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Von Krise ist keine Rede: Deutschland hält sich fit

Statt konjunkturgeschüttelt zeigt sich der deutsche Fitnessmarkt kerngesund: So erhöhte sich die Mitgliederzahl in der Studio-Szene nach Angaben des DSSV (Deutscher Sportstudio Verband, Hamburg) um 640.000 auf 5,9 Millionen.

Somit trainieren rein statistisch gesehen von den insgesamt 82,3 Millionen Einwohnern in Deutschland rund 7,2% in einem Fitness-Studio. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seinen knapp sechs Millionen Studiomitgliedern auf Platz drei hinter Spanien (7,5 Millionen) und Großbritannien (7,2 Millionen). Auch wenn das Geld knapper wird, wollen die Konsumenten offenbar auf Fitness nicht verzichten. Zur Freude auch der Industrie: Allein das Gesamtvolumen der kommerziellen Studiogeräte in Deutschland liegt nach Branchenschätzungen zwischen 130 und 140 Mio. EUR.  Aber auch der klassische Sportfachhandel und die Fitness-Spezialisten können sich über dieses wichtige Segment freuen.

 
Bilden weiterhin die Basis: Heimtrainer
Denn doppelt so groß wie der Studiogeräte-Markt sind die Umsätze zur Freude von Herstellern und Händlern bei den Hometrainern: Das Volumen in Deutschland liegt schätzungsweise zwischen 260 und 280 Mio. EUR (siehe Grafik unten). Etwa 670.000 Großgeräte sollen pro Jahr an die Endverbraucher verkauft werden. 
Mit rund 350.000 Einheiten sind dabei Ergometer weiterhin die Haupt-Umsatzbringer im Handel. Dieses Segment ist allerdings gegenüber dem Vorjahr (400.000 Einheiten) etwas geschrumpft. Als Ausgleich dafür kamen Crosstrainer, deren Menge sich von 200.000 auf 250.000 erhöhte, besser in Schwung. Grundsätzlich jedoch sind die Absatzzahlen seit der Saison 2007 relativ stabil. So drehten zum Beispiel Laufbänder auf der Stelle: Maximal einen Anteil von 10% sollen diese auf dem deutschen Markt repräsentieren. Die Branche schätzt, dass zwischen 40.000 und 60.000 Stück pro Jahr verkauft werden. Damit hinkt dieses Segment hierzulande gegenüber anderen Ländern noch weit hinterher. In England beispielsweise soll die Marktdurchdringung bei 30%, in Italien bei 40% und in den USA sogar bei 60% liegen.
Vibrationsgeräte, die 2008 in Deutschland erstmals nennenswert von sich Reden machten, sind im Handel derzeit aber noch Nischenprodukte. Doch auf Grund des kleinen Platzbedarfs mit nur einem Quadratmeter Stellfläche haben sie gute Chancen, künftig in den privaten Wänden stärker in Erscheinung zu treten, auch als Ergänzung zum normalen Kraft- und Ausdauertraining. Die mechanischen Schwingungen, die auf der Fußplatte für reflexartige Muskelanspornung sorgen, sind besonders bei Frauen beliebt. Denn schon ein etwa zehnminütiges Training mit verschiedenen Übungen etwa ein- bis zweimal pro Woche verspricht straffere Muskeln an Beinen, Bauch und Po sowie durch Fettverbrennung auch den Abbau von Cellulitis. 
 
