Hanwag

Spannendes Rennen um Anteile in einem stagnierenden Markt

Wien. Nur vereinzelt ist im österreichischen Fahrrad-Markt von Zuwächsen zu hören.

 

Schon letztes Jahr stagnierten die Geschäfte bei 465.000 verkauften Rädern (ohne E-Bikes). Auch 2010 rechnet man im Gesamtmarkt kaum mit Wachstum. Bedingt durch die Wetterlage zog sich der Saisonstart hin. Auf Regen folgte Hitze und erst in den Hauptmonaten Juli und (Anfang) August setzte

eine Normalisierung ein – bevor es wieder in Strömen goss. Trotzdem zeigt sich die Branche optimistisch. Unterstützend wirken ein steigendes ökologisches Bewusstsein, die Freude an der Bewegung in der freien Natur und die Innovationen der Industrie.

 

Anders als in Deutschland, läuft das Radgeschäft in Österreich primär über den Multi-Sporthandel. Experten schätzen, dass 80% des Marktvolumens über diese Verkaufsschiene läuft. Markttypisch sind auch die Exklusivmarken-Strategien von Einkaufsgenossenschaften und Filialketten. Betroffen ist sowohl Hartware als auch Bekleidung. Auffallend: Shops, die im Winter Ski und im Sommer Räder verkaufen, sind auch in den Städten keine Einzelfälle.

E-Bikes haben große Chancen

Trendthema der laufenden Radsaison ist das E-Bike: Marktschätzungen zufolge wurden bereits 2009 rund 10.000 E-Bikes verkauft. Der Handel rechnet mit einem jährlichen Wachstum von sage und schreibe 50%. Die Popularität ist auch durch öffentliche Förderungen begründet. So unterstützt die Stadt
Wien den Kauf eines E-Bikes etwa mit bis zu 300 EUR.
Allgemein glaubt man, dass das E-Bike neue Käufergruppen generiert, doch Alois Loidl (Einkaufsleitung Gigasport, Graz) denkt anders: Die Segmente
Trekking und Cross-Trekking seien im selben Maß rückläufig gewesen, wie das E-Bike wachsend. Weil sich die
Industrie anschickt, das E-Bike im Offroad-Segement an den Start zu schicken, beteiligt sich auch der spezialisierte Radsport-Handel am Verkaufsrennen. Die Kunden fragen danach. So geben selbst ursprünglich desinteressierte Händler an, das Thema im kommenden Jahr forcieren zu wollen. Allerdings nicht ohne Verweis darauf, dass noch einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten sei. Spezielle Kritik gilt dem zu hohen Gewicht von Elektromotor und Akku.
„Wir stehen noch am Anfang der Technologie", ist demgemäß bei KTM zu hören. Marketingleiter Stefan Limbrunner setzt sich mit den zukünftigen Nutzungsformen des elektronisch unterstützten Offroad-Mountainbikes auseinander. Das Interesse von Hotels ist ihm Bestätigung für die Nutzbarkeit im Tourismussektor.

Ladies fahren auf Mountainbikes ab

Wachstum bahnt sich auch bei Mountainbikes an, dem mit einem Anteil von 33,5% anhaltend größten Marktsegment. Feminine Modelle werden von der Zielgruppe akzeptiert. Technische Voraussetzungen sind eine auf die geringere Größe abgestimmte Rahmengeometrie und eine auf das geringere Gewicht abgestimmte Dämpfung.
Allerdings liege der Durchschnittspreis meist noch unter jenem der Herrenmodelle.
Ebenfalls erfreulich liegen voll gefederte Bikes im Rennen. Die Technologie ist ausgereift, das Angebot attraktiv und der Endverbraucher interessiert. Der Trend zeichnet sich sowohl im Multisport- als auch im Radsport-Handel ab. Martin Rösner, Gründer und Geschäftsführer von Mountain-
biker (Wien), verkauft jährlich ein paar Hundert der Full-Suspension-Modelle zum Durchschnittspreis von 2400 EUR.
 
