Hanwag

Vom Arbeitssuchenden zum Geschäftsinhaber

Erkrath. Was André Stadler zu berichten hat, hört sich fast wie ein modernes Märchen an: Nachdem das Hertie-Kaufhaus in seiner Heimatstadt schloss, verlor der 41-Jährige seine Arbeit in der Sportabteilung.

Dabei hatte der begeisterte Fußballer sein ganzes Berufsleben im Einzelhandel gearbeitet, bevorzugt im Sportbereich. Stadler versandte erfolglos zahlreiche Bewerbungen. Doch der ehrenamtliche Trainer der U13-Mädchen-Nationalmannschaft im Fußball gab nicht auf. Weder unangenehme Bankgespräche noch eine Baustelle vor seinem zukünftigen Ladenlokal brachten ihn von seiner Idee ab: Die berufliche Selbständigkeit im Sporthandel. In diesem Frühjahr war es soweit. Er eröffnete sein eigenes Sportgeschäft in Erkrath. sportFACHHANDEL sprach mit dem mutigen Neugründer.

 

sportFACHHANDEL: Wie groß ist Ihr Geschäft und was führen Sie im Sortiment?
André Stadler: Das Geschäft ist 55 qm groß. Schwerpunkt ist der Bereich Fußball bzw. Teamsport. Dieses Segment macht etwa 50 – 60% des Sortiments aus. Zudem führen wir Tischtennis, Badminton, Bademoden, Running-Bekleidung, Fanartikel und zukünftig Gymnastik sowie Tanz-
bedarf für Kinder. Der Fanartikel-Bereich wird weiter ausgebaut. Zurzeit beinhaltet dieser die Vereine Fortuna Düsseldorf, Bayern München und Borussia Dortmund.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Geschäftsverlauf? Trotz der riesigen Baustelle vor dem Geschäft und einem harten, langen Winter kann man von einem erfolgreichen Start sprechen. Das heißt, wir sind nicht unzufrieden

Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem Sie beschlossen haben, sich selbständig zu machen? Nach 22 Jahren bei Karstadt und Hertie traf uns die Insolvenz des Unternehmens Hertie mit voller Wucht. Nach vielen erfolglosen Bewerbungen stand der Entschluss recht schnell fest, sich selbständig zu machen.

Wie reagierte Ihre Familie und Ihr Freundeskreis auf den Plan, ein eigenes Sportgeschäft zu eröffnen? Alle reagierten sehr positiv und unterstützten unser Vorhaben. Ohne die Unterstützung der Familie und unserer Freunde wäre dies nicht möglich gewesen.

Welche Hindernisse mussten Sie vor Ihrem Geschäftsstart überwinden? Es gibt so viele Hindernisse, die es zu bewältigen gab. Man darf sich bei allem, was auf einen zukommt, nur nicht von seinem Weg abbringen lassen.

Wie bereiteten Sie sich auf die Selbständigkeit vor, wer half Ihnen dabei? Nach drei Monaten Vorbereitungszeit war es so weit, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Hilfe gab es vom Fachanwalt, Steuerberater der IHK, Handwerkskammer und vom Bund. Sinnvoll waren Gründerseminare, Fachliteratur und natürlich der Informationsaustausch mit schon erfolgreichen Händlern.

Woher bekamen Sie das Startkapital für ihr neues Geschäft? Durch Eigenkapital und aus der Familie.

War es schwer, das Geld zu organisieren? Jein! Natürlich musste auch die Familie überzeugt werden. Die Gespräche liefen aber viel harmonischer als die vorherigen Bankgespräche.

Existenzgründer gehen oft große Risiken ein. Was taten Sie, um die wirtschaftlichen Risiken so gering wie möglich zu halten? Der Businessplan ist ein wichtiges Planungsinstrument. Am besten ist es, zusammen mit einem Steuerberater oder der IHK zu planen. Allerdings gibt es keine Garantie, wie die Lage in zwei bis drei Jahren aussieht.

Wer hilft Ihnen im Geschäft und erledigt die Büroarbeit?
Meine Frau Susanne hilft mir und wir erledigen auch zusammen die Büroarbeit.

Wie gehen Sie mit der veränderten Situation um, jetzt ihr eigener Chef zu sein? Es hat sich nicht viel verändert. Die Verantwortung ist größer als vorher und es gibt keine geregelten Arbeitszeiten mehr. Aber dafür bin ich eben Chef. Einkauf, Lagerung, Verkauf und Marketing – alles läuft jetzt in eigener Regie. Das ist super und macht außerdem noch Spaß.

Was sind Ihre geschäftlichen Ziele? Wir möchten wirtschaftlich auf gesunden Beinen stehen. Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft soll mindestens ins Viertelfinale der WM kommen!

Haben Sie noch Zeit für die Betreuung des U13-Mädchenteams? Das ist für mich eine Herzensangelegenheit, dieses super Team weiter trainieren zu dürfen. Meine Frau wird mich zukünftig noch mehr unterstützen, so dass ich auch wieder mehr Zeit für die Mannschaft haben werde. Zum
Glück habe ich einen super Trainerkollegen, der die Mannschaft auf Kurs bringt.

Vielen Dank und viel Erfolg!

Das Interview führte Ulrich Wittmann







 

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