Hanwag

Intelligente und grüne Fitnessgeräte vor Rekordkulisse

Taipei. Vom 29. April bis zum 2. Mai fand in der Taiwanesischen Hauptstadt Taipei die Sportausstellung Taispo statt.

In diesem Jahr glänzte die Messe mit mehreren Superlativen. Noch nie gab es so viele Aussteller in den TWTC Nangang Hallen, die Organisatoren konnten einen neuen Besucherrekord verzeichnen und die belegte Hallenfläche stellte ebenfalls eine neue Höchstmarke dar. Den Schwerpunkt der Taispo bildete der Bereich Fitnessgeräte. Hier gehört das asiatische Land, ebenso wie bei Fahrrädern (Giant und Merida), Golfschlägern (Hono) und Carbon-Verarbeitung, zu den Weltmarktführern. Die auf der Taispo vorgestellten Sportgeräte sind benutzerfreundlicher und mit zusätzlichen technischen Innovationen ausgestattet. Ein weiteres Schwerpunktthema der Hersteller aus Fernost war die Umweltverträglichkeit.

 

In seiner Begrüßungsrede honorierte Ronald Unterburger, Managing Director von der Messe München und zuständig für den asiatischen pazifischen Raum, die Entwicklung der Taispo: „Dieses Jahr markiert eine weitere Expansion dieser Veranstaltung. Beeindruckend sind die Zahlen der Aussteller und der belegten Hallenfläche.“ In diesem Jahr kann die Taispo auf eine positive Entwicklung zurückblicken: 385 Produzenten aus der Sportbranche präsentierten sich in Taipei, was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 23% bedeutet. Vom weltweit anhaltenden Fitness-boom profitiert Taiwan: Aus der ganzen Welt fanden sich Händler und Hersteller in Taipei ein. So konnte die letztjährige Rekordmarke von 15.200 Besuchern in diesem Jahr übertroffen werden.

 

Wer die Taispo verpasst, verliert im Wettbewerb
Zum internationalen Fachpublikum zählt auch Mark Jeffrey von Fitness Depot aus Kanada: „Wir suchen ständig konkurrenzfähige Produkte, die bezahlbar sind. Auf der Taispo finden wir derartige Sportgeräte.“ Zu einer ähnlichen Einschätzung was den Stellenwert der Ausstellung in Taipei betrifft, kommt Paul Singh aus Neuseeland: „Wenn du ein Jahr nicht die Taispo besucht hast, verpasst du die wichtigsten neuen Produkte auf dem Markt. Das kann im Geschäftsleben viel ausmachen.“ Singh ist Inhaber von Fitness Fusion, einer Franchise-Kette. Der australische Taispo-Besucher Ian Young vom Sportgeräte-Importeur und Händler Action Sports ist ebenso von der Messe überzeugt: „Bei allen technischen Produkten zeigt diese Messe wo es lang geht. Hier sind alle Nummer eins Marken für Fitness vertreten“, erklärt Young. Die WFSGI (World Feder-ation of the Sporting Goods Industry) nutzte die Anwesenheit der internationalen Besucher und bot verschiedene Veranstaltungen an, die mit hochkarätigen Teilnehmern besetzt waren. Bei der Podiumsdiskussion über die Entwicklung von globalen Sportmarken und wie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Händlern zu erreichen ist, sprach Jim Sciabarrasi, Vizepräsident für Qualität und Logistik bei New Balance, vor einem gut besuchten Auditorium. Ein weiterer Teilnehmer, der die Rolle des Handels erläuterte, war Markus Rist von Intersport International. Nicht nur was das globale Geschäft betrifft, vollziehe sich ein Wandel. Speziell auf der Taispo zeige sich eindrucksvoll, wie sich Qualität und Design der Fit-nessgeräte verändere.