Groß im Kommen: Twenty Niner
Dagegen zeigt sich selbst der urbane Spezialist bei dem, aus den USA anrollenden Trend zum „Twenty Niner", zurückhaltend. Größer als herkömm-liche 26-Zoll-Reifen haben die „Big Wheeler" Vorteile wie höhere Laufruhe und einen reduzierten Widerstand beim Überrollen von Hindernissen. Die Contests zeigen: Sieger fahren mehrheitlich 29-Zoll-Reifen. Aber die Händler zögern noch. Hauptgrund: Doppelter Aufwand, der durch das parallele Führen von unterschiedlichen Größen und entsprechendem Zubehör entsteht.
 
Konzentration auf vollen Touren

Im Radsport-Handel überwiegt gegenwärtig die Tendenz, die Komplexität des Sortiments zu reduzieren, also Konzentration auf bestimmte Marken. Ein Auswahlkriterium für den Fachhandel ist die Abgrenzung zu preisaggressiven Big Player. Ein Händler kritisiert, dass die Filialisten ständig Aktionen mit Sondermodellen von Markenherstellern fahren. Selbstständigen Händlern hingegen würden kaum Sondermodelle angeboten.
Ein weiteres Auswahlkriterium ist das Abdecken der relevanten Zielgruppen: Da verschiedene Marken unterschied-liche Stärken haben, sind es am Ende doch wieder acht bis zehn Marken, so der Kommentar eines Händlers. Bei Handelsketten und Einkaufsverbänden liegt der Marketingfokus auf dem Mountain- und Trekkingbike. Die aktuell stärksten Produktkategorien bei der Intersport sind Mountainbikes im oberen Preissegment, Komfort- und Citybikes um 300 EUR sowie das E-Bike.
Das Rennrad erweist sich mit 3,5% Anteil am Gesamtmarkt als konstante Größe. Das Citybike (Anteil: 4%) ist in Zusammenhang mit umweltbewusster Stadtplanung in vieler Munde. Martin Rösner (Wien) setzt auf das Thema. Er will im kommenden März einen entsprechenden Store im 7. Bezirk in
Wien eröffnen, inspiriert von urbanem Lifestyle. Abseits des Mainstream können auch Nischen erfolgversprechend sein. Das am stärksten wachsende Segment bei Sport Nora (Wien) ist Triathlon. Oliver Mader, Geschäftsleiter Sport Nora, zwischen 4000 und 6000 EUR für ein Rad ausgeben.

Bei Bikewear ist Qualität gefragt
Margit Nagele (Bichlbach)verweist bei Bikebekleidung auf den hohen Stellenwert von Schnitt und Funktion. Kriterien, die man auch in der Beratung rüberbringen müsse. Der Preis sei nicht unwesentlich, aber die Ausgabebereitschaft gegeben, wenn das Teil passe. Bei Hosen zeichne sich der Trend zur weiten Hose ab – und sei es die Zweithose. Speziell Damen entscheiden sich zu 50% für die weite Hose. Oberteile sind derzeit bunt gemustert. Beliebt sind 80ies-Farben wie Lila, Blau und Pink. Der Overall werde zwar von allen begutachtet, sei den meisten aber zu extrem. Mit Marken wie Specialized, Maloja, Fox und Troylee Design ist Sport Nagele in der Tourismusregion Zugspitzarena quasi modische Speerspitze am Markt.
Offenbar gestiegen, ist aber auch das Qualitätsbewusstsein der Österreicher speziell bei Radhosen. Laut Christian Höckner, Marketingleiter beim heimischen Hersteller Löffler, beweisen die aktuellen Verkaufszahlen den Trend zur hochwertigen Hose. Bestseller sind nahtfreie (ultraschallgeschweißt) Modelle. Im Basic-Segment registriert das Unternehmen hingegen Einbußen. Der Preis sei (so unter der 200 EUR-Marke) kaum ein Thema. Der wirkliche Preiskampf, so Höckner, spiele sich bei Exklusivmarken ab.

Hildegard Suntinger

News_15-16_1.jpg
 

ANZEIGE

ANZEIGE

3D Viewer

Newsletter Abo

Der kostenlose Newsletter informiert Sie wöchentlich über aktuelle News und Fakten aus der Welt des Sports.



iyinet 2012 seo yarışması llhtnbşklhyktr