Hanwag

Kombinierte Funktion oder funktionelle Kombination?

Die Bekleidungshersteller haben sich für den kommenden Winter einiges einfallen lassen, um die Skiabfahrt oder Loipenrunde in puncto Funktion zu einem Erlebnis werden zu lassen: Hightech-Materialien und Body-Mapping-Lösungen sollen das sensible Gleichgewicht zwischen Atmungsaktivität und Wärmespeicherung noch besser halten als früher.

Dazu warten eine Menge praktischer Details auf ihren Einsatz. Damit nicht genug: Die Kombinierbarkeit der einzelnen Kollektionsteile stand bei vielen Designern weit oben auf der Prioritätenliste, was bei den kräftigen, zum Teil poppigen Farben zum Vergnügen werden dürfte.

 

 

Arc’teryx setzt für den kommenden Winter die neue Active-Shell-Technologie von Gore-Tex ein. Die besonders dünne Membran soll besten Dampfdurchlass ermöglichen. Die Kanadier stellen zwei Modelle aus den neuen Laminaten vor: Das Alpha FL Jacket ist eine minimalistische Alpinjacke mit nur gut 300 Gramm Gewicht und verstärktem Schulter- und Armbereich. Beim Beta FL Jacket sind im Vergleich zur Alpha-Jacke auch Hüfte und Gesäß durch Gore-Tex Pro Shell verstärkt. Die Jacke hat zwei Einschubtaschen mit laminierten WaterTight-Reißverschlüssen und ist etwas weiter geschnitten als die sehr athletische Alpha FL. Außerdem ist die anpassbare Storm-Hood-Kapuze im Gegensatz zur Kapuze beim Alpha FL Jacket nicht für das Tragen über dem Helm gedacht.
Bench Sport, der jüngste Spross des Kultlabels Bench, bleibt seinen Wurzeln treu und möchte „urbanen Street-style“ auf die Piste bringen. Die Briten haben die Kollektion in drei Level eingeteilt: Level 1 hält Outfits für Skifahrer und Snowboarder bereit, die auf ausgefallene Styles, Farben und Funktion Wert legen. Hier geben geometrische, teils gewagt positionierte Colourblockings und poppige Farben den Ton an. Level 2 präsentiert sich in einem edleren Streetwear-Look. Im Level 3 trifft man dagegen auf robuste und dennoch komfortable Hightech-Funktion.
Multimedial gehen dagegen die Designer von Brunotti in den Winter und sind überzeugt, dass ihre Kunden alles ganz genau wissen wollen: Die Innenseite und ein Anhänger jeder Jacke zeigen eine Art Barcode, den „QR-Code“. Wenn man den Code mit einem Smartphone scannt, erscheint ein Text, Video oder eine Website über die technischen Features der Jacke auf dem Display. Erklärt werden Funktionen wie Wassersäule, Atmungsaktivität, Brillenputztuch oder Kopfhörer-Öffnung.

 

Eins passt zum anderen …
Gleich mehrere Hersteller wollen es ihren Kunden leicht machen, ein Outfit ihrer Wahl zusammenzustellen, und legen Wert auf die Kombinierbarkeit der einzelnen Teile:  Das Schweizer Label Zimtstern präsentiert beispielsweise die This is the&-Kollektion, die viele Kombinations-Möglichkeiten bietet, und unterteilt seine Outerwear-Kollektion in drei Linien: „Chop“, „Whip“ und „Beat“: Chop will anspruchsvollste Fahrer ansprechen, was Look und Funktion anbelangt. Bei der traditionellen Whip-Linie wurden hochwertige Stoffe verwendet. Stets up-to-date kann man in den Teilen der Beat-Linie im Streetstyle den Berg hinab cruisen.
Auf Kombination setzen auch die Schweizer Kollegen von Belowzero, deren neue Winterkollektion unter dem Motto „Hybrid Snow Clothing“ steht. Die Farbwege sind so konzipiert, dass alle Linien miteinander kombiniert werden können. Dabei soll jeder Style durch seine außergewöhnlichen Drucke gleichwohl als Einzelstück wirken. Übrigens verwenden die Schweizer im kommenden Winter erstmals Sympatex und setzen so auf Nachhaltigkeit.
Schöffels Kollektion präsentiert sich sportlich-schnell und soll richtig viel Farbe in den Schnee bringen. „Bionic“ nennen die Designer des Familienunternehmens aus Schwabmünchen ihr Motto des nächsten Ski-Winters: Die Natur stand Pate bei Formen und Farben der mit neuen Laser- und Klebe-Technologien verarbeiteten Teile. Feine Linien und weiche, leichte Stoffe in Lila, Fuchsia, Gelb oder klassisch Dunkelblau, Rot, Weiß, Schwarz mit bionischen Drucken prägen den Damenbereich.
Feminin ist der „Modern Retro“-Style mit Details wie Emaille-Etikett oder Reißverschluss-Anhänger. Schneller geht’s bei den Herren mit Bionic Speed zu: Inspiriert vom Rennsport kommen die Hightech-Modelle aus glatten, leichten Stretch-Materialien in kräftigen oder klassischen Farben. Crossover zwischen Bergsport und Ski ist bei Schöffel ebenfalls ein Motto der Saison: Die technischen Bergsportmodelle passen auch zu Piste und Skitour und lassen sich gut kombinieren.
Deutlich konzentrierter als in den vergangenen Jahren geht Skibekleider Mountain Force in den Winter. So wird die Kollektion in zwei Linien, nämlich Sonic und Challenge geteilt. Mit der Konzentration kommen weitere Verbesserungen am Produkt: So wurden beispielsweise die Mountain-Force-Skihosen im anatomisch geformten Komfortbund-Bereich weiter optimiert. Bei den Jacken hat man sich auf die höchstmögliche Funktionalität und maximalen Tragekomfort (4-Way-Stretch) festgelegt. Das Design ist schlicht, jedoch mit vielen Features und Details ausgeschmückt.