„Kleinvieh macht auch viel Mist“
Eine nicht zu unterschätzende Umsatzrolle spielt das zunehmende Geschäft mit Kleinteilen, wie zum Beispiel Hanteln, Steppern, Yogamatten und Pilates-Bällen. Viele Händler, die oftmals aus Platzgründen auf Großgeräte verzichten müssen, haben diese Schnelldreher fest im Angebot. Allerdings wird dieser Kleinteilbereich auch immer stärker von Lebensmittel-Discountern wie zum Beispiel Aldi, Lidl, Rewe und Plus ins Visier genommen, da diese mit Heimtrainern (auch auf Grund von fehlendem Service) immer öfter Absatzprobleme hatten und daher das entsprechende Angebot zurückschraubten. Trotzdem sichern sich die Billig-Discounter im deutschen Fitnessmarkt insgesamt noch schätzungsweise bis 40 Mio. EUR vom Umsatzkuchen.
Den größten Teil des Home-Fitness-Geschäftes stemmt der deutsche Anbieter Kettler (Ense-Parsit), der als Marktführer im Bereich Heimtrainer, Ergometer und Crosstrainer gilt. Nach Branchenschätzungen erwirtschaftet Kettler von seinem gesamten Fitnessumsatz (über 130 Mio. EUR) allein über 50 Mio. EUR in Deutschland, überwiegend im Fachhandel. Das 1949 von Heinz Kettler (verstarb fast 79-jährig am 5. März 2005) gegründete Familienunternehmen startete zuerst im Campingbereich. Nach dem Kettcar (1961) kamen Bikes (Klapp- und Aluräder) sowie Tischtennisplatten dazu. 1969 begann mit einem Rudergerät der Auftritt im Heimgeräte-Markt. „Made in Germany“ wird bis heute groß geschrieben, auch wenn mittlerweile günstige Geräte in Einstiegspreislagen aus Asien kommen. Kettler beschäftigt in der Produktion mehr als 2000 Mitarbeiter. 
Um das Erreichte weiter auszubauen, so  Geschäftsführer Hans-Hermann Deters, und nicht alles „zu sehr durch die Deutschland-Brille“ zu sehen, wurde soeben im Management umstrukturiert (siehe Kasten). Marktführerschaft in Deutschland zum einen – „liegen bei einem zweistelligen Umsatz-plus im Inland gegenüber dem Vorjahr“ – und hoher Exportanteil zum anderen, diese beiden Ziele, erklärt Deters, werden nun auf eine neue Schiene gebracht.
Ganz neu „in Serie“ zum Saisonstart Ende September ging das Flächenkonzept von Kettler: An rund 150 Standorten, davon 120 im Sportfachhandel, wird auf unterschiedlicher Größe (von 12 qm bis 100 qm) die Hartware attraktiv dargestellt. Kettler sieht sich dabei nicht als Ladenbauer, sondern als Problemlöser, der professionelle Hilfe bei der Sortimentsgestaltung anbietet. Auch den Kunden wird geholfen: Mittels Touch-Screen-Terminal erhalten diese eine Informationsplattform über das komplette Programm. Damit noch nicht genug: Die meist schwierige Logistik im Zusammenhang mit Großgeräten, sprich Aufbau- und Reparaturservice, kann der Handel über Kettler abwickeln lassen. „Wir stellen die Heimtrainer nicht an der Bordsteinkante ab, sondern liefern direkt ins Wohnzimmer“, unterstreicht Deters. Zur Abrundung des Handelsmarketings steckt Kettler zudem viel Geld in Flyer-Werbung, die rund 30 Millionen Endverbraucher-Kontakte erreichen soll.
Nach eigenen Angaben als Nummer zwei folgt Green Fitness (Limburg an der Lahn), wo der ehemalige Kettler-Manager Frank Koch (davor bei Ai-con) die Marke Reebok im Heimgeräte-Bereich als Distributeur in Deutschland, Österreich, Benelux und Osteuropa richtig in Schwung brachte. Übrigens: Seit kurzem spielt Green Fitness für Reebok auch Basketball (Körbe und entsprechende Standvorrichtungen) sowie für die Reebok-Mutter Adidas auch Tischtennis (als weltweiter Lizenznehmer im Freizeit- und Profibereich). Gut im Markt ist Reebok auch mit vielfältigen Kleinteilen (u.a. Stepper, Springseile, Hanteln) aufgestellt. Marketingleiter Fabian Kolonko registriert in diesem Accessoires-Bereich überproportionale Verkäufe: Vor allem Frauen würden Reebok, als Fitnessmarke weltweit stark positioniert, viel Vertrauen schenken. Trotz des warmen Wetters zu Saisonstart hätten Fitness-Ladies vor allem bei Kleinteilen zugegriffen. Bei Großgeräten hielt sich jedoch die Kundschaft generell noch zurück und verschiebt offenbar den Kauf in Richtung Winter. Insgesamt spricht Kolonko allerdings jetzt schon von einem „deutlichen Plus gegenüber dem Vorjahr“ und wertet dies bei einem allgemein fast gleich bleibenden Fitnessmarkt in Deutschland als Erfolg im Verdrängungswettbewerb. >>>
 
