Hanwag

Woolworth will mit Jump & Run Sport dauerhaft integrieren

Frankfurt. Im letzten Jahr stand die Billigkette Woolworth noch kurz vor der Pleite.

Mit dem Sportkonzept „Jump & Run" werden seit Herbst 2009 immer mehr Marken-Sportartikel zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen. Renommierte Hersteller wie Puma, Nike oder Asics dementieren eine Zusammenarbeit. Woolworth selbst verweist auf seinen Lieferanten Sports Concept (Oberhausen). Von wem hat der die Ware her?

 

„Wir wollen mit unserem neuen Konzept ein ganz neues Kundenklientel anziehen", meint Pietro Nuvoloni, Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Herman. Ein Kernbestandteil der Vorwärtsstrategie sei das neue Sport-Flächenkonzept „Jump & Run“, das letzten Herbst in 56 von 161 so genannten „Fortführfilialen“ umgesetzt wurde. Welches der „fortgeführten“ Woolworth-Geschäfte mit Sportartikeln ausgestattet wird, war laut Nuvoloni vor allem eine Frage des Platzes. „Die Woolworth-Filialen haben eine Fläche von 1000 bis 1700 qm“, so der Pressemann. Die Verkaufsflächen, in denen Sportartikel zum Billigpreis angeboten werden, kämen „on top“. Aufgrund der räumlichen Begrenzung sei eine Ausweitung des Sport-Flächenkonzepts auf alle Filialen nicht ohne weiteres möglich und daher auch nicht geplant. „Wir werden das bestehende Sortiment nicht aufgrund des Sport-Flächenkonzepts verkleinern“, so Nuvoloni. Die Restrukturierung zum „Familien-Discounter“ und die damit einhergehende Modernisierung sei inzwischen in allen Filialen abgeschlossen, resümiert der Pressesprecher den aktuellen Stand. Die neue Strategie des Discounters scheint sich auszuzahlen. Der Verkauf von Markensportartikeln habe die Attraktivität von Woolworth deutlich erhöht, glaubt der Sprecher des Insolvenzverwalters. „Wir konnten mit der Aktion unsere Umsätze deutlich steigern.“ Genaue Zahlen will Nuvoloni nicht herausgeben solange das Insolvenzverfahren läuft. Nur so viel könne er zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Woolworth entwickele sich positiv. „Für 2010 erwarten wir ein ansehnliches Ergebnis mit guter Rendite", verrät der Unternehmenssprecher gegenüber sportFACHHANDEL.

Nicht nur eine Herbstaktion
Die Idee, Sportartikel bei einem branchenfremden Discounter zu vertreiben, sei grundsätzlich nichts Neues, weiß Nuvoloni. Im Unterschied zu
anderen Discount-Anbietern wie Aldi, Lidl und Co. setze Woolworth allerdings erstmals auf ein permanentes Sport-Flächenkonzept. „Jump & Run“ sei eben „keine Herbstaktion", betont Nuvoloni, sondern integriere sich dauerhaft und vollständig in das Verkaufskonzept der betreffenden Häuser. Im Gegensatz zum klassischen Shop-in-Shop System verkauft der Billiganbieter die Artikel mit eigenem Personal an der eigenen Ladenkasse. Auf einer farblich differenzierten Verkaufsfläche bietet der Discounter teilweise massiv Sportmarken (darunter Nike, Adidas, Reebok oder Puma) zu Tief-Preisen an. „Bei uns bekommt der Kunde bewährte Marken um 40 bis 60% günstiger", so Heinz Thünemann, Geschäftsführer der neu gegründeten Deutschen Woolworth GmbH (Frankfurt am Main). Die Produktpalette umfasse zu 60% Textilien und zu 40% Sportschuhe. Daneben sind auch Bälle, Tennisschläger oder Taschen bei „Jump & Run" erhältlich. Beim Kunden scheinen die Dumping-Angebote gut anzukommen: „Unsere Umsätze zeigen deutlich, dass das Interesse steigt, sobald wir einen Markenschuh 60% günstiger ins Regal stellen“, erklärt der Pressesprecher.

„Wir verkaufen nur Originalware"
Die Herkunft der Sportartikel habe bei Herstellern mehrfach Irritationen ausgelöst, bekennt Pietro Nuvoloni. Doch der Insolvenz-Sprecher versichert: „Wir verkaufen nur Originalware.“ Dies sei vertraglich mit dem Lieferanten der Waren festgelegt, daran gebe es nichts zu rütteln. Natürlich handele es sich bei den Woolworth-Produkten nicht um die allerneuesten Produkte, räumt der Pressesprecher ein. Für viele seiner Kunden mache das aber keinen Unterschied. „Ein Läufer, der einen hohen Verschleiß an Sportausrüstung hat, ist dankbar, wenn er gute Qualität günstig kaufen kann.“ Unter dem Strich sei das Produkt nicht automatisch schlechter, nur weil es einen Stempel aus dem Vorjahr trägt, argumentiert Nuvoloni. Er dementiert eine direkte Kooperation mit den Herstellern.
 
Woher kommt die Ware?
Der Wühltisch-Spezialist setzt nach eigenen Angaben auf Qualität und profitiert vom renommierten Markenimage der Hersteller. Diese ärgern sich da-
rüber und versichern unisono: „Wir arbeiten mit Woolworth nicht zusammen.“ Wo die Produkte herkommen, interessiert den Billiganbieter nicht. „Wir wissen selbst nicht, woher die Sachen stammen“, so Nuvoloni. Die Verantwortung für Einkauf und Warensteuerung liege allein beim Lieferanten. „Das ist vertraglich geregelt und geht uns nichts an.“ Auch im Laden selbst distanziert sich Woolworth lieber von den Marken und verteidigt die Billipreise: Die Ware wird mit dem Hinweis deklariert: „Unverbindliche Preisempfehlung unseres Lieferanten“. Um das Markenangebot im „Jump & Run“-Bereich dauerhaft gewährleisten zu können, bindet sich Woolworth per Exklusiv-Vertrag an das Logistikunternehmen Sports-Concept GmbH (Oberhausen). Geschäftsführer Hartmut Bischofs war auch auf mehrfaches Nachfragen nicht erreichbar und gab keine Auskünfte zur Herkunft und Preisgestaltung. „Das ist deren Geschäftsgeheimnis“, kommentiert Pietro Nuvoloni und fügt geheimnisvoll hinzu: „Wenn Sie heute Produkte von Puma kaufen, brauchen Sie diese nicht unbedingt in Deutschland zu beziehen.“ Die Etikettierung auf den Produkten weist zumindest auf Querverbindungen aus Italien hin, die offenbar wieder zurück nach Deutschland importiert werden.   rf

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