Decathlon
Dem Vernehmen nach stellte Decathlon in diesem Szenario ein besonderes Problem dar: Die französische Mega-Kette platzierte ihre Bestellungen bei den asiatischen Herstellern um einiges später als üblich. Decathlon generiert rund 60% seiner Umsätze mit seinem eigenen Exklusiv-Label Quechua. Mit ihrem Bestellvolumen konnte die Kette andere Anbieter auf der Prioritätenliste der Hersteller in Fernost nach unten durchreichen. Mitbewerber reagierten teilweise damit, ihre Produkte mit dem Flugzeug in den Westen zu schaffen, was sich spürbar auf die erzielten Margen auswirkte.
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