07.01.2010
„Den Rumtreiber in Dresden gibt es seit 15 Jahren“, erklärt Mitgründer und Inhaber Matthias Werner (neben Dirk Scholze). Bislang gab es keine Veranlassung, auch online zu verkaufen.
Seit jüngstem aber ist der neue Webshop geöffnet, der naturgemäß neue Kunden bringen und Umsätze generieren soll. Einher geht die neue Website, die in einem satten Rot gestaltet ist und über der linken Informationsleiste eine Reihe von spektakulären Kletterbildern zeigt, die zu einer Slideshow führen. Leider sind die tollen Aufnahmen nicht kommentiert oder irgendwie zugeordnet.
Die Erscheinung
Aber aller Anfang ist schwer, so fehlen auch noch Einträge unter der Rubrik »News und Events« auf der Einstiegsseite. Das ist schade, den der User erwartet von Anfang an Inhalte und Informationen, die er zeit- und ortsunabhängig konsumieren kann. Diese Art von Content sollte vom Start weg geliefert werden, denn kaum irgendwo anders als im Internet ist die Erwartungshaltung so hoch (ebenso wie der Wettbewerb), dadurch aber auch die Enttäuschungsschwelle relativ niedrig. Ebenso leer ist die Rubrik »Galerie«. Hier erscheinen zwar wieder einige Kletterfotos, auf weitere Bilder wird der User (und potenzielle Kunde) jedoch leider vertröstet. Wirklich schade, der Anbieter hätte hier wunderbar Ansichten beispielsweise aus dem eigenen stationären Geschäft reinsetzen könne. Das lässt sich ohne große Mühe realisieren und hat einen großen Effekt. Die Hintergrundfarbe Rot ist angenehm und sorgt für gute Lesbarkeit der weißen Schrift. Glücklicherweise wurde auf graphische Spielerei oder zeitraubende Flash-Animationen verzichtet.
Das Handling
In der Menüführung auf der Einstiegsseite wird der User also ein wenig enttäuscht, so bleibt auch die Rubrik »Reiseberichte/Weblog« ein leeres Versprechen. Sehr umfangreich ist die Link-Liste zu diversen branchenspezifischen Gruppen und Institutionen. Hier deutet sich zart ein ers-ter Mehrwert für den Kunden/User an. Wer übrigens auf die Rubrik »Kontakt/Impressum« klickt, wird auf der dahinterliegenden Seite zum „Mitgestalten des Rumtreibers...“ eingeladen. Es wird also Wert gelegt auf das Feedback des Users, der diese „Macht“ auch nutzen sollte. Fett gedruckt und damit auffällig ist der Menü-Punkt »OnlineShop Neu«. Trotzdem: Gerade diese Neuerung hätte auf der offiziellen Website des Rumtreibers besser hervorgehoben werden können.
Der Webshop
Der Onlinekunde muss daher schon genau hinschauen, wenn er auf der Homepage selber die virtuelle Einkaufsmöglichkeit sucht. Ein Klick und noch auf der Website erscheint ein Screen-shot des eigenen Ladenportals samt Versprechen: „Unser Onlineshop bietet Ihnen interessante und aktuelle Angebote zu Topkonditionen. Lassen Sie sich überraschen.“ Abgesehen davon, dass von „Konditionen eher im B2B-(Busi-ness-to-Business-)Verhältnis (etwa zwischen Lieferant und Händler) gesprochen wird, wird der User in der Tat überrascht beim Eintreten in den Shop. Rote Balken und rote Preise auf weißem Hintergrund erschlagen den Besucher zunächst. Man gewöhnt sich aber schnell daran und findet sich aufgrund der einfachen dreispaltigen Gestaltung zurecht. Angeboten werden zur Zeit des Onlinebesuches Kletterseile, Gurte und Schlafsäcke. Fast alles wird mit Rotstiftpreisen feilgeboten. Das Angebot selbst passt aufgrund des Kletterhallenbooms zur Jahreszeit und ist durchaus internetgerecht. Schuhe und Bekleidung fehlen, die Online-Macher von Rumtreiber wissen, dass diese Warengruppen schwierig online zu verkaufen sind und eine hohe Rücklaufquote haben (was sich vom Aufwand-Nutzen-Verhältnis her eher Giganten wie Globetrotter.de erlauben können, weniger jedoch dieser aufs Klettern spezialisierte kleinere Händler). Somit überzeugt das Angebot glaubwürdig, darüber streiten lässt sich, inwieweit rote Preise zu sehr in den Vordergrund gestellt werden sollten.
Das ausgesuchte Produkt kann durch einen Klick auf den Info-Button näher betrachtet werden, bevor es in den Warenkorb gelegt wird. Die Informationen dazu sind Standard und ausreichend. Die Spanne der Lieferzeit wird angegeben ebenso wie die Preiszusammensetzung (ohne Versandkosten). Auch von hier aus geht es direkt weiter in den Warenkorb. Interessanterweise wird für weiteren Info-Bedarf auf die Homepage des Anbieters verlinkt, was einen gewissen Servicewert darstellt.
Nach drei Klicks befindet man sich (fast) an der Kasse. Hier muss sich der User dann doch noch als Kunde anmelden. Das funktioniert über Standardabfrage relativ schnell und reibungslos. Allerdings wird der Kunde an dieser Stelle des Bestellvorgangs immer noch nicht über die Versandkosten informiert. Er müsste dazu auf ein Button (»Mehr über...«) auf der Hauptseite klicken.
Usernutzen und Mehrwert
Dass diese Informationen nicht so schnell gefunden werden, liegt an der blockhaften Einteilung auf der Einstiegsseite. Wichtige Informationen wie »Kategorien« oder auch »Schnellkauf« (inklusive Produktsuche) werden nicht hervorgehoben. Die Gestaltung der Seite könnte daher intuitiver sein und die Führung des Users besser unterstützen. Insgesamt bleibt der Nutzwert der Seite recht rudimentär, obwohl vieles angeboten wird (»zuletzt angesehen«, »Herstellersuche«, »Bestseller«...). Trotzdem könnte sich der Kunde alleine gelassen fühlen. Dabei erlaubt gerade die Schlichtheit der Seite noch viel mehr Usernutzen. Leider wird auch keine Verbindung zum stationären Geschäft angeboten. Welche Anreize gibt es in den echten Laden zu kommen? Welchen Vorteil habe ich im Webshop?
Zumindest ist die Verbindung zwischen Onlinepräsenz (rumtreiber.de) und neuem Internetladen (shop.rumtreiber.de) gelungen, das Angebot lädt zum Kauf ein, die Abwicklung strahlt Seriosität aus. Zum allzu langen Verweilen lädt die Seite aber nicht ein. Die Einladung der Online-Macher eingangs, den Rumtreiber mitzugestalten, sollten die Kunden wörtlich nehmen. rf