Es darf nicht sein – in Traunstein
25.03.2010
Traunstein. Am 31. März geht’s zu Ende. Das Sporthaus Bogner am Maxplatz in Traunstein schließt für immer. Gegründet wurde das Unternehmen bereits am 1. Mai 1928 von Ludwig „Luck“ Bogner.
Er war der ältere Bruder von Willy, einem erfolgreichen Wintersportler und dem späteren Vater des gleichnamigen Film-Pioniers und Machers der Bogner-Marke. Aus Skandinavien importiere das Unternehmen in seinen Anfängen Pullover, Anoraks und stattete Ski mit Rennkanten aus. Viele Jahre war der Vollsortimenter ein fester Anlaufpunkt für alle sportlich Aktiven in Traunstein und Umgebung. Warum nach 82 Jahren das Aus für Sport Bogner kam, versuchte sportFACHHANDEL, im Gespräch mit Geschäftsführer Nicol Bogner zu erfahren.
sportFACHHANDEL: Herr Bogner, wann haben Sie begonnen, sich mit Sportartikeln zu beschäftigen?
Nicol Bogner: 1928 gründete mein Großvater Luck Bogner das Sportgeschäft. 1970 übernahm meine Mutter den Betrieb, zog an den jetzigen Stand-ort am Maxplatz und vergrößerte die Ladenfläche auf die heutige Größe. 1988 begann ich eine Berufsausbildung im Betrieb meiner Eltern und zum
1. Januar 2000 übernahm ich die Geschäftsführung der Sport Bogner KG.
Wie viele Quadratmeter und Mitarbeiter hatte Ihr Geschäft in Traunstein? Unsere Verkaufsfläche betrug 260 Quadratmeter mit fünf Verkäuferinnen.
Haben Sie für ihre berufliche Zukunft einen Alternativplan? Wollen Sie weiterhin in der Sportartikelbranche bleiben? Ich habe bereits vorgefühlt und werde dem modischen Sporthandel auf jeden Fall treu bleiben.
Was waren Ihre Gründe, für immer das Sportgeschäft Bogner zu schließen? Dafür gibt es mehrere Gründe. Von der Rechtsform her sind wir eine Kommanditgesellschaft. Meine Mutter, die Teilhaberin von Sport Bogner war, hatte gerade ihren 65. Geburtstag und wollte aus dem aktiven Geschäfts-
leben in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Ein weiterer Grund war unsere Sortiments-Umgestaltung. Wir wollten weg vom Vollsortimenter und uns mehr der Mode im Sport zuwenden. Dazu wäre es nötig gewesen, die Räumlichkeiten zu sanieren, um unserem hochwertigen Sortiment Rechnung zu tragen. Hier hielt sich unser Vermieter sehr zurück. Leider ging der Hauseigentümer weniger auf meine Sanierungsvorschläge ein, und um neue Räumlichkeiten für unser Geschäft zu finden, fehlte die Zeit. Ein weiteres Problem entstand durch die Banken: Den Ausstieg meiner Mutter nahmen die Banken zum Anlass, das Engagement neu zu verhandeln.
War die Preistreiberei der Wettbewerber ein Grund für die Geschäftsaufgabe? Wir haben mit Sport Praxenthaler einen Mitbewerber vor Ort, der preistechnisch nicht zu den Zurückhaltenden gehört. Dadurch waren wir gezwungen, einige Preisaktionen mitzumachen, die wir unter normalen Umständen nicht getätigt hätten. Mit dem zusätzlichen Umsatz konnten wir fehlende Margen derartiger Aktionen kompensieren. Die Preistreiberei im Internet gehört mittlerweile zum Sporthandel. Wir verkauften unsere Ski zu Internet-Preisen. Seitdem wir wöchentlich die Skipreise aktualisierten, hatten wir wieder gute Umsätze in diesem Bereich.
In Traunstein schlossen noch weitere Geschäfte in der Innenstadt. Ist die City-Lage auch ein Grund gewesen, sich aus dem Sporthandel zurück zu ziehen? Unsere innerstädtische Lage war weniger von Bedeutung. Wenn ich als Sporthändler an den Ortsrand mit meinem Geschäft umziehen würde, müsste ich richtig klotzen. Unter 1500 qm braucht man kein Sportgeschäft eröffnen. Grundsätzlich ist es schwer zu beurteilen, ob die Geschäfte in der Peripherie oder in der Innenstadt besser laufen. Ich bin und bleibe ein Anhänger der Innenstadt.
Waren fehlende Parkplätze für Ihre Kunden ein Problem? In wohl jeder Innenstadt müssen die Kunden nach freien Parkplätzen suchen. Grundsätzlich erwartet die Kundschaft, möglichst nah vor den Geschäften parken zu können. Es gibt Zeiten, da findet man keinen freien Parkplatz, und an anderen Tagen hingegen sind viele Parkmöglichkeiten frei. Ein Parkhaus in Traunstein wird leider sehr wenig angenommen und steht die meiste Zeit leer. Mittlerweile sind viele Kunden es gewohnt, länger nach einem Parkplatz in der Innenstadt zu suchen. Die Parkplatzsituation in Traunstein war für unseren Entschluss nicht Ausschlag gebend.
Wie reagierten ihre Kunden auf die Schließung von Sport Bogner? Sehr viele unserer Stammkunden sagten, dass sie traurig darüber sind und nicht wissen, wo sie zukünftig einkaufen wollen. Durch unser Sortiment versuchten wir immer, unseren Kunden etwas Besonderes zu bieten, wie beispielsweise Produkte von Fire&Ice, Peak Performance und Maloja.
Rückblickend: Was hat sich in den letzten Jahren am meisten im Sportfachhandel verändert? Die ganze Branche ist schnelllebiger geworden. Sehr viele Veränderungen, vor allem im Hartwarenbereich, kamen durch das Internet. Alles, was der Kunden nicht anprobieren muss, ist ideal, um über das Internet verkauft zu werden. Die Konsumenten erkundigen sich im Internet, wo sie die Ware am billigsten bekommen.
Mit Nicol Bogner sprach Ulrich Wittmann.
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