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Almabtrieb 2010: „Bergsport“ hat viele Facetten

München. „Almabtrieb 2010“ nennt sich die offizielle Longboard-Downhill-Weltmeisterschaft in Deutschland.

 

Im Bayerischen Wald (14. – 17.7. in Neukirchen) treten über 250 Fahrer aus aller ­Herren Länder an und feiern ihren Sport, die beste Technologie und sich selbst. Auch Vroni Oettl, Mitinhaberin des Münchner Longboard-Shops Boneless, freut sich auf das Event. Ihr Laden ist Mitausrichter der WM, die erstmals in Deutschland stattfindet.
 

 

Die Longboard-Szene ist quicklebendig, überschaubar und hochmotiviert. Händler und Fahrer aus dem deutschsprachigen Raum kennen sich vielfach. In Deutschland gibt es nur eine Handvoll Shops, die kompetent sind. ­„Long­boards gab es schon immer“, erklärt Franky Sommer aus Berlin, einer der ältesten und anerkanntesten Long­board-Spezialisten. Doch inzwischen ist ein hochtechnischer Sport daraus geworden. Seinen neuen Laden mit knapp 100 qm im Berliner Norden namens Funky Sommer eröffnete der frühere Profifahrer erst vor einem halben Jahr. Mittlerweile ist der Shop bereits gefragte Anlaufstelle in der Szene. „Du musst beim Equipment fit sein, dich sportlich halten und immer wieder trainieren“, meint ein WM-Teilnehmer, der zum Ausgleich viel läuft, Kraftsport und Ballsportarten betreibt.

„Die Hartware ist das Wichtigste.“
„Das Longboarden hat sich zu einer echten Sportart entwickelt, die kaum noch etwas mit dem Skateboarden der früheren Jahren zu tun hat“, meint Sommer. Der Berliner Händler ist vor über 20 Jahren selber als Skateboarder gestartet und hat alle Höhen und Tiefen der 80er und 90er Jahre mitgemacht. „Viele Boardfans aus den Anfängen sind mittlerweile aufs Long­board umgestiegen, weil es sportlicher ist.“ Gefahren werden Downhill-Touren und Slalom-Strecken. „Der Anspruch an das Material ist viel größer geworden“, meint Sommer. Bei Geschwindigkeiten von 80 bis 90 km/h den Berg hinunter oder sogar darüber müssten Material, Technik und körperliche Fitness absolut top sein. Beim Material werden Carbon, Titan und ­bes­te Hölzer verarbeitet. Mancher Hersteller entwickelt spezielle Fertigungstechnologien. „So kann ein gutes Brett komplett schnell über 1000 EUR kosten“, berichtet der Berliner Szene-Händler. Franky Sommers Spezialität sind aber nicht nur ausgesuchte Anbieter von Decks aus der Schweiz oder aus den USA, sondern auch Eigenkreationen. So baut er in seinem neuen Geschäft oft selbst Bretter auf Wunsch zusammen und der Einsatz lohnt sich und spricht sich herum. ­Long­board-Fahrer sind immer auf der Suche nach zusätzlicher Ausrüstung, neuen Teilen oder einfach nur Ersatz für Verschleiß. Sommer bietet zwar auch Schuhe, Hosen und Shorts an, doch zählt das nicht zum ­Haupt­geschäft: „Die Hartware ist das ­Wichtigs­te.“
Darüber hinaus hat Sommer im Internet die nach eigenen Angaben größte Longboard-Community im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Täglich ist er damit beschäftigt, diesen Web-­auftritt zu pflegen und voranzutreiben. Daraus speist sich schließlich auch der sportliche Nachwuchs, also auch die Kunden. Zudem ist die Szene immer heiß auf neueste Nachrichten im Boardbau, bei den Angeboten und der Ausstattung. „Die Kunden wollen immer neue Ware und Tipps wissen.“

Glaubwürdigkeit
ist das A und O. Auch bei Boneless in München wird ständig nachgefragt und reingeschaut. „Die Leute wollen News austauschen oder neue Bretter ausprobieren“, erzählt Ladeninhaberin Vroni Oettl. „Viele Kunden haben nicht nur ein ­Longboard, sondern kaufen sich mehrere.“ Es sei wie eine Sucht, die Suche nach besseren Teilen oder verbesserten Fahreigenschaften. Das treibt die Umsätze sowohl bei Kleinteilen als auch bei Komplettboards in die Höhe. Textilien haben im Münchner Laden (im Gegensatz zum Berliner Shop) einen größeren Stellenwert. Das Angebot ist recht umfangreich. Eine noch ­
um­satzstärkere Rolle spielen jedoch Schuhe, berichtet die Ladenchefin. Vans und Vox sind hier die führenden Marken, die „man haben muss“. Glaubwürdigkeit ist eines der wichtigsten Verkaufsargumente. Einen hohen Stellenwert hat der Bereich ­Schutzaus­rüs­tung. Schoner, Handschuhe und Helme sind ein Muss bei diesem Sport.
Ein zusätzlicher Aspekt ist das Thema Wartung. „Vieles wird von den Fahrern selbst gemacht“, erklärt Boneless-Verkäufer Stefan Kurz. Da werde gebaut, getüftelt und getuned. Die Nachkäufe von Achsen, Rädern und Kugellagern sind entsprechend wichtig fürs Geschäft. „Wenn wir helfen können, wird bei uns im Laden mitgeholfen und repariert“, meint Kurz. Dabei sei viel Know-how und Herzblut gefragt: „Richtige Fans wollen keine Bretter von der Stange haben.“ Wer sich also über das alltägliche Skateboard ­hinaus mit dem lukrativen Thema Long­board beschäftigen will, sollte sich unbedingt einen Spezialisten ins Geschäft holen.

Nicolas Kellner
 

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