Hanwag

Erfolgreich mit Blogs und Twitter

In der letzten Ausgabe haben wir uns einige Grundlagen des Social Media Marketing angeschaut.

Wer das zu theoretisch fand, kommt heute auf seine Kosten. Am Beispiel der zwei wichtigsten Blogging-Werkzeuge schauen wir uns einige konkrete
Anwendungsfälle für Fachhändler an.

 

Jeder ist sicher schon einmal über den Begriff „Blog“ gestolpert, wusste nichts damit anzufangen und konnte erst recht nicht einschätzen, ob sich daraus ernstzunehmende Marketing-Instrumente entwickeln. Meine Devise war anfangs: abwarten und beobachten. Schauen, was andere machen, wo sie sich die Finger verbrennen und was sich an Trend entwickelt. Und schau her: Früher recht exotisch anmutende Internetanwendungen haben sich zu erwachsenen Werkzeugen im Marketing-Baukasten gemausert. Es ist also Zeit, diese genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was versteht man unter „Blog“?
Der Begriff „Blog“ ist eine Verkürzung des ursprünglichen Begriffs „Web-Log“, zu Deutsch „Online-Tagebuch“. Dank zahlreicher kostenloser Hilfsmittel ist neuerdings jeder in der Lage, die Online-Welt wissen zu lassen, was er so macht und denkt. In kurzen Textabschnitten fabuliert man über Erlebnisse, Ereignisse und Erfahrungen. Diese wiederum kann die Netzgemeinde kommentieren und bewerten, woraus sich wirklich spannende Dialoge entwickeln können. Die große Kunst beim Blogging ist spannende Inhalte knackig und kurz zu verfassen. Was beim „klassischen“ Blog idealerweise zwischen 400 und 700 Zeichen umfasst, wird beim Micro-Blogging-Dienst Twitter auf die Spitze getrieben und in maximal 140 Zeichen, also kürzer als jede SMS, abgehandelt.
Zuallererst stelle man sich aber die Frage: „Wer interessiert sich für meine Ergüsse und was bringt das, wenn ich Gott und der Welt mein Leben online offenbare?“ Wenn die Antwort „Niemand“ lautet, brauchen Sie nicht weiterlesen. Aber ich will Ihnen Mut machen und zeigen, was Sie tun können, um mit Blogging-Instrumenten erfolgreich zu werden. Wenn Sie Ihrer Zielgruppe Spannendes zu erzählen wissen, wird man Ihnen auch begeis-tert zuhören.

Viele Anwendungsmöglichkeiten dank „KuKuK“
In der Kürze liegt also die Würze; da stechen mir einige Anwendungsmöglichkeiten sofort ins Auge. Meine Merk-regel: alles was „KuKuK – Kurze und kurzfristige Kommunikation“ ist, eignet sich hervorragend. Was früher der Prospekt in festem Turnus erledigte, macht Twitter in Windeseile mit geringerem Aufwand für einen schmaleren Geldbeutel. Das ist für Händler besonders interessant, weil häufige Änderungen in Sortiment und Preis auch immer Kommunikationsbedarf bedingen. Der Fachhändler lebt aber nicht zwingend von „schnell & billig“. Er wird vor allem wegen seiner Sortiments- und Beratungstiefe geschätzt und aufgesucht. Twitter ist stark, wenn es um die schnelle Botschaft zwischendurch geht. Ein themenspezifischer Blog ist das Mittel der Wahl, wenn es um konkrete, tiefschürfende Beratung geht. Ein Outdoor-Händler kann prima über den optimalen Aufbau von Zelten im australischen Busch referieren, während der Schuhspezialist Tipps zu Materialpflege oder Trainingsgestaltung gibt. Voraussetzung ist freilich, dass sich jemand im Unternehmen findet, der Wissen, Zeit und Muße hat, sich dem regelmäßigen Verfassen von entsprechendem Material zu widmen. Auch das Bearbeiten von Zuschriften und Beantworten von Fragen will organisatorisch berücksichtigt sein.

Lichtgeschwindigkeitsmarketing
Egal ob Twitter oder Fach-Blog: Das Internet gibt ihnen die Möglichkeit, Ihre Kunden schneller und effizienter zu erreichen als je zuvor. Noch vor ein paar Jahren schrieb man der Unternehmenswebsite die größte Kommunikationsgeschwindigkeit zu. Twitter & Co. haben die Messlatte für „schnell“ noch einmal gewaltig angehoben. Passend zu den vielen Möglichkeiten wollen aber auch einige Knackpunkte bedacht werden, denn die Beschleunigung auf der Marketing-Rennbahn birgt auch zahlreiche Fehlerquellen.
Grundsteine legen Wer sich zum Bloggen entschließt, sollte das konsequent tun. Einerseits regelmäßig, andererseits qualitativ anspruchsvoll. Hier ist das „Fach“ in Fachhändler gefragt. Mit wenig durchdachten Artikeln macht man sich schnell zum Gespött. Hier ist echter Nutzwert gefragt und der will – Geschwindigkeit hin oder her – richtig herausgearbeitet werden. Knackpunkt Nummer Eins: das Lektorat. Es spielt keine Rolle, ob man 140 Zeichen für Twitter oder einen kompletten Blog-Artikel schreibt – Texte voller Fehler und zweifelhafter Formulierungen werden nicht gelesen und knabbern am guten Ruf. Einmal veröffentlicht, ist ein missratener Text kaum wieder einzufangen und in allerlei Suchmaschinen gespeichert. Stellen Sie also sicher, dass jemand liest und korrigiert, bevor Sie veröffentlichen. Das gute alte 4-Augen-Prinzip ist heute wichtiger denn je.

