Beim Härtetest von Alpinski tun Rocker sich noch schwer
21.10.2010
Über 90 Tester mit 73 Skimodellen aus 8 Kategorien gingen im März eine knappe Woche lang in St. Moritz auf den Berg, um die Bretter der neuen Saison einem absoluten Härtetest zu unterziehen.
Hintergrund: Das SkiMAGAZIN, Schwestermagazin von sportFACHHANDEL, vergibt in jedem Jahr das VIP-Siegel – Very Important Product – an die besten Ski der Saison. Wer kann sich in diesem Jahr die Auszeichnung ans Revers heften? Wie schnitten die neuartigen Rocker-Modelle ab?
Insgesamt präsentierten sich die Ski in diesem Jahr sehr gut, das Gedränge um die Top-Platzierungen war groß. Oft unterschieden nur Nuancen darüber, ob ein Ski eine noch bessere Position erlangen sollte oder nicht – und so kann auch ein Ski, der nicht unter den Top 3 auftaucht, genau das richtige Brett für Ihren Kunden im Fachgeschäft sein. Dessen individuelle Prioritäten mögen anders liegen, als die von uns gewählten – und schon wird ein anderer Ski für ihn besonders interessant. Im Test erstmals mit von der Partie waren Modelle, die über einen Rocker verfügen. Die Tes-ter waren jedoch nicht darüber informiert, bei welchen Modellen dies der Fall war – jeder Ski sollte unvoreingenommen beurteilt werden. Nun haben es viele der Rocker-Modelle im Bereich der Pisten-Ski nicht auf die vorderen Plätze geschafft. Daraus können sicher verschiedene Schlüsse gezogen werden. Den Rockern die Pistentauglichkeit abzusprechen, wäre jedoch voreilig, denn unser Test ist ganz auf Ski mit „klassischer" Vorspannung ausgelegt. Auch ein früher Carver hätte vor Zeiten des großen Umbruchs im Test sicher nicht gut gepunktet, weil sich die „neue" Fahrweise (und die damit verbundenen Bewertungskriterien) noch nicht durchgesetzt haben.
Unser Test wurde von Prof. Dr.-Ing. Veit Senner vom Lehrstuhl für Sportwissenschaft der TU München und
Dipl. Ing. Michael Hinterlang (Ausbilder im DSLV) geleitet. Den Fahrern werden ganz konkrete Fahrsituationen vorgegeben und für jede Ski-Kategorie spezifische Kriterien punktgenau beurteilt. Über allem wacht ein unabhängiger
Notar, der den Ablauf und jedes verwendete Produkt kontrolliert. Übrigens:
Der SkiMAGAZIN Ski-Supertest ist nicht nur einer der weltweit größten, sondern auch einer der renommiertes-ten seiner Art. Die Gründe dafür sind ein ausgeklügeltes Testkonstrukt und absolute Unbestechlichkeit bei den Ergebnissen.
In die Bewertung der Ski floss eine Vielzahl von Variablen ein, beispielsweise Kantengriff, Komfort, Tempovermögen, Drehfreudigkeit oder Vielseitigkeit. Je nach Einsatzbereich der jeweiligen Kategorie wurden diese unterschiedlich stark gewichtet – klar, dass ein Slalom-Carver eher durch Drehfreudigkeit überzeugen muss und ein Allmountain-Ski durch gutes Surf-Verhalten im Tiefschnee. Zwei Variablen galten jeweils als Schlüsseldisziplin in einer Kategorie und hatten einen besonders starken Einfluss auf die Gesamtnote.
In unserer Oktober-Ausgabe haben wir zunächst die Kategorie High Performance Short Turn unter die Lupe genommen. Von diesen Modellen erwartet man beste Leistungen bei engen Schwüngen und rasanter Kurvenlage. Im Test wurden die Variablen „Carve-Faktor" und „Wendigkeit/Vitalität" deshalb besonders stark gewichtet. Den Sieg heimste der Elan SLX Waveflex Fusion mit einer Gesamtnote von 1,77 ein, der über alle Variablen hinweg gute bis sehr gute Noten erwarb. Hauchdünn dahinter: Der Blizzard SLR Magnesium IQ. Dieser wurde beim „Carve-Faktor" am besten bewertet, insgesamt kam er mit einer Note von 1,78 als Zweiter ins Ziel. Auch der Head Worldcup i.SL
musste sich nur knapp geschlagen geben und errang mit der Wertung 1,81 den dritten Platz.
Außerdem stellten wir die Kategorie High Performance Long Turn vor – extrem laufruhige, tempofeste Ski für hohe Geschwindigkeiten bei eher weiten Radien. Demensprechend galten „Kantengriff" und „Tempovermögen" als Key-Variablen. Atomics Race D2 GS führt hier mit einer Note von 1,35 relativ deutlich die Spitze des Feldes an. Der Head i.Speed erzielte zwar die meisten Punkte in der Disziplin „Tempovermögen", musste sich mit einer Gesamtnote von 1,47 jedoch als Zweiter zufrieden geben. Der Blizzard R-Power Full Suspension IQ (Note 1,53) punktete in beiden Schlüsseldisziplinen überdurchschnittlich und hat sich so den dritten Platz verdient.
In der November-Ausgabe des SkiMAGAZINs (erscheint am 22.10.) präsentieren wir drei Kategorien. Bei den vielseitigen High Performance Medium Turn-Modellen fuhr Blizzards G-Power Full Suspension IQ allen
Modellen in den Key-Variablen „Kantengriff" und „Vielseitigkeit" davon. Der erste Platz war die logische Folge (Note 1,66). Der Head i.Supershape Speed überzeugt vor allem durch seine hervorragende Griffigkeit auch auf harter Piste. Note 1,77 brachte den zweiten Rang ein. Der Stöckli Laser SX punktete zwar in fast allen Disziplinen sehr gut, ließ jedoch in der Schlüsseldisziplin „Vielseitigkeit" Federn. Trotzdem: Rang 3 (Note 1,86).
Bei den Genuss-Ski der Allround-Kategorie legten wir besonderen Wert auf „Drehfaktor" und „Komfort". In beiden Disziplinen fuhr der Fischer Progressor 7+ Bestnoten ein. Die Folge: Sieg mit einer Note von 1,68. Blizzard zeigte auch in dieser Kategorie, dass sie wieder vorne mitmischen: Der G-Force G-Pro IQ kam mit einer Gesamtnote von 1,77 auf einen hervorragenden zweiten Platz. Dritter wurde der 24 Hours GT Pro von Salomon (Note 1,79), der vor allem beim „Drehfaktor" herausragende Punktzahlen erzielte.
Allmountain-Ski wollen Powder-Maschinen und Pisten-Geräte gleichzeitig sein. Folgerichtig flossen die Variablen „Vielseitigkeit" und „Surf-Faktor" besonders stark in die Wertung ein. Der X-Wing Enduro (Note 1,81) thront verdient an der Spitze dieser Kategorie. In Sachen „Surf-Faktor" fuhr dieses Salomon-Modell den absoluten Spitzenwert ein, hinsichtlich der „Vielseitigkeit" steht er an zweiter Stelle. Dort musste er sich dem Fischer Motive 80 geschlagen geben, der auch in anderen Disziplinen gut punktete und so den zweiten Platz einsackte (Note 1,87). Hauchdünn dahinter: Der A.M.P. Rictor von K2, der die Tester vor allem durch überragende Laufruhe und spitzenmäßigen Kantengriff überzeugte (Note 1,88).
Florian Tausch

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