Trail Running pusht den Laufsport-Markt
05.08.2010
Wien. Rückenwind für den österreichischen Laufsport-Markt: Trail Running hat den Trend zum Zweit- oder Drittschuh ausgelöst und eine interessante Verbindung zwischen Outdoor und Running fixiert.
Mit Trail Running wurde 2009 rund ein Drittel des Umsatzes in den österreichischen Laufsport-Abteilungen erwirtschaftet. Das belegen die Zahlen des Handelspanels der NPD (Sports Tracking Europe, Nürnberg). Damit liegt die alpine Nation deutlich über den anderen europäischen Ländern. Zurückzuführen ist der Trend auf geographische und auf klimatische Bedingungen. Die Stärke der Kategorie im Herbst und Winter wird generell auf das Bedürfnis der Läufer nach einem Schlechtwetter-Schuh zurückgeführt. Dementsprechend hat der noch relativ junge Schuhtyp auch die Entwicklung von Running zum Ganzjahres-Sport forciert. Für Sporthändler und Spezialisten bedeutet dieser Trend einen klaren Gewinn in einem seit Jahren relativ konstanten Markt. Das Volumen im Segment Laufschuhe hat sich in den vergangenen Jahren zwar auf hohem Niveau gehalten, konnte aber nur leicht zulegen. 2009 wurden in Österreich 23,9 Mio. EUR mit Laufschuhen und 11,9 Mio. EUR mit Trail-Running-Modellen umgesetzt. In Stückzahlen gemessen, kamen Laufschuhe auf ein Volumen von 300.000, Trail-Running-Schuhe auf 126.000 Paar.
Der Trend begann im Jahr 2005: Damals gewann Salomon mit der speziell kreierten Produktkategorie erste Laufsport-Spezialisten in Österreich. Seitdem wuchs das Segment stetig. In den vergangenen drei Jahren wurde viel Boden gut gemacht: 2008 wuchs Trail Running um 35% von 7 auf 10 Mio. EUR und 2009 um weitere 22% auf 11,9 Mio. EUR.
Die höchsten Stückzahlen erreicht Trail Running in den Sommermonaten Juni bis September. Im zweiten und dritten Quartal 2009 gingen 56,5% der Gesamtstückzahlen über den Ladentisch. Die verbleibende Menge von 43,5% wurde im ersten und vierten Quartal abgesetzt. Die Stärke des Segments im Winter ist spezifisch österreichisch. Dietmar Brandl (Marketing Manager Sports Tracking Europe) führt sie auf die Entwicklung von Laufen in Richtung Ganzjahressport zurück. Die Durchschnittspreise im Trail Running liegen dabei signifikant höher: Wurden pro Paar Running-Schuhe 79,72 EUR ausgegeben, so waren es für Trail-Running-Modelle 94,67 EUR. Der Preisunterschied ist auf die Rohstoffkosten (Klimamembrane) zurückzuführen. Die NPD-Analyse deckt rund 60% des gesamten österreichischen Marktes ab. Nicht darin enthalten sind Daten von Schuh-Fachhändlern sowie Billigkanälen.
Als Pionier hat sich Salomon ein großes Stück vom Marktkuchen gesichert. Zu den Mitbewerbern der Amer-Tochter zählen u.a. Asics, Adidas,
Brooks und Nike.
Laufsport-Spezialisten führen zwar Trail-Running-Modelle, messen dem Segment aber in der Regel eine geringere Bedeutung als Multisport-Händler bei. Für die Spezialisten sind funktionelle Anforderungen vorrangig. Aber auch hier gibt es Indizien für den Trend. Laut Reinhard Kessler (Rückenwind, Innsbruck) heißt eine der häufigsten Fragen derzeit: „Ist der Schuh auch fürs Gelände geeignet?“ Roland Gumpenberger, stellvertretender Teamleiter Runners Point (Wels), hat fünf Trail-Running-Modelle im Sortiment. Aber er rät edem Kunden, der zu 50% auf Asphalt läuft, noch zu einem herkömmlichen Laufschuh, da dies gelenkschonender sei. Trail-Running-Schuhe werden eher von Bergläufern gekauft, die bereits mit einem speziellen Modellwunsch kommen.