Fitnessgeräte im Wandel
Aus simpel gefertigten Hantelbänken, sind intelligente und stylische High-tech-Sportstationen geworden. Dazu Jerry Lai, Produktmanager von Johnson Fitness: „Weltweit wünschen sich die Benutzer von Fitnessgeräten, dass ihnen diese ein schonendes und individuelles Training bieten." Lai und sein Team entwickelten ein neuartiges Gerät zur Stärkung der Armmuskulatur, welches auch von Rollstuhl-Fahrern genutzt werden kann. „Überall auf der Welt spüren wir eine verstärkte Nachfrage für Fitnessgeräte, die auch körperlich Behinderte nutzen können“, sieht Lai neue Marktchancen. Innovationen die sich sehr gut verkaufen, sind für die taiwanesischen Sportartikelhersteller in diesem Jahr wichtiger denn je. Auch das kleine asiatische Land mit seiner export-orientierten Wirtschaft bekam die negativen Folgen der weltweiten Rezession zu spüren. Dazu Dr. George Wood, Vorsitzender des Verbandes der taiwanesischen Sportartikelhersteller (Tsma): „Die Auswirkungen des globalen Finanz-Tsunamis waren niederschmetternd, was den Wert der Ausfuhren der tawanesischen Sportartikelindustrie betraf. 2009 betrugen diese etwas über eine Milliarde US-Dollar. Verglichen mit 2008, damals exportierte Taiwan Sportartikel im Wert von 1,41 Milliarden US-Dollar, kam es zu einen schweren Einbruch von 30%. Auch die Wechselkurse der weltweit führenden Währungen beeinflussten das Geschäft sowie die steigenden Öl- und Rohstoffpreise.“ Wie drastisch die Export-Entwicklung für die Hersteller von Sportartikeln der Republik China, so die offizielle Bezeichnung von Taiwan, ausfällt, verdeutlicht folgender Vergleich: 1996 führte das asiatische Land Sportprodukte im Wert von 2,094 Mrd. USD (1,651 Mrd. EUR) aus. 2009 lagen diese bei nur noch 1,1 Mrd. USD (0,867 Mrd. EUR). Bei den Fitnessgeräten, die mit 35,7% und 404 Mio. USD (318 Mio. EUR) den größten Einzelposten in der Exportstatistik bilden, kam es zu einem Rückgang von rund 15% gegen-über dem Vorjahr.

Taiwan globalisiert sich
Um die globale Vormachtstellung im Fitnessgeräte-Bereich zu behaupten, entwickeln und produzieren taiwanesische Firmen zunehmend international. So auch der Product Director von Dyaco, der Amerikaner Brian Murray. Sein Erfolgsrezept für verbesserte Absatzchancen: „Wir versuchen für die Verbraucher, von unseren Profigeräten für Fitness-Studios, möglichst viele Elemente in die Produkte für das Training zuhause zu übernehmen." Den unterschiedlichen Erwartungen trägt der Sportgeräte-Hersteller, mit Werken in Taiwan und China, Rechnung. „Europäer lehnen einen solchen Hometrainer ab“, sagte Murray und zeigte auf einen Liegerad-Trainer. "Für Europa ist das eine Couch mit störenden Pedalen dran. In den Staaten wiederum würde ein typisch europäischer Hometrainer bei den Verbrauchern nicht ankommen.“ Technische Neuentwicklungen beeindruckten die Fachbesucher. Mittlerweile ist die Dockingstation für den iPod bei Fitnessgeräten Standard. Integrierte Bildschirme sollen es zukünftig werden, wenn es nach den Ideen der taiwanesischen Hersteller geht. So können die Sportler zukünftig bei einem neuartigen Laufband Filme von Joggingstrecken, beispielsweise New York oder Hawaii, auswählen. Mit zunehmender Laufgeschwindigkeit wird auch der Film in dem integrierten Bildschirm schneller. Dezent in Bedienungskonsolen eingepasste Ventilatoren geben den Indoor-Läufern die notwendige Kühlung. Ebenfalls viel Beachtung fand ein neuartiger Hometrainer auf der Taispo, bei dem virtuell gegen einen anderen Sportler ein Downhill-Rennen mit Mountainbikes simuliert wird. Neben dem Spaß beim Training ist auch das Thema Umweltschutz auf der Taispo ein Thema. SportsArt Fitness bietet Laufbänder an, deren Elektromotoren 32% weniger Strom verbrauchen als konventionelle Antriebe. „Damit kann ein Fitness-Studio im Jahr mehrere tausend Euro sparen“, verspricht Vic Lee. Seiner Meinung nach bietet sich mit Strom sparenden Fitnessgeräten den taiwanesischen Herstellern ein großes Absatzpotenzial für die Zukunft. Einen anderen Wunsch für die Zukunft trägt der Tsma-Vorsitzende mit sich: Er hofft, dass sich mehr westliche Staaten dazu durchringen, Taiwan als eigenen Staat anzuerkennen: „Unser Land kann keinem Freihandels-Abkommen beitreten, weil es von den Industrienationen nicht als souveräner Staat anerkannt ist“, bedauert Wood. Nur 23 Länder erkennen Taiwan die staatliche Souveränität an. Die Europäische Union und auch die Bundesrepublik hingegen, übernehmen die Argumentation von Peking und plädieren für eine Ein-China-Politik. Pragmatischer gehen die tawainesischen Hersteller mit dieser Problematik um und produzieren immer mehr in der Volksrepublik China. Mit innovativen Ideen und hoher Qualität, so zeigte die Taispo 2010, ist auch zukünftig mit Taiwan als Marktführer im Bereich Fitnessgeräte zu rechnen. Die nächst Taispo findet vom 27. bis 30. April 2011 statt.

Ulrich Wittmann

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