Die Nase voll von Rüsselsheim
25.03.2010
Griesheim. Mitte Februar schloss Intersport Ebli seine Filiale in Rüsselsheim.
Zehn Monate zuvor hatte der erfahrene Griesheimer Händler in einem ehemaligen Kaufhaus ein Sportgeschäft eröffnet. Früh zeichnete sich für den Betreiber ab, dass in der 59.000 Einwohner zählenden Stadt eine vernünftige Rentabilität nur schwer zu erzielen ist. sportFACHHANDEL sprach mit demGeschäftsführer Martin Ebli (70) über seine Erfahrungen und über den Ausschlag zum geordneten Rückzug aus der Opel-Stadt.
sportFACHHANDEL: Herr Ebli, mit welchem Plan sind Sie in Rüsselsheim angetreten?
Martin Ebli: Da bekannt ist, dass Rüsselsheim eine hohe Migrationsquote hat und kein Sportfachhandel vor Ort ist, nahmen wir Verbindung mit der dortigen städtischen Wirtschaftsförderung auf. Wir wollten testen, ob Rüsselsheim sich als Standort für eine Filiale von uns eignet. Zunächst starteten wir mit einer Art Lagerverkauf. Bald mussten wir aber feststellen, dass die Kaufkraft vor Ort zu gering ist und nur Billigprodukte nachgefragt werden.
Wie setzte sich das Sortiment in Ihrer Rüsselsheimer Filiale zusammen? Schuhe und Sportbekleidung, in erster Linie reduzierte Ware, von Überbeständen aus unseren Geschäften. Solange wir viel Geld in die Werbung investierten, lief der Laden in Rüsselsheim einigermaßen. Das stand aber nicht mehr im Verhältnis zur erzielten Handelsspanne.
Wann stellten Sie fest, dass es an dem Standort nicht so läuft, wie Sie es geplant hatten? Das zeichnete sich relativ früh ab. Wir hatten ein ehemaliges Neckermann-Kaufhaus mit 1.000 qm und Rolltreppe gemietet. Davon belegten wir nur 500 qm und standen vor einem Dilemma: Sollen wir von Anfang an die Filiale wie ein richtiges Sportfachgeschäft mit allem, was dazu gehört, einrichten? Doch dafür war uns das Risiko zu groß. So beschlossen wir, den neuen Standort in Richtung Lagerverkauf und Schnäppchen zu testen. Bald stellte sich heraus, dass der Werbeaufwand für unseren neuen Standort in keiner Relation zu dem erzielten Erfolg stand.
War die Parkplatz-Situation in Rüsselsheim für die Geschäftsaufgabe ausschlaggebend? Die Parkplatzsituation dort ist ganz schlecht! Niemand durfte vor dem Geschäft oder neben dem Geschäft sein Auto abstellen. Wer es trotzdem tat und im Halteverbot parkte, wurde sofort aufgeschrieben. Die Lage unserer Filiale war grundsätzlich gut, weil sie sich direkt gegenüber vom S-Bahnhof und dem Opel-Hauptportal befand.
Haben Sie versucht, wegen den fehlenden Parkmöglichkeiten bei der Stadt Rüsselsheim etwas zu erreichen? Das haben wir getan, aber das Gebäude gehört einem privaten Investor.
Was gab es noch für Probleme im Umfeld Ihres Geschäfts? In Rüsselsheim haben viele große Geschäfte aufgegeben. Nur noch ein C&A in einer kleinen Variante existiert dort. Alle großflächigen Filialisten haben sich zurückgezogen. In Rüsselsheim mit über 50.000 Einwohnern gibt es keinen Kaufhof oder Karstadt mehr. Alle haben sie geschlossen.
Wie sah es mit der Kaufkraft in Rüsselsheim aus? Die Kaufkraft dort ist alles andere als üppig.
Welche Rolle spielte die Krise von Opel, dem größten Arbeitgeber vor Ort? Davon war unsere Filiale auch betroffen. Es herrscht zu wenig optimistische Stimmung in der Stadt.
Welche Probleme hatten Sie durch Leerstände in der Nachbarschaft? Links neben unserem ehemaligen Standort befand sich ein leer stehendes Geschäft. In unmittelbarer Nähe befand sich ein seit Jahren nicht mehr betriebenes Café, das von außen sehr vergammelt wirkt. Alles rund um
unsere Filiale befand sich in einem desolaten Zustand.
Wollen Sie es in Zukunft am selben Standort nochmals versuchen? Momentan nicht. Wir konzentrieren uns auf die bestehenden Geschäfte in Griesheim und Groß-Gerau.
Das Interview führte Ulrich Wittmann.
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