Snowboard-Handel zwischen Szene- und Massenware
04.02.2010
Freiburg. Mainstream oder Core? In der Snowboard-Branche spitzt sich speziell für vermeintlich kleine Händler diese Frage zu.
Im Gespräch mit sportFACHHANDEL erklärt Florian Bechert, seit 1994 in der Branche und seit 2005 Geschäftsführer des Szeneladens Boardshop (700 qm) in Freiburg, was zu tun ist, damit das Business Spaß macht, wie wichtig die Community ist und wie man sich als Boarder auch im Internet erfolgreich schlägt.
sportFACHHANDEL Herr Bechert, seit wann gibt es den Trendladen und wie packen Sie das Business an?
Florian Bechert. Wir sind 2005 an den Start gegangen und haben seitdem versucht, auch eine Community über das Magazin Boardmag.com aufzubauen. Wir decken als Board-Core-Laden sowohl das Snowboard-Geschäft als auch das Skateboard-Business ab. Wir sind im Hardware-Bereich „Core“ und ansonsten „Mainstream“ mit Surf-Marken, die zum Core-Shop passen. Das reine Hardcore-Segment ist natürlich vorhanden, aber nicht zu groß angesiedelt. Wir müssen ja auch Geld verdienen. Nur mit Hardcore verdient man halt immer weniger, weil dort teilweise nur sehr bescheidene Spannen realisiert werden können. Das gilt für Snow-boards und Skateboards. Bei einem Highend-Brett von einer Core-Marke für 550 EUR, das ich für 350 EUR einkaufe, bleibt kaum etwas übrig. Realistischerweise muss man sehen, dass wir die meisten Sachen im Highend-Bereich nur reduziert verkaufen. Das ist leider gang und gäbe, weil der Konkurrenzdruck immens groß ist. In jeder Stadt fangen in der Regel Verbandshändler schnell mit Rabatten von 10 bis 15% an, dann gibt es noch Jubiläumsaktionen und so weiter.
Wie reagieren Sie? Auch bei uns gibt es einen starken Verbandshändler mitten in der Stadt, der viel im Bereich Snowboard macht und schon ab Oktober oder spätestens ab Mitte November Preisaktionen startet. Da muss man wohl oder übel mitgehen. Hinzu kommt: Wir befinden uns in der Sport-Arena von Kaufhof im Basement, wo wir das komplette Snowboard-Segment übernehmen, während in der oberen Etage das Thema Ski abgedeckt wird. Dort sind wir manchmal, vor allem jedoch die anderen großen Verbands-Händler in der Stadt, von massiven Preisaktionen seitens der Kaufhof-Mutter Metro betroffen. So schaukelt sich das hoch, weil sich die Großen bekämpfen.
Als Einzelhändler kämpfen wir ständig damit, wie das Sortiment am besten aufgebaut sein sollte, damit wir noch etwas verdienen und überleben. Den Core-Bereich brauchen wir auf jeden Fall, denn sonst würden wir auch von den Mainstream-Marken kaum mehr etwas verkaufen, weil das Publikum schlicht nicht da ist. Aber mit sieben bis acht Marken im Highend-Segment kommen wir gut aus und sind voll und ganz zufrieden, auch wenn wir von zwei Marken geblockt werden, weil diese nur an den Intersportler in der Stadt liefern.
Das klingt nach harter Realität im Snowboardgeschäft. Richtig. So beißt sich die Katze in den Schwanz, weil man mit den normalpreisigen Boards, die zum Saisonstart angeboten werden, letztendlich nichts verdient. Die müssen halt doch reduziert verkauft werden. Zum Schluss sind es wieder die Schnäppchen, die man günstig einkauft, an denen man etwas verdienen kann.
Sie sind doch auch Sport-2000-Mitglied. Ist das ein Muss? Wir sehen schon die Vorteile durch den Verband, weil dieser gebündelt und günstiger einkauft. Für uns lohnt es aber nicht nur deswegen, sondern auch weil es keine Sortimentsvorgaben gibt, wie etwa bei einem anderen Verband. Das ist uns als Core-Shop sehr wichtig. Man muss aber auch gestehen, dass man wohl ohne Verband in der gegenwärtigen Situation kaum profitabel arbeiten kann. Das muss man knallhart sagen.
Der Verband als Retter. Wie stark verlassen Sie sich darauf? Fast 60 bis 70% unserer Lieferanten sind bei der Sport 2000 gelistet und darüber können wir eben günstiger einkaufen.
Die restlichen Prozent suchen Sie sich selber aus?