Laufbänder halten die Schrittgeschwindigkeit
Praktisch auf Augenhöhe mit Green Fitness sieht sich Style Fitness (Frechen), der Heimgeräte-Ableger von Johnson Health Tech. Vor allem die Schwäche von Aicon auf dem deutschen Markt – nachdem das Management häufig wechselte, die Niederlassung schließlich aufgelöst und das Business in Deutschland sowie in Österreich dem Solinger Vertreiber der Deuser-Bänder (Schmidt-Sports) übergeben wurde – nutzte Style-Fitness-Geschäftsführer Ulfert Böhme aus: Mittlerweile sind die Marken Horizon und Vision klarer Marktführer im Laufband-Bereich. Das Geschäft mit diesen Geräten läuft laut Böhme weiterhin ungebrochen: Bis dato seien bei Style Fitness die gleichen Umsätze wie im Vorjahreszeitraum erreicht worden. Im Gegensatz zu anderen Branchen gäbe es keine krisenbedingten Einbrüche. Entscheidend seien allerdings die kommenden Monate: Was bestellt der Handel? Was kauft der Kunde? Anfang November befeuert Horizon das Laufband-Geschäft im Handel durch die brandneue „Adventure“-Serie, die speziell in Einstiegspreislagen für Furore sorgen soll.
Im Laufband-Segment tritt ebenfalls die niederländische Accell-Gruppe (Almere) in Deutschland stark auf, die ihr angestammtes Bike-Business im August 2003 mit der Übernahme der finnischen Fitnessmarke Tunturi und anschließend von Bremshey diversifizierte. Ebenso sind die Niederländer hierzulande im Kleinteile-Verkauf nicht zu unterschätzen, die laut Onno Laarman (Account Manager International Sales) sogar mehr als ein Drittel zum Gesamtumsatz beisteuern. In dieser Saison, die durch den langen Sommer viel später gestartet sei, so Laarman, hätten sich Fitness-Zubehör und Kleinteile oder der neu ins Programm genommene Therapie-Kreisel allerdings deutlich besser entwickelt als zum Beispiel Laufbänder und andere Großgeräte, bei denen es „im Verkauf ruhiger gewesen“ ist. 
 
Das Aus von Quelle: Chance für Händler
Mit zweistelligem Umsatzwachstum macht die Hammer Sport AG (Neu-Ulm) auf sich aufmerksam, seit diese vor vier Jahren ihre Fachhandels-Marke Finnlo einführte. Der bayerische Anbieter (inkl. Hammer und Tri-Tech-Hanteln) zeigt traditionell starke Muskeln mit Kraftstationen, aber inzwischen auch mit Ergometern und Cross-trainern. Zum Vertrieb von Box- und Kampfsport-Artikeln sowie Mikasa-Bällen gesellt sich jetzt die neue Marke Men’s Health. Dazu haben die Hammer Sport AG und Rodale-Motor-Presse (Stuttgart), u.a. Lizenznehmer für das nach eigenen Angaben größte Männer Lifestyle Magazin Men’s Health, eine Lizenzvereinbarung für Fitnessgeräte geschlossen. Zum Start werden innovative Multi-Kraftstationen, exklusive Hantelsysteme und Bauchtrainer angeboten. Die Markt­einführung der ersten Geräte fand im Juni 2009 statt. Roland Mayer (Vorstand Vertrieb)  wurde „von der Nachfrage überrannt“ und war zum Teil schon ausverkauft: „Das zeigt, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben.“ Übrigens: Dass Quelle die Türen dicht macht, davon kann der Fachhandel laut Mayer nur profitieren. Denn vieles aus dem Kataloggeschäft würde jetzt dem stationären Handel vor Ort zu Gute kommen. Dazu kommt noch, dass Endverbraucher stärker übers Online-Netz einkaufen. Damit könnte der Handel aus beiden Kanälen stärkere Umsätze gewinnen. Von einer Krise im Fitness-Business sei jedenfalls nichts zu spüren. 
 
 
Reinhard Schymura 
 
 
 
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