 

Für trendsichere Sportlerinnen hat Völkl die Silver Linie designt:  Charakteristisch sind Spirographen-Muster –  geschwungene Linien-Wirbel. Hinzu kommen Fade Outs, die von kräftigen Uni-Tönen in Blau, Grün, Pink oder Orange ins Helle übergehen. Die Outfits sind zwar körpernah geschnitten, dennoch soll dank Stretch nichts die Ski-Damen einengen: Jacken und Hosen sind sehr leicht, sollen durch die integrierte Sensortex-Membran aber dennoch gut isolieren und Wind und Wasser draußen lassen.
Kneissl schwimmt mit seiner neuen Kollektion in puncto Materialien konsequent gegen den Mainstream: Verarbeitet werden nur feine Naturmaterialien wie Seide, Kaschmir oder Baumwolle, die der Skifahrer-Haut schmeicheln. Die Funktion soll davon unberührt bleiben – der Tiroler Hersteller verspricht, dass Atmungsaktivität und Wasserdichte dem gängigen Topniveau entsprechen.

Der Powder ruft!
Immer mehr Skifahrer zieht es in den Tiefschnee abseits der platten Pisten – einige Hersteller tragen dem Trend Rechnung und weiten ihre Kollektionen um spezielle Freeride-Linien aus: Pulverschnee-Fans können im kommenden Winter beispielsweise auf Maier Sports zählen: Bei den Teilen der neuen Linie Powder wurde eine technisch hochfunktionelle Membran mit Wattierung  kombiniert, was bes-te Wärmeleistung garantieren soll. Damit arten Abstecher ins Gelände nicht zu einer Schwitzkur aus. Der Style ist expressiv und selbstverständlich etwas lässiger als in der übrigen Kollektion.
Kjus geht ebenfalls neue Wege und wagt es neben seinen eleganten, sportlich-technischen und femininen Linien erstmals auch, einen Freeride-inspirierten, frechen Look aus drei Lagen auf den Markt zu bringen, der auch tiefstem Pulverschnee die Stirn bieten soll.
Spyders Freeride-Linie Mission kommt 2011/12 in einem futuristischen Design und hat sich zum Ziel gesetzt, das Gewicht der Outfits so minimal wie möglich zu halten, ohne den Anspruch an Funktion herunter zu schrauben. Der Hersteller verwendet dafür leichte Materialien wie Primaloft Eco, Thinsulate, Osmo oder Primaloft Sport. Die Oberstoffe aus Bemis Anti-Abrasion sind abriebfest, strapazierfähig und sollen ideal vor wid-rigen Wetterbedingungen schützen. Powderhorn präsentiert in der kommenden Saison sogar eine Weltneuheit: Der Schweizer Skibekleider mit US-Wurzeln verwendet wasserabweisende Daunen, die vom japanischen Stoffspezialisten Toray entwickelt wurden, dem es gelungen ist, den Schwachpunkt der Daunenjacken zu überwinden: Eindringende Feuchtigkeit, hervorgerufen durch Regen oder Schnee, welche die Daune sowohl nass als auch schwerer macht. Dies alles geschieht ohne eine Membran, um weiterhin die Atmungsfähigkeit der Daune beizubehalten.
Salomons 3Lagen-Jacke und die dazugehörige Hose aus der Sideways-Kollektion sind ebenfalls für den Pulverschnee konzipiert. Beide bestehen aus dem von Salomon entwickelten Material ClimaPro Storm. Es ist robust, schützt vor starken Stürmen und bei einer Wassersäule von 20.000 mm vor Nässe – ohne dass die Atmungsaktivität leiden soll. So ist das Duo auch für kurze Aufstiege auf der Suche nach dem Powder perfekt geeignet. Bei Off-Piste-Fahrten sind neben dem Rucksack auch manchmal Seil und Gurt wichtige Begleiter: Damit die Jacke bei kürzeren Kletterpartien nicht nach oben rutscht, haben die Designer unter den Armen zusätzlichen Stoff eingenäht. Das erhöht die Bewegungsfreiheit. Zwei weitere schützende Details sind ein abnehmbarer Schneefang und Druckknöpfe, durch die Jacke und Hose verbunden werden können.
Unter die Wortschöpfer begibt sich Maloja und nennt die Anziehungskraft der Alpen analog zu Sex Appeal kurzerhand Alp Appeal: Klare, kräftige Farben wie Grün, Dunkelblau, Weiß, Rot, Pink, Gelb und Braun, die den Outfits der Alpenbewohner aus den 70er-Jahren abgeschaut wurden, bestimmen die Kollektion. Die Motive stammen allesamt aus der Natur und dem Tierreich und aus dem traditionsverhafteten Leben in den Alpen.

 

alt

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