„Wir kaufen in Europa ein, die Kunden zahlen in Forinth und die Miete begleichen wir in Euro“
25.02.2010
Ungarn hat die Wirtschaftskrise am stärksten getroffen. Österreichische Sportartikelhändler vor Ort berichten von Wechselkursschwankungen von 30% im Geschäftsjahr 2008/09.
Die Sport Pilz GesmbH (Gleisdorf) bewirtschaftet acht Intersport-Standorte in Süd-, Ost- und Weststeiermark sowie einen in Kärnten (Wolfsberg). Das Unternehmen in Ungarn ist über eine Tochtergesellschaft in Form einer KFD (ungarische Unternehmensform, vergleichbar mit GesmbH) realisiert. Bernhard Pilz agiert mit einem Geschäftspartner. Die Standorte in Zala Egerszeg, in Nagy Kanisza und Somlathely werden je von einem Geschäftsführer aus österreichischen Filialen geführt.
sportFACHHANDEL: Was waren die Konsequenzen der Wechselkursschwankungen?
Bernhard Pilz: Wir kaufen in Europa ein, die Kunden zahlen in Forinth und die Miete begleichen wir in Euro. Das war der Hammer. Normal hebt man in dieser Situation die Verkaufspreise an. Durch die sinkende Kaufkraft war das nicht möglich. Dadurch sind wir unter Druck geraten, die Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. Seit September 2009 hat sich die Lage stabilisiert. Wir sind planmäßig unterwegs. Aber das wird auch noch nicht zu einem positiven Ergebnis führen.
Wie zeigt sich die Wettbewerbssituation in Ungarn? Es herrscht Verdrängungswettbewerb. Kleine lokale Händler sperren zu, Decathlon expandiert. Erst war nur Budapest davon betroffen. Vor drei Jahren begann Decathlon dann auch die Bezirkshauptstädte zu besetzen. Hervis macht das Gleiche, hat mehr Stand-orte, liegt aber im Umsatz deutlich unter Decathlon. Decathlon realisiert derzeit ein zweites Konzept mit einem kleineren Shop-Format und nutzt dabei die günstigen Konditionen in der Krise.
Wie steht es um die Verteilung der Kaufkraft? Die Einwohnerzahlen sind auf die Ballungsgebiete konzentriert. Ein Relikt aus der sozialistischen Kultur. Dadurch ist Ungarn nicht so zersiedelt wie Österreich. Die höchste Konzentration findet im großen Ballungsgebiet um Budapest statt. In der an die Steiermark angrenzenden Region ist die Kaufkraft relativ niedrig.
Wie begegnen Sie der schwachen Kaufkraft? Im Sortiment versuchen wir einen höheren Anteil an Aktionen zu fahren. Weil sich die Kunden die regulären Preise nicht leisten können. Über die Kundenkarte versuchen wir den Aufbau von Netzwerken – dazu zählt die Zusammenarbeit mit Vereinen. Wir haben in Ungarn geschafft, mehr Leute per E-Mail zu erreichen als in Österreich.
Was sind Ihre Schwerpunkte im Sortiment? Wir setzen auf Rad und Schuhe aller Art, d.h. für Sport, Freizeit und Wandern. Die Bereitschaft, Schuhe im Sportfachhandel zu kaufen, ist ausgeprägt. Außerdem Teamsport, Freizeit, Bekleidung, Badeartikel sowie Hallensport im Winter. Wir führen in Ungarn auch Ski – das Segment hat sich allerdings als nicht krisenresistent erwiesen. Die Umsätze waren zuletzt rückläufig.
Gibt es denn länderübergreifend Synergie-Effekte im Einkauf? Für sämtliche Intersport-Standorte in Ungarn wird der Einkauf zentral geregelt. Wir sind Franchisenehmer. Der Empfänger der Ware kann das Sortiment zu 20% über die eigenen Stärken mitbestimmen. Das funktioniert immer besser. Am Anfang haben wir Lehrgeld mit Markenpräferenzen und Sortimentsgewichtung gezahlt.
Das Interview führte Hildegard Suntinger
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