So ist es. Es gibt immer noch kleinere Trend-Marken oder Image-Marken, die man günstig einkaufen kann. Ich muss auch sagen: Ohne Eigenmarken, die auch wir im Snowboard- und Skateboard-Sektor anbieten, sowie ohne Verbandsangebote oder Schnäppchen ist das wirtschaftliche Arbeiten deutlich erschwert.
Wie laufen die Geschäfte bis jetzt?
Im Snowboard-Bereich werden wir in dieser Saison an die 1300 Bretter verkaufen. Wenn die Zahlen stimmen im Markt, dann hätten wir ca. zwei Prozent des Marktes, obwohl wir nur ein kleiner Laden in Freiburg sind. Also lohnt es sich aus dieser Perspektive schon. Die Hälfte davon verkaufen wir über das Internet. Die Tendenz hier ist extrem steigend. In diesem Jahr werden wir wohl gut 30% unseres Umsatzes über das
Online-Geschäft machen.
Existierte der Internetshop bereits zum Start des stationären Geschäfts? Nein, den haben wir erst später eröffnet und es gab auch mehrere Umstrukturierungen. Die Idee war allerdings von Anfang an da, als wir zudem das Print-Magazin aufgebaut haben. Inzwischen jedoch sind Online-Shop und BoardMag ganz bewusst getrennt. Der Internet-Shop läuft ganz alleine und selbstständig.
Gibt es on- und offline unterschiedliche Kunden? Gehen Käufer im Geschäft verloren, die lieber im Internet einkaufen wollen? Wir besitzen einen sehr guten regionalen Bekanntheitsgrad. Und wir bemerken vor allem auch, dass sich Kunden im Internet vorinformieren und dann in den
Laden kommen und ein bestimmtes Brett haben möchten. Daher bietet es sich an, im Internet auch die gleichen Produkte wie im Geschäft anzubieten. Momentan dient unser Laden zudem noch als Webshop-Lager. Wir arbeiten bewusst nicht mit unterschiedlichen Lagern, um schneller reagieren zu können.
Ist eure Verkaufssituation in puncto Marken, Spannenproblematik und Core- bzw. Mainstream-Angeboten symptomatisch für die Marktsituation insgesamt? Es gibt immer ein paar Verbohrte, die nur auf günstig setzen und den Markt kaputtmachen. Das machen schließlich die Großen vor, die man auch immer wieder kritisieren sollte. Das betrifft allerdings nur das Hardware-Segment. Im Software-Bereich, bei Textilien etwa, ist das eine ganz andere Geschichte. Da muss man die Zielgruppe kennen und richtig bedienen. Denn nur so lässt sich auch eine Jacke für 500 EUR verkaufen. Das ist sicher kein Massenprodukt. Und wenn die Jacke imagemäßig passt, wird sie auch zur vollen Spanne verkauft. Zum Glück bedienen wir diese Zielgruppe auch.
Das hört sich nach einem Spagat zwischen Massenbusiness und High-end-Geschäft an? Wir sind und wollen ein typischer Core-Shop sein und verfügen über die entsprechenden Marken. Aber wir gehen auch den anderen Weg und sprechen mit Frauen und Fashion ein breiteres
Publikum an. Auf der anderen Seite führen wir Marken und spezielle Boards im Rocker-Sektor, die seit einiger Zeit immer mehr im Kommen sind. Daher liegen wir voll im Trend.
Macht das die Glaubwürdigkeit aus?
Wichtig ist die Mischung. Das macht es aus. Einige Marken haben von früher noch Core-Image, sind aber längst Mainstream geworden. Dazu zählt meiner Meinung nach sicherlich Burton. Andere Anbieter haben sich oft durch Zukäufe noch ein Core-Image geschaffen, das aber glaubwürdig ist. Die Übergänge sind meist fließend.
Werden Snowboards besser im Set oder einzeln verkauft? Das kommt auf das Segment an. Bei einem Set für 199 EUR mit Board, Bindung, Boot lässt sich auch noch verdienen.
Da stören auch die Conrads und Bittls nicht? Die sind uns egal, damit haben wir keine Probleme. Auch wenn wir nur ein kleiner Laden sind. Wir haben auch unsere guten Kontakte, die auch auf Sport 2000 zurückgehen. Wir verkaufen alleine von unserer Skateboard-Eigenmarke bundesweit über 1800 Decks. Und es ist nicht so, dass wir nicht wissen, wo wir einkaufen. Auch im Snowboard-Bereich verkaufen wir unsere Eigenmarke gut. Zusätzlich spielen eben Auslaufboards eine wichtige Rolle. Trotzdem: Wir verkaufen natürlich auch reguläre Ware, am besten um 350 EUR. Das funktioniert meistens bei den Damen über das Design und geht weniger über Technik.
Das Interview führte Ramona Fischer.



