Europa bezieht weniger Bekleidung aus Asien
03.12.2010
Im ersten Halbjahr 2010 importierte die Europäische Union um 4,4% weniger Textilien aus Fernost als im Vergleichszeitraum von 2009.
Insgesamt belief sich das Volumen auf 26,9 Mrd. EUR. Das ist der erste Rückgang beim Bezug von Bekleidung aus Asien seit vielen Jahren. Diese Entwicklung legt die Vermutung nahe, dass sich europäische Marken verstärkt nach alternativen Bezugsquellen umschauen, so zum Beispiel im Mittelmeerraum.
In der Tat stiegen die Importe aus der Türkei um 5,7% auf über 3,7 Mrd. EUR, nachdem die Zahlen dort in den zwei Jahren davor eher rückläufig waren. Tunesien verzeichnete ein Plus von 0,9% auf 1,2 Mrd. EUR, während der Bezug von Textilien aus Marokko um 0,8% auf knapp über 1 Mrd. EUR leicht rückläufig war.
Auf der Rückseite der Rechnung stehen empfindliche Rückgänge für die beiden maßgeblichen Fernost-Hersteller, China und Bangladesh: Die Importe aus China gingen um 6,1% auf 11 Mrd. EUR zurück und aus Bangladesh um 5,4% auf 2,5 Mrd. EUR. Indiens Exporte in die Europäische Union gaben um 3,5% nach. Ein Grund für die nachlassende Nachfrage aus Fernost mag bei den wachsenden Lohnkosten in den einschlägigen Ländern liegen. Auf dem Gebiet der Arbeitskosten dürfte sich die Situation zunehmend verschärfen. Das lässt sich am Beispiel Bangladesh verdeutlichen, das vielleicht eher plakativ als repräsentativ ist: Im Ganges-Delta erhalten die 270.000 Beschäftigten, die in staatlich gelenkten Fertigungsbetrieben arbeiten, seit 1. November deutlich mehr Geld – zumindest, was die Mindestlöhne angeht. In acht unterschiedlichen Branchen – darunter textile Stoffe, Schuhe und Lederwaren – steigt der monatliche Grundlohn um circa 60% von rund 21 auf etwas mehr als 33 EUR.



