Für immer jung: Marken, die Outdoor-Geschichte schreiben
01.07.2010
Klassiker sind aus der Sport- und Outdoor-Branche nicht wegzudenken.
Sie verkaufen sich über viele Jahre hinweg konstant und haben ein sehr gutes Image bei den Kunden. In einer immer schnelllebigeren Zeit sind die Bestseller Fixpunkte in jedem Sortiment. Hersteller und Händler wissen, was sie an einemKlassiker haben: Ein umsatzstarkes Produkt, das sich ohne großen Werbeaufwand verkaufen lässt. Doch langjährige
Verkaufsschlager haben auch ihre Ansprüche. Das Design darf nie radikal verändert werden. Was macht einen Klassiker zu dem, was er ist? sportFACHHANDEL recherchierte und bekam manchen seltenen Einblick in die Firmenarchive.
Deuter
Bei Deuter hat man zwei Dauerbrenner im Katalog: Die Rucksäcke Gröden und Zugspitze gehören seit den 50er-Jahren zum Sortiment – das bayrische Unternehmen rüstete bereits die Himalaya-Expeditionen von Herman Buhl mit diesen Modellen aus. Damals bestanden die Tornister noch aus Leinen und Leder. Auch wenn das Gewicht, im Gegensatz zu den heutigen Rucksäcken, höher ausfiel, gelang Buhl 1953 mit einem Deuter-Rucksack die Erstbesteigung des
Nanga Parbat. 1984 revolutionierten die beiden Evergreen-Modelle den Markt: Sie boten mit dem Aircomfort-System sozusagen die erste Klimaanlage für den Rücken. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht abzusehen.
Ortovox
Als Ortovox 1994 das LVS-Gerät F1 Focus einführt, ahnte dort niemand, dass dieses Produkt in den Verkaufszahlen die Nase vorn haben wird. Weltweit ist es das am meisten verkaufte LVS-Gerät. Marketingleiter Hendrik Reschke hat eine passende Erklärung parat: „Durch seine analoge Technologie erhält das F1 extrem früh Erstempfang und wird daher von Profis sehr geschätzt – weshalb wir es noch immer führen." So werden sich auch in Zukunft viele Skibergsteiger und Freerider den Piepser umschnallen, bevor sie abseits der Pisten unterwegs sind.
Meindl
Seit 20 Jahren sind Wanderer gut unterwegs mit Meindls Trekking-Stiefel Island, der sich über eine Million Mal verkaufte und etliche Preise erhielt. Zum Jubiläum sucht Meindl die 20 ältesten Modelle dieser Serie. Dem Gewinner winkt eine zweiwöchige Fahrt nach Island. Änderungen gab es einige: Im PU-Keil sind jetzt Pronations- und Supinations-Stützen integriert. Optisch wurde die Manschette verändert. Der höhere Spoiler ermöglicht eine weichere Druckverteilung und bietet eine größere Beugezone mit mehr Flexibilität.
Suunto
1998 trat der Vector seinen Siegeszug an und macht immer noch Furore. Dabei fing dieses Projekt eigentlich weniger erfolgversprechend an: „Bereits in den späten 80er-Jahren hatten die Ingenieure von Suunto an der Entwicklung von einem elektronischen Kompass gearbeitet, aber das Projekt wurde wegen der hohen Kosten aufgegeben", erklärt Tarja Kuusela, Sprecherin des finnischen Unternehmens. Als sich Mitte der 90er-Jahre abzeichnet, dass ein solches Gerät doch rentabel sein könnte, forcierte Suunto das Projekt. Warum ist der Vector ein begehrter Klassiker? „Der Vector ist eine Ikone der Outdoor-Enthusiasten, und als einer der Ersten seiner Art, ist er immer noch sehr beliebt. Er ist eine gelungene Kombination aus Design, Funktionalität und gutem Preis."
Fjällräven
Eine Stilikone besitzt auch Fjällräven mit dem Kånken. Unternehmensgründer Åke Nordin entwickelte diesen Tornister 1978 als Schulranzen. Bald waren in Schweden viele Schulkinder damit unterwegs. Mit über drei Millionen Stück gehört er zu den meistverkauften Rucksäcken aller Zeiten. Zum 50. Geburtstag der schwedischen Marke erscheint nun eine limitierte Sonder-edition: Jeder Daypack ist mit einer Seriennummer und einer persönlichen Widmung von Nordin versehen. Durch die vielen Griffe und die robuste Ausführung ist die Tragehilfe auch bei Senioren weltweit beliebt.
Berghaus
Bald 20 Jahre ist bei Berghaus, dem britischen Spezialisten für Alpinistenkleidung, die Mera-Peak-Jacke im Programm. Benannt ist der Klassiker nach einem 6461 Meter hohen Gipfel in Nepal. Mit diesem Modell schließt sich die Lücke zwischen der „Extrem"-Serie für den Hardcore-Alpinisten und dem gemäßigten Outdoorer. Die Jacke ist auch nach 19 Jahren ein guter Umsatzbringer: Mit dem zwei Lagen Gore-Tex Performance Shell Cygnus sowie einer neuartigen justierbaren und wegfaltbaren Kapuze erhielt sie eine Auffrischung.
