Radiergummi? Gibt’s nicht!
26.08.2011
Das Web hat ein besseres Gedächtnis als jeder Elefant: Was einmal drinsteht, taucht auch wieder auf. Das predigen Kritiker des Social Web schon seit langem. Unrecht haben sie damit nicht. Mit ein paar Tricks finden sich auch längst gelöschte Inhalte wieder. Umso wichtiger ist es, einen guten Ruf nicht mutwillig zu verspielen.
Seit einem dreiviertel Jahrhundert ist Brügelmann eine fixe Größe im Rad-sport. Der ursprüngliche Betreiber, Manfred Brügelmann, ging jedoch Ende 2009 in Insolvenz. Er galt als Pionier der Branche und einer der größten in Europa. 1932 gegründet, baute Brügelmann den kleinen Frankfurter Fahrrad-Laden seiner Eltern zum Radversender der ersten Stunde aus.
Im April 2010 wurde Brügelmann von der internetstores AG übernommen. Das Geschäft mit Fahrrädern von Vorstand René Marius Köhler begann vor einigen Jahren im Internet – bei eBay. Er ist unter anderem Betreiber der Web-
site Fahrrad.de, der er Anfang März 2010 einen neuen Anstrich verpasste (siehe Online-TÜV, SFH Ausgabe 9/2010, S. 21). Trotz der Gründung eines Ladengeschäfts 2009 ist der Online-Handel nach wie vor Köhlers Steckenpferd.
Mit offenen Karten spielen
Brügelmann ist eine Marke, die wohl jeder Rennradler kennt. Wie aus den Einträgen hervorgeht, die durch deutsche Internetforen geistern, ist die Insolvenz des ursprünglichen Besitzers nicht unbemerkt von statten gegangen. Umso wichtiger wäre es gewesen, hier Spekulationen keinen Vorschub zu leisten – und nichts zu versprechen, was man entweder nicht einhalten kann, oder was schlicht nicht der Wahrheit entspricht.
Im Forum von Rennrad-News.de warnte ein Nutzer namens Bikaholic noch Mitte Juni 2011 davor, auf Brügelmann.de hereinzufallen. Der Shop
habe nichts mehr mit der bekannten Marke gemein. Er zitiert einen Text auf der Website des Radversenders, den er als „dreist“ empfindet:
Das Unternehmen
Seit über einem dreiviertel Jahrhundert beschäftigen wir uns mit den Wünschen der Radsportler. Vom Hobby- bis hin zum Profisportler bieten wir alles, was der engagierte Radsportler sich auf der Straße und im Gelände wünscht – und das zu absoluten Bestpreisen!
Unsere jahrzehntelangen Lieferantenkontakte sowie der Direkteinkauf bei allen führenden Fahrrad-, Teile-, Zubehör- und Bekleidungsherstellern sorgen für ein attraktives und aktuelles Radsport-Sortiment mit echtem Preisvorteil.
Seit den 1960er Jahren unterstützen wir Radsportler aktiv durch Sponsoring vieler Teams, der Rad-Bundesliga wie RC Olympia Dortmund und hochkarätigen Radsport-Veranstaltungen wie „Rund um den Henninger Turm“. Über dreißig Jahre waren wir Partner und Materialsponsor des Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Viele Jahre wurde in der Rad-Bundesliga um den „Brügelmann-Cup“ gefahren – diese Erfahrungen aus dem Profigeschäft geben wir an unsere Kunden auch heute noch weiter.
Eigene Federn machen mehr her
Diese Beschreibung steht dort nach wie vor zu lesen. Was fehlt, ist freilich ein Hinweis darauf, dass das Familienunternehmen mittlerweile nicht mehr in der Hand von Familie Brügelmann ist. Auch suggeriert der Text, dass René Marius Köhler das Sponsoring im Geiste von Manfred Brügelmann weiterführt. Im Pressebereich der internetstores AG ist darüber aber nichts zu finden.
Dagegen hat Köhler jedoch nach eigenen Angaben den Anstoß für ein Spendenprojekt namens „ReCycle“ gegeben – und gemeinsam mit Partnern wie Hermes mehr als 1000 gebrauchte Fahrräder in SOS-Kinderdörfer nach Südafrika geschickt. Ein solches ge-meinnütziges Engagement ließe sich durchaus auch auf der Website von Brügelmann prominent platzieren – wenn man denn wollte.
Glaubwürdig sein
In einer zweiten Forumsdiskussion auf Rennrad-News.de meldet sich Mitte Juli der Shop-Verantwortliche, Alexander Staude, zu Wort. „Ich versuche, mit dem Shop zielgruppengerecht aufzutreten. Mittlerweile haben wir Topmarken an Bord, jedoch fehlen mir ein paar Exoten, das gebe ich zu“, schreibt Staude. „Da wir aufgrund der Übernahme von Neuem anfangen müssen, versuche ich so gut es geht an das
alte Sortiment anzuschließen.“
Daraus lässt sich schließen, dass beim Kauf des Unternehmens nicht alles so glatt gelaufen ist, wie die Website glauben machen will. Hier ist in jedem Fall Vorsicht geboten: Wer Brügelmann googelt, stößt mit der Nase auf diese Einträge – und macht sich seine Gedanken.
Ehrlichkeit ist wichtig, ebenso wie auf die Fragen von Kunden einzugehen und sich in Foren zu Wort zu melden. Es bringt nichts, den Wert einer Marke erhalten zu wollen, indem man so tut, als sei alles beim Alten. Jemand kriegt immer spitz, wenn dem nicht so ist – und findet im Web dankbare Abnehmer für seine Theorie. Hier gilt es, möglichst frühzeitig gegenzusteuern.
Ladezeiten wie in der Internet-Steinzeit
Design und Aufmachung von Brügelmann.de erinnern stark an Fahrrad.de. Farbwahl und Navigation sind freilich angepasst. Im Hintergrund scheint es aber noch ziemlich zu haken: Der Seitenaufbau ist bisweilen unendlich lahm. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden.
Anita Klingler

Ein Text auf Brügelmann.de suggeriert, dass sich das Unternehmen nach wie vor in der Hand der Familie Brügelmann befindet. Es wurde aber Anfang April 2010 von der internetstores AG übernommen.
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