Aufmerksam beobachten allerdings die Laufsport-Spezialisten, dass Modelle wie der Salomon „Speed Cross“ zu Dutzenden auf der Straße getragen werden. Hans Blutsch (Laufsport Blutsch, Wien) berichtet von einer Stammkundin, die erstaunt war, als sie erfuhr, dass man mit dem Modell auch ganz normal laufen kann. Sein Hauptthema derzeit ist der Trendwandel, der das bisherige Prinzip der vergangenen 15 Jahre – dämpfen, führen, stützen – relativiert. Als Trendsetter gilt Nike, der mit der „Free“-Serie als erster das „Zurück zur natürlichen Abrollbewegung des Fußes“ propagierte. Die Nachfrage nach diesem Segment ist seit etwa zwei Jahren unübersehbar. Allerdings auch nicht für jeden geeignet, der danach verlangt. Blutsch zwinkert mit den Augen: „Es sind nicht nur leichtgewichtige Gazellen unterwegs.“ Verletzungen von Sprunggelenk und Achillessehne drohen. Auch dieser flexible Schuhtyp (in Großbritannien übrigens „racing flats“ genannt) hat im Freizeitsegment Fuß gefasst. Dieser spricht jedoch eine Zielgruppe an, die eher ein gesamtheitliches Muskel-
training anstrebt oder physiotherapeutische Ziele verfolgt.
Multisport-Shops profitieren
Im Multisport-Shop ist Trail Running das Trendthema Nr. 1 und hat laut Händlereinschätzung auch das Potenzial weiterzuwachsen. Die leichten und vergleichsweise flexibleren Modelle werden gern auch zum Walken und zu leichten Wandertouren getragen. Fallweise wird das Segment deshalb doppelt platziert, sowohl in der Outdoor- als auch in der Runningabteilung. Multisporthändler Tobias Stergiotis (Intersport Schruns, Dornbirn und Rankweil) kämpft mit einem Spezia-listen-Team erfolgreich gegen das hartnäckige Klischee der fehlenden Kompetenz. An den drei Standorten gehören in den Running-Abteilungen Laufbandanalyse, 3D-Fußabdruck und die fallweise Anfertigung von Spezialsohlen zum Programm. Die Service-Intensität im Running-
Segment verweist darauf, dass mehr auf dem Spiel steht: Der Kunde will perfekte Passform, der Preis ist oft sekundär. Auch Kunden, die den Schuh in der Freizeit tragen wollen, akzeptieren Preise von 120 bis 150 EUR. Zudem sei der Kunde nicht markenfixiert und geht offen ins Beratungsgespräch. Die befragten Multisport-Händler glauben, dass sich der Trend verstärkt. Die Orders für Frühjahr/Sommer 2011 werden erhöht. Friedl Birnbacher (Bründl, Kaprun) spricht von einer Verdopplung des Ordervolumens. Allerdings handle es sich auch um eine Verschiebung auf Kosten des freizeitorientierten Outdoor-Schuh-Segmentes. Wie Birnbacher feststellt, ist das Ausmaß der Verkaufserfolge regionsspezifisch. So profitiere Bründl am Stand-ort Mayrhofen von der Begeisterung, welche die dort stattfindenden Bergläufe erzeugen. Das Funktionsthema, das durch Trail Running forciert wurde, ist – neben der griffigen Außensohle – die Klimamembran. Notwendig oder nicht, ist es ein wesentlicher Punkt im Verkaufsgespräch. Leo Schieder (Geschäftsleitung Intersport Pilz, Fürstenfeld), spricht für seine Stand-orte von einer 50:50-Relation.
Kompressionsteile auf dem Vormarsch
Auch bei den Running-Textilien zeichnet sich mit „Kompression“ ein bedeutender Trend ab. Populärstes Produkt sind derzeit Strümpfe. Außerdem werden Tights sowie Shirts gut akzeptiert. Inwieweit das Thema von den Konsumenten angenommen wird, scheint mit der Einstellung der Händler in Verbindung zu stehen. Mitunter werden die Preise zu hoch gefunden. Allerdings differieren die genannten Preise eklatant. Darüber hinaus sei das Thema noch nicht ausreichend bekannt. Die Funktion und das Trendpotenzial von Kompressionstextilien werden allerdings nicht generell in Frage gestellt.
Weitere Argumente liefert die Multifunktion, sprich die Einsatzfähigkeit bei Bike und Running – woraus sich auch Konsequenzen für die Optik
ergeben. Der Absatz von Jacken ist trotz der langen Regenphase im Running-Bereich jedoch nicht gestiegen. Gefragt waren leichte Typen mit geringem Packvolumen, die wasserdicht sind und auch in anderen Sportarten getragen werden können. Dabei gilt: Rascheln verboten. Pulsfrequenzmesser bleiben ein erfreulich konstantes Geschäft. Wie ein Händler beobachtet, läuft etwa die Hälfte der Wettkampfläufer mit den Trainingscomputern. Auch von einer beachtlichen Nachfrage nach Nahrungsergänzungs-Mitteln für den Ausdauersport wird berichtet.
Hildegard Suntinger

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