Hanwag

Kopfkino anwerfen

Wer Leidenschaften und Sehnsüchte weckt, hebt sich von der Konkurrenz ab.

Starke Worte und Bilder machen Lust auf mehr. Campz.de bietet seit vergangenem Herbst ein breites Sortiment rund um Outdoor-Sportarten und Camping. Betreiber ist die Internetstores AG von Jungunternehmer René Marius Köhler, zu der in Deutschland unter anderem die Sites Fahrrad.de, Fitness.de und Livingo.de gehören. Im September 2010 konnte die Internetstores AG den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger“ für sich entscheiden; das Onlinemagazin Gründerszene wählte Köhlers Start-up Mitte April unter die „33 Unternehmen, auf die Deutschland stolz sein kann“. Belief sich der Umsatz 2003 nach eigenen Angaben noch auf etwa 400.000 EUR, wurden im Geschäftsjahr 2009/2010 rund 30 Mio. EUR erwirtschaftet. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 150 an.

 

 

Qualitäten ausspielen
René Marius Köhler hat allem Anschein nach viel Zeit und Liebe in die Entwicklung von Campz.de gesteckt. Darauf deutet nicht nur die Auswahl der Fotos, Farben und Kategorien für die Navigation und Details wie Symbolbildern für die einzelnen Bereiche hin. Am unteren Rand der Startseite findet sich ein Willkommenstext – der allerdings unglücklicherweise komplett untergeht.
Darin ist die Rede von „Traumtrips mit dem Caravan und Camping unterm Sternenhimmel“, vom Ruf nach Abenteuer, der „durch die Berge hallt“ und fremden Kulturen, die ihre Türen öffnen. Starke Worte und noch stärkere Bilder im Kopf. Wer diesen Text zu Gesicht kriegt, bekommt Lust auf Urlaub. Und wer sich die Arbeit macht, einen solchen Text zu verfassen, sollte ihn nicht verstecken. Anbieten würde sich beispielsweise eine Seite „Über uns“. Für einen unauffälligen, drei Zentimeter langen Kasten mit Scroll-Leiste am unteren Bildrand ist so viel Arbeit
allemal viel zu schade – und vergeudete Liebesmüh, wenn kaum jemand Notiz nimmt.

 

Leere Links
Campz.de bietet derzeit rund 8000 Artikel. Das hat zur Folge, dass noch nicht jede in der Navigation verzeichnete Rubrik gleich gut gefüllt ist. Bis August soll das Sortiment auf 30.000 Produkte aufgestockt werden – und möglichst breit aufgestellt sein. Darauf deutet auch das gut durchdachte und feinkörnige Kategoriensystem des Shops hin. Was aber vermieden werden sollte: In der Kategorie Nachtwäsche ist im Moment kein einziges Produkt vorhanden. Vielleicht gibt es eine technisch nicht allzu mühsame Option, eine Kategorie inaktiv zu schalten, wenn gerade kein Artikel verkauft wird. Sonst ist möglicherweise erst die Freude und dann die Enttäuschung groß.

Wichtiges auf einen Blick
In der Produktübersicht zeigt Campz.de eine zweizeilige Information über die Artikel an. Hierbei handelt es sich um eine Kurzbeschreibung, die auch in der Detailansicht über den Produktdaten zu finden ist – und oft nur zwei oder drei Sätze enthält. Würden in der Übersicht drei statt zwei Zeilen angezeigt, hätten die meisten Beschreibungen Platz. So lassen sich ungeschickte Umbrüche vermeiden.

Auch Medien sind Kunden
Eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und sich von der Menge an Webshops abzuheben, ist eine gute Pressearbeit. Nicht jeder Shop hat einen eigenen Pressebereich, in dem er über sein Unternehmen informiert. Hier gilt insbesondere: Liefern Sie die Informationen, die für den Adressaten am wichtigsten sind – am besten auf einen Blick.
Für Medienvertreter heißt das: Pressemeldungen unbedingt mit Datum, ein Ansprechpartner und am besten eine Suchfunktion.
Im Fall von Campz.de lassen die Betreiber hier die Unternehmenskommunikation der Internetstores AG einfließen – teilweise ohne Datum und ohne Sortiermöglichkeit. Wenn ein Journalist aber nach Informationen über Campz.de sucht, ist er weniger an Fahrrad.de oder der Eröffnung eines neuen Branchenshops im Einrichtungsbereich interessiert, sondern möchte einige handliche Fakten zur Website, auf der er sich befindet.

Rechtschreibung beachten
Sich an den Duden zu halten, ist nicht uncool. Anglizismen gehören zwar mittlerweile zum Alltag – und für viele Begriffe steht ganz einfach auch kein vernünftiges deutsches Wort zur Verfügung. „Outdoor“ und „Trekking“ sind hier gute Beispiele. Allerdings ist eine Konstruktion wie „Outdoor Zubehör“ als „deutsches“ Wort definitiv mit einem Bindestrich zu schreiben, genauso wie „Outdoor-Ausrüstung“, „Outdoor-Enthusiasten“ und „Online-Shop". Im Deutschen werden Hauptwortketten gebildet. Punktum. Erinnern Sie sich nur an die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze.
Eine weitere Möglichkeit, die Campz.de ebenfalls nutzt, ist „Outdoorjacke“. Das Zusammenschreiben funktioniert mit Begriffen, die sich schon so in unseren Sprachgebrauch eingebürgert haben, dass sie ohne Weiteres verstanden werden. Leichter lesbar ist auch hier aber „Outdoor-Jacke“. Entscheiden Sie sich aber in jedem Fall für eine Variante. Auseinanderschreiben, was zusammengehört, ist nicht nur falsch, sondern auch kontraproduktiv, weil man beim Lesen automatisch darüber stolpert.

Anita Klingler

 

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