Im Zweifelsfall: Finger weg!
Denken Sie also daran: Wenn Sie weder Qualität noch Regelmäßigkeit ihrer Online-Marketing-Bemühungen sicherstellen können, lassen Sie lieber die Finger davon. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Blogs und ihre Wirkung
In der Vergangenheit wurden allerlei Werkzeuge erdacht, deren Aufgabe es war, „Traffic“ zu erzeugen; also Besucher auf die eigene Website zu locken. Was eingangs in Gestalt von Bannerwerbung und Pop-up-Fenstern daherkam, wird heute vornehmlich über Suchmaschinen gemacht. Klar, hier kommt natürlich sofort Marktführer Google ins Spiel. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die Vielfalt in Zukunft größer wird.
Die Tatsache, dass wir publizieren, bringt uns zusätzliche Einträge in Suchmaschinen und Verzeichnissen. Unsere Website bzw. unser Blog wird also häufiger gefunden. Je themenspezifischer wir schreiben, desto besser erreichen wir unsere Kernzielgruppe. Daher lohnt es sich auch zu differenzieren: Man könnte also mehrere Blogs zu verschiedenen Themen starten.

Erarbeiten Sie sich einen Expertenstatus
Hinzu kommt der Effekt der Nachhaltigkeit. Je länger wir aktiv sind und je mehr Inhalte wir veröffentlichen, des-to relevanter erscheint den Suchmaschinen unser Informationsangebot. Sprich: Ihre Website wird nicht nur gefunden, sie wird auch viel eher auf den ersten Plätzen einer Suchanfrage aufgeführt.
Ein Fach-Blog ist also das richtige Werkzeug, wenn Sie als Experte für Ihr Thema wahrgenommen werden möchten. Und das kann auch das stationäre Handelsgeschäft positiv beeinflussen.

Was genau kann man twittern?
Zuallererst wollen wir Licht ins Dunkel bringen: Twitter kommt aus dem Englischen von to tweet, übersetzt zwitschern. Wir pfeifen also von den Dächern, was uns bewegt und was wir der Welt mitteilen möchten. Eine einzelne Botschaft nennt man „tweet“ und sendet sie entweder über den eigenen Zugang auf twitter.com oder von allerlei mobilen Endgeräten ins Netz, zum Beispiel per SMS. Zu einem solchen Tweet gehört neben der Botschaft an sich oft auch ein Link zu einer Website, zu Bildern oder Videos. Insofern ist Twitter in erster Linie ein Werkzeug, um auf bestimmte Inhalte aufmerksam zu machen. Als Händler lässt sich das hervorragend nutzen, um Kunden zum Beispiel auf
1. neue Artikel
2. auslaufende Artikel
3. neue Produkte und
4. Sonderangebote
aufmerksam zu machen und direkt auf die entsprechende Produktseite im Online-Shop zu verweisen. Aber auch der weniger internetaffine Händler ohne Online-Shop kann seine Stammkundschaft gezielt informieren. Einzige Hürde vor dem Start: Man muss einen entsprechenden Verteiler aufbauen. Bei Twitter heißt das „Follower“ generieren, also Personen, die dem Twitter-Tweet folgen. Das ist grundsätzlich die gleiche Arbeit wie für einen klassischen Mailing-Verteiler. Man muss sich eben immer wieder aufs Neue um Akzeptanz und Kontaktdaten seiner Klientel bemühen. Hier ist werblicher Einfallsreichtum gefragt.

Wie erfährt mein Kunde von Neuigkeiten?
Echte Onliner schauen regelmäßig, was sich in ihren Netzwerken so tut. Und was ist mit den anderen? Nichts! Das ist klar. Wir wenden uns mit den hier besprochenen Instrumenten aus-schließlich an eine technisch gut gerüs-tete Klientel, die von uns erwartet im Netz ansprechend bedient zu werden. Man kann sich Tweets oder Hinweise auf neue Blog-Artikel auf verschiedenen Wegen zukommen lassen: Am meisten verbreitet ist die Benachrichtigung per E-Mail, aber auch RSS-Feeds werden immer beliebter. Bei RSS abonniert der Kunde einen Newsticker, in dem neue Meldungen sofort erscheinen. Benötigt wird dafür nur eine kleine Erweiterung des Web-Browsers oder ein kostenloser Feedreader.
Wie eine kleine Anwendung in Twitter-Manier aussieht, können Sie auf http://twitter.com/nilsphey bewundern. Hier finden Sie meinen Tweet zu dieser Artikelserie. Werden Sie mein Follower, dann bekommen Sie parallel zur Print-Ausgabe von sportFACHHANDEL den aktuellsten Artikel als PDF-Datei zugezwitschert. Und wenn Sie Ideen und Wünsche für zukünftige Ausgaben haben: Schreiben sie mir ein E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . In der Ausgabe am 26.02.2010 befassen wir uns mit Google AdWords und der Frage, wie man die eigene Website in Sachen Suchmaschinen verbessern kann.

Nils-Peter Hey

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