Rechnung geht auf bei Freilauf und Avalanche
27.08.2010
Die Idee reifte schon lange, meint Bike-Händler Jörg Gruner, Inhaber von Freilauf. Nachdem sich neue Räumlichkeiten in der Innenstadt auftaten, wagten beide Händler den Schritt.
Das Ergebnis lässt sich sehen: Es gibt einen Eingang, aber zwei Läden. Beide Geschäftsnamen blieben erhalten (immerhin bringen beide Händler gemeinsam rund 40 Jahre Erfahrung mit). Für ihre Unternehmen wurde eine neue GbR ins Leben gerufen. Rund 1000 qm Gesamtladenfläche verteilen sich über zwei Stockwerke. Die Verkaufsfläche erstreckt sich über gut 550 qm, wobei der etwas größere Teil zu Avalanche gehört, also hauptsächlich auf die Themen Sport und Outdoor entfällt.
Bike unten, Sport oben
„Der Bike-Bereich musste im Erdgeschoss bleiben", erklärt Outdoor-Händler Rüdiger Schmutzler. Anders sei der Umgang mit der Hartware nicht sinnvoll und kundenfreundlich gewesen. In den ersten Stock zog jedoch das Thema Bike-Bekleidung: Dort vereint und mit eigener Beratungskompetenz ausgestattet, befinden sich die Sortimentsbereiche Fahrrad-, Regen-, Freizeit- und Outdoor-Bekleidung. Das kommt gut an. „Der Kunde begrüßt das sehr, weil er sich besser orientierten kann", freuen sich beide Händler. In Ruhe kann sich der Kunde unten zum Thema Bike beraten lassen und testen. Eine Treppe höher erwartet ihn der Bekleidungsfachmann. Damit wurde die Beratungsleistung insgesamt optimiert, betonen beide Firmeninhaber. Der Sportverkäufer wisse in der Regel doch besser über Textilien, Funktion und Passform Bescheid. Synergien, die sich übrigens auch im Einkauf auswirken, wissen die beiden Händler inzwischen zu schätzen. Immer mehr Bekleidungsmarken überschneiden sich im Angebot von Bike- und Outdoor-tauglichen Ausrüstungen. „In der Regel sind die Konditionen für Radhändler schlechter", erklärt Freilauf-Gründer Jörg Gruner, so aber könne durch den gebündelten Textileinkauf über den Partner Avalanche ein
wesentlich besseres Ergebnis erzielt werden. „Bei aller Überschneidung und Gemeinsamkeit haben wir trotzdem zwei getrennte Warenwirtschafts-
systeme behalten", erklärt Gruner, da sich das Zusammenspiel von Hartwaren und Textilien doch schwieriger und aufwändiger erwies. Mit zwei
getrennten „Wawis" fahre man daher immer noch besser.
Mehr Kunden, mehr Umsatz
Was anderen Marktteilnehmern oft Schwierigkeiten bereitet, klappt bei Avalanche und Freilauf mittlerweile reibungslos: Ein Zuwachs an Kunden, auch wenn sich die Käufergruppen nicht von Haus aus überschneiden. „Wir konnten unser Einzugsgebiet vergrößern, sprechen alte und auch neue Kunden an und binden sie insgesamt besser", versichert Avalanche-Chef Schmutzler. Er berichtet von „deutlichen Umsatzzuwächsen“ seit dem gemeinsamen Weg. Die Kooperation, die bundesweit in Art und Weise ihres Gleichen sucht, habe sich voll und ganz gelohnt. Beispielhaft ist lediglich der Schweizer Filialist (und Globetrotter-Partner) Transa (Zürich), der sich ebenfalls in einigen Filialen unter einem Dach den Themen Outdoor und Bike widmet. Ohne volle Konzentration auf entsprechende Beratungsleistung und überzeugende Sortimentsgestaltung ist die Kombination jedoch zum Scheitern verurteilt. Das musste zuletzt nicht nur Deutschlands größter Outdoor-Filialist Globetrotter zugeben, nachdem der Bike-Bereich wieder zurückgefahren wurde. Das wird auch beim norddeutschen Filial-Discounter BOC (Bike und Outdoor Company, Hamburg) deutlich: Dort werden zwar beide Segmente und Zielgruppen bedient, das aber häufig zu Lasten der
Beratungsqualität und Glaubwürdigkeit vor allem im Outdoor-Sektor. Die Zukunft gehört möglicherweise Spezialisten, die sich räumlich und inhaltlich ergänzen. Avalanche und Freilauf dürften nicht die Letzten gewesen sein. npk

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