Mut zur Überraschung
09.07.2011
Ein übersichtlich, gut strukturiert und intuitiv gestalteter Webauftritt ist ein guter Anfang. Der nächste Schritt ist, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Dabei helfen große, aussagekräftige Bilder, die unterstreichen, wofür Sie mit Ihrem Shop stehen möchten: Qualität, Service, Lust am Sport. Eine zweite Möglichkeit sind knackige Überschriften und Texte, die nach mehr verlangen: mehr Aufmerksamkeit.
Sport Forster ist ein Familienbetrieb aus München. Der Onlineshop ergänzt zwei Ladengeschäfte in Unterhaching und Grünwald. Geschäftsführer ist Hans Forster, der den Betrieb gemeinsam mit Frau Claudia in zweiter Generation führt. Gegründet wurde die „Hachinger Sportalm“ 1976. 1985 folgte die Eingliederung in den Intersport-Verbund. 1996 gehörte Sport Forster zu den Frühaufstehern im Internet-Geschäft; einen Webshop gibt es allerdings erst seit 2009.
Ton in Ton
Auf den ersten Blick ist klar, dass Sportforster.de zur Intersport-Gruppe gehört: Blau und Weiß dominieren die Website. Die Betreiber haben einen frischen Blauton gewählt, setzen ihn aber sowohl für die Navigation als auch als Schriftfarbe ein. Das geht ein wenig zu Lasten der Lesbarkeit, zudem verliert die Farbe damit an Kraft: Sie hebt nicht mehr hervor, sondern lässt verschwimmen. Mit dem Motto „Viel hilft viel“ ist hier wenig zu holen. Gerade für Artikelbeschreibungen bietet sich etwa das schlichte Anthrazit an, das in der Navigation bei Kontakt und Impressum zum Einsatz kommt.
Bilder sprechen lassen
Mit Symbolbildern gehen die Betreiber sparsam um; einzig die Startseite ziert ein Bergsteiger, der sein Gesicht dem fernen Gipfel zugewendet hat. Auch dieses Foto ist jedoch nicht ganz glücklich gewählt: Der Gesichtsausdruck des Mannes ist nicht zu erkennen, er wirkt weder dynamisch noch glücklich, sondern eher angestrengt. Gerade bei großen Symbolbildern lohnt es sich, auf die Bildaussage zu achten – und sie darauf abzustimmen, was man ausdrücken will. So lässt sich ein Wiedererkennungswert schaffen. Eine funktionierende Navigation ist nämlich nur die halbe Miete.
Sport Forster unterstützt mit einem Spruch: „Wir helfen Ihnen beim Aufstieg“. Dadurch erhält aber das ohnehin statische Bild noch eine leicht beklemmende Note. Mit „Aufstieg“ assoziiert der Leser ja unter Umständen nicht nur den Gipfel, sondern möglicherweise auch das ausbleibende Karrierehoch. Eine spritzigere Formulierung würde die Aussage entschärfen, etwa „Wir bringen Sie schneller ans Ziel“. Oder Sie gehen die Sache mit
Humor an: „Schneller sind Sie mit uns zwar nicht, aber bei allem anderen helfen wir Ihnen gern”.
Bilder vermögen, Nähe zu schaffen und Lust auf Sport zu vermitteln. Bei dem Herrn, der wehmütig gen Gipfel starrt, ist das unglücklicherweise aber nicht der Fall. Achten Sie darauf, welche Stimmung ein Bild bei Ihnen erzeugt und ob diese mit dem über-einstimmt, was Sie ausdrücken möchten. Zwar scheint auf dem von Sport Forster gewählten Foto die Sonne und das Panorama ist ein Hammer, aber es hinterlässt eher den Eindruck: „Puuh, so weit noch.“ Eine nette Sache sind die kleinen Symbole zu den einzelnen Sportarten in der Navigation. Sie dürfen ruhig ein Stück größer ausfallen, sodass sie richtig zur Geltung kommen.
Konkurrenz nicht verschlafen
Eingekauft wird dort, wo Kunden zufrieden sind. Dazu gehört gerade im Online-Geschäft neben Qualität und Preis der Ware auch der Versand. Tendenziell geht der Trend hin zum Gratis-Versand. Amazon, einer der größten Händler im Web, verschickt Bücher grundsätzlich kostenfrei, alles andere ab einem Einkauf von 20 Euro. Sport Forster setzt die Grenze mit 300 Euro eher hoch an. Hier lohnt es sich möglicherweise, nicht nur in der eigenen Kostenrechnung nachzufragen, sondern auch zu recherchieren, welche Angebote die Konkurrenz macht – einfach, um nicht durch den Rost zu fallen.
Aufmerksamkeit ist Trumpf
Zu den einzelnen Sportarten liefert Sport Forster nicht nur Angebote, sondern auch ausgewählte Hintergrundinformationen. Wie auf der Startseite würde sich hier für den Fließtext besagtes Anthrazitgrau anbieten – und die Lesbarkeit verbessern.
Die Texte enthalten Details, die nicht jeder auf Anhieb weiß. Beispielsweise lernt der Kunde, dass Squashbälle professioneller Spieler Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen. Hier können Sie mit einem einfachen Trick auf sich aufmerksam machen.
Aus Studien zum Verhalten von Zeitungslesern und Internetnutzern ist Folgendes bekannt: Der Blick richtet sich als erstes auf Bilder, danach auf die Bildunterschriften, um dann sofort zur Überschrift zu springen. Ist diese dröge, schaffen es die meisten maximal noch bis zum ersten Satz. Sogenannte ReaderScan-Analysen zeigen, dass konkrete Überschriften besser funktionieren als kryptische. Leser kapitulieren aber auch, wenn ihnen ein Autor nicht hilft, das Kopfkino in Gang zu setzen. Solche Erkenntnisse können Sie ruhig für sich nutzen.
Bei der Überschrift „Weitere Informationen – Tischtennis-Tische und Tischtennis-Schläger“ schlafen einem spontan die Füße ein. Machen Sie die Schrift einen Stück größer und schreiben stattdessen etwas weniger Alltägliches in der Art „Wie der Tisch zum Tennis kam“, ist Ihnen ein Aha-Effekt sicher. Sie haben schließlich im Gegensatz zur Tageszeitung den Vorteil, dass Ihre Besucher nach etwas Bestimmtem suchen und wissen, was Ihnen am Herzen liegt: der Sport. Die Leserforschung hat auch gezeigt, dass Anführungszeichen mitten im Satz ein Wort unfreiwillig ironisch wirken lassen. Ein Beispiel von Sport Forster: Für den „trockenen Sommerspaß” runden wir unser Angebot mit einer umfangreichen Auswahl an Freizeitspielen ab, angefangen von der Frisbee bis hin zum Gibbon-Balancegerät, garantiert ein „Renner” für Jung und Älter.
Die Betonung durch die Anführungszeichen braucht es nicht. Jeder versteht das Wortspiel mit dem trockenen Sommerspaß im Vergleich zum nassen. Und was im übertragenen Sinne ein Renner ist, dürfte ebenfalls jedem klar sein. Hier bietet sich an, das Wortspiel weiter zu treiben, etwa „Auch wenn man auf dem Trockenen sitzt, lässt sich eine Menge Spaß haben. Dafür bieten wir eine große Auswahl an Freizeitspielen, von Frisbees bis zum Balancegerät.“
Anita Klingler

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