Hanwag
In Vierkirchen startete der Alaska GTX von Hanwag Mitte der 90er seinen Siegeszug in die Outdoor-Läden. Seitdem brauchte der Bestseller, er wurde 2009 vom Magazin Outdoor bei der Wahl zum „Gear of the Year" auf den zweiten Platz nominiert, keine aufwändigen Veränderungen. Dazu Vertriebs- und Marketingleiter Jürgen Siegwarth: „Den Alaska GTX haben wir seit Mitte der 90er-Jahre praktisch unverändert im Programm. Aus guten Gründen: Er passt, er funktioniert. Deshalb hat er auch so viele Fans in einer großen Trekking-Gemeinde und gilt längst als Klassiker."
Leki
1974 stand der Makalu erstmals in den Geschäften. Anfänglich wurde das Produkt belächelt, da vielfach die Meinung herrschte, Stöcke seien nur etwas für Skifahrer, Gehbehinderte oder ältere Leute. Das änderte sich 1978, als Reinhold Messner und Peter Habeler diese Stöcke auf dem Mount Everest dabei hatten, den sie als erste ohne Hilfe von zusätzlichem Sauerstoff bestiegen. „Viele Sportfachhändler sagen uns, dass Kunden heute reinkommen und nach Makalus fragen, wie nach Tempos. Er hat sich zum Synonym von Trekking-Stöcken entwickelt", so Marketingleiterin Heidi Kreusel. Besonders stolz ist man beim schwäbischen Unternehmen, dass Stöcke dieser Serie nach über 25 Jahren eingeschickt werden und nach einem kurzen Servicecheck wieder voll einsetzbar sind. Zum 60. Firmenjubiläum brachte Leki 2008 eine Sonderserie im Retrodesign heraus.
Therm-a-Rest
Mit zwei Modellen startete Therm a Rest 1974 die Produktion der selbstaufblasbaren Isomatten. 2011 wird das Sortiment auf 17 Modelle anwachsen. Die Allroundmatte Expedition gibt es nach 26 Jahren immer noch. Das Gewicht von 1,1 kg blieb gleich. Doch die Dicke des Schaumstoffs und somit der Schlafkomfort nahmen im Laufe der Zeit zu: War die Ur-Matte nur 3,5 cm dick, bringt sie es heute auf 5 cm.
Trangia
Ist es möglich, ein Design über Jahrzehnte nur wenig zu verändern und trotzdem Erfolg zu haben? Bei Trangia, dem schwedischen Hersteller von Sturmkochern, ist das der Fall. Sie sind mittlerweile weltweit unübersehbar. 1925 gründete John. E. Jonsson das Unternehmen. Seitdem gab es an der simplen Funktionsweise, ein kleines Brennstövchen für Spiritus sorgt für die nötige Hitze, sowie dem praktischen Aufbau der ineinander stapelbaren Töpfe und Pfannen keinen Grund zur Überarbeitung. Trangias 27 Serie aus Aluminium ist bei Outdoor-Fans eine sichere Kochstelle.
Jack Wolfskin
1991 führte Jack Wolfskin die Thunder & Lightning-Jacke ein. Den Kassenschlager hat der Outdoorer aus Idstein seitdem kontinuierlich in puncto Design und Funktionalität angepasst. Wim Wenders trug das gute Stück 2002 beim Dreh zum Kino-Spot der Tatze in Montana. Im nächsten Winter kommt der knapp 20 Jahre alte Trendsetter wieder in die Läden.
Salewa
Auf die Frage, was das meist erfolgreichste Zeltmodell in der Geschichte Salewas ist, antwortet Produktmanager Bernhard Schnaus: „Ganz klar: Das Sierra Leone II." Über 100.000 Mal verkaufte sich die mobile Unterkunft. 1978 kam dieses Kuppelzelt erstmals auf den Markt. Zwei unterschiedliche Varianten sind im Angebot. Neue Materialien und einfachere Handhabung lassen allerdings grüßen.
Lowa
Seit der Markteinführung 1997 traf der Multifunktionsschuh Renegade mit seiner Passform und dem geringen Gewicht genau ins Ziel. „Natürlich haben wir uns von diesem neuen Segment eine ganze Reihe neuer Impulse und eine erfolgreiche Zukunft versprochen. Das aber ein Modell so dominierend sein würde, war nicht absehbar – ist aber umso schöner", meint Rolf Eberhard, Marketingleiter von Lowa. Am Renegade wurde seitdem der Schaftaufbau verbessert. Außerdem kamen eine Sohlenkonstruktion mit integriertem Stabilizer und neue Schnürteile dazu.
Primus
Mit dem Fahrrad und seiner Ausrüstung radelte Göran Kropp zum Mount Everest und bestieg den höchsten Berg der Welt 1996 im Alleingang. Mit im Gepäck war ein Prototyp des Omni Fuel. 2002 kam er dann auf den Markt. Seitdem haben ihn die Leser des Outdoor-Magazins sieben Mal in Folge zum „Gear of the Year" gewählt. Die Wurzeln liegen noch weiter zurück: Sir Edmund Hilary vertraute bei der Erstbesteigung des Mount Everest auf einen Kocher der Marke Primus.
Vaude
Vaude brachte 1987 ein Zelt heraus, das durch seine innovative Gestänge-Konstruktion auffiel: das Mark II. Erstmals war es möglich, das Außenzelt am außenliegenden Gestänge zu fixieren. Der Aufbau lässt sich so zügig und einfach bewerkstelligen. Bestimmte Details veränderten die Schwaben im Lauf der letzten 23 Jahre, das Grundprinzip blieb jedoch das gleiche.
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