Leicht unterkühlte Eleganz
04.11.2011
Manche gehen weite Wege, um ihre Marke zu schützen. Apple hat etwa kürzlich Klage gegen ein Bonner Café mit Apfellogo eingereicht. Auch ein ausgetüfteltes Design erhöht den Wert einer Marke. Dabei ist aber nicht nur auf hübsches Aussehen zu achten, sondern auch auf die Zielgruppe, die angesprochen werden soll. Bei Karstadt Sports sind das eindeutig – Männer.
Karstadt hat einen eigenen Sport-Webshop gestartet. Er ist unter www.karstadt.de/sport sowie karstadtsports.de zu finden und bietet sowohl Ausrüstung als auch Bekleidung für diverse Sportarten, darunter Fußball, Golf, Rad- und Wintersport oder auch Yoga und Pilates.
Michael Melzer, der Karstadt.de verantwortet, verwies kürzlich im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) darauf, dass Sport für sein Unternehmen ein Wachstumsmarkt sei. Im September hatte in Mainz eine neue Karstadt-Sports-Filiale ihre Pforten geöffnet; für 2012 sind demnach zwei weitere geplant, eine davon in Berlin-Steglitz.
Künftig will der Händler zudem auf Mobile setzen: Eine iOS-App für seinen Sportshop ist schon jetzt verfügbar. „Wir werden für den Kunden überall erreichbar sein, um in jeder Situation Beratung, neueste Produkt-angebote, Aktionen, Events und alle Informationen rund um unsere Filialen zur Verfügung stellen zu können“, sagte Online-Chef Melzer der WAZ.
Kühl statt bunt
Das Logo von Karstadt Sports ist in Rot und Blau gehalten. Die Website greift insgesamt den Karstadt-typischen Blau-ton auf, was sogar in den Symbol-bildern auf der Startseite zum Tragen kommt. Auch hier dominieren Fotos in kühlen Blau- und Grautönen mit wenigen Farbtupfern. Darüber ist eine Grafik gelegt, die einen einzelnen Herzschlag darstellt. Die bevorzugte Deutung bleibt offen: Vielleicht „Wir sind am Puls der Zeit“ oder „Sport bedeutet Leben“? Hier ist es freilich Geschmackssache der Betreiber, ob sie eine Interpretation vorgeben möchten oder es lieber dem Kunden überlassen, was er herauslesen will.
Insgesamt macht der Online-Auftritt von Karstadt Sports einen leicht kargen Eindruck. Zudem scheint die Website – absichtlich oder nicht – eindeutig auf ein männliches Publikum zugeschnitten. Darauf deutet nicht nur die Farbwahl hin, sondern auch die Auswahl der Symbolbilder sowie der beworbenen Produkte.
Nutzer immer wieder klar führen
Auf der Startseite informiert ein Karussell über ausgewählte Kategorien. Hier wird zwischen Outdoor und Outdoor-Special unterschieden; die Links verweisen auch auf verschiedene Seiten. Es bleibt die Frage: warum?
Nutzer sollen sich auf einer Shop-Website möglichst mühelos zurechtfinden. Wenn Sie ein Special machen, ist das freilich völlig in Ordnung. Für den Anwender sollte aber klar ersichtlich sein, was Sie damit bezwecken und wo er sich gerade befindet. Ein Webshop ist kein Ratespiel, bei dem es dem Erlebnis zuträglich ist, wenn man nicht weiß, wohin welche Tür führt.
Auf der Startseite führt Karstadt Sports neben den – derzeit – fünf vorgestellten Kategorien auch auf, wie viele Produkte jeweils zur Verfügung stehen. Bei Running sind es aktuell 515, bei Fitness & Training 1473. Auch innerhalb der einzelnen Kategorien, werden die Zahlen angezeigt. Das mag zwar ein nettes Detail sein, bringt aber wenig Mehrwert. Viel wichtiger als zu wissen, wie viele Angebote eine Kategorie umfasst, ist zu wissen, welche Artikel einen erwarten.
Kundenbindung mit Tricks
Karstadt versucht seine Nutzer mit einem Angebot der Woche zu ködern. Zudem bietet es jedem einen Gutschein in Höhe von zehn Euro, der den News-letter abonniert. „Echte News für echte Sportler“ verspricht dieser, liefert bei genauerem Hinsehen aber ganz klassisch „besondere Angebote, Aktionen und Sonderverkäufe Online und in Ihrer Filiale“.
Schon auf der Startseite fällt ein praktisches Helferlein auf: der Filialfinder. Karstadt Sports bietet Online nicht das gesamte Sortiment an und verweist auf der Website häufig auf den Katalog. Wer Online nur stöbern möchte und lieber im Laden einkauft, findet so mit Hilfe seiner Postleitzahl die nächstgelegene Filiale.
Anita Klingler

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