Deutschland-Kapitän freut sich auf viele Heimvorteile
22.01.2010
Herzogenaurach. „Natürlich ist der Sturm an den weltweiten Finanzmärkten nicht an Deutschland vorbeigezogen, weshalb wir unser Puma-Boot rechtzeitig wetterfest machen mussten.“
Puma-Deutschland-Geschäftsführer Matthias Bäumer (43) gibt sich nach einem knappen Jahr als „Kapitän“ sehr selbstbewusst. sportFACHHANDEL wollte jetzt genau von ihm wissen, was die Events in Afrika dem Handel in Deutschland bringen, wie frauenlastig sich Puma auf dem grünen Rasen positioniert und welche anderen Ziele neben König Fußball ins Visier genommen werden.

Matthias Bäumer
sportFACHHANDEL. Seit nunmehr einem Jahr steuern Sie die Geschäfte von Puma Deutschland. Was hat sich denn in der Zwischenzeit unter Ihrer Verantwortung verändert?
Matthias Bäumer. Natürlich waren auch wir von den Auswirkungen der Finanzkrise und dem damit verbundenen Konsumrückgang betroffen. Wir haben die Krise allerdings als Chance gesehen, um vieles auf den Prüfstand zu stellen. In erster Linie haben wir das Deutschland-Team von Puma in den Bereichen Vertrieb, Produkt und Marketing qualitativ verstärkt. Die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems, ein neues Telefonsystem für den Kundenservice sowie insgesamt drei neue Showräume gehören ebenso dazu wie ein effektiveres Merchandising, um die Markenpräsenz im Fachhandel weiter zu erhöhen.
Die Welt blickt schon heute auf die Fußball-Großereignisse in Afrika.
Sicherlich hat Puma dort auch ein „Heimspiel“, denn schon am 10. Januar startete der Afrika Cup, wo ihre Marke 9 von 16 Teams ausrüstet. Und am 11. Juni ist Anstoß für die WM, bei der 7 Mannschaften mit Puma auflaufen. Welche Strategien haben Sie, um in Deutschland von diesen Events zu profitieren? Für die Fußball-WM haben wir die größte Markenkampagne in der Geschichte von Puma geplant mit dem Ziel, unsere Position als die Nummer Drei der führenden Fußballmarken nicht nur zu stärken, sondern weiter auszubauen. Los ging es in Deutschland bereits im Herbst letzten Jahres mit einer großen Fachhandelsoffensive. Mit der Einführung des Puma v1.10 Speed Fußballschuhs und der v1.10 Kollektion gelang uns ein sehr erfolgreicher Start in das WM-Jahr 2010. Bereits im letzten Quartal 2009 waren die Trikots der afrikanischen Mannschaften im Handel erhältlich, rechtzeitig zum Start des derzeit in Angola stattfindenden Afrika-Cups, bei dem nicht nur neun Teams unsere Trikots, sondern auch etliche Spieler unseren neuen Schuh tragen. Gleich zu Beginn dieses Jahres haben wir in Nairobi im Rahmen der Kampagne „Play for Life“ in Kooperation mit der UNEP das wichtigste Instrument zur Unterstützung der Kampagne vorgestellt: das einzigartige Africa Unity Kit, das weltweit erste einheitliche Fußball-Trikot für einen gesamten Kontinent, das von zwölf afrikanischen Puma-Nationalmannschaften getragen wird – da-runter die für die Weltmeisterschaft qualifizierten Teams von Ghana, Kamerun, Elfenbeinküste und Algerien sowie auch zahlreichen Puma-Teams, die am Afrika-Cup teilnehmen.
Intersport sponsert mit Ghana, Elfenbeinküste und Kamerun drei Puma-Teams in Afrika. Wie funktioniert die Kooperation mit dem Verband und dem Handel? Im Frühjahr beginnt für uns der große Countdown zur WM, wenn wir im Vorfeld des Turniers unsere Tricks-Kollektion präsentieren, in deren Fokus innovative Schuhmodelle stehen. Intersport ist als offizieller Partner für die drei afrikanischen Verbände Ghana, Kamerun und Elfenbeinküste mit dabei. Zusammen planen wir für den deutschen Markt diverse Verkaufsförderungs-Aktionen mit dem Handel, wie beispielsweise die Puma-Afrikamobiltour, bei der wir mit einem speziell im afrikanischen Design gehaltenen Bus bei unseren Handelspartnern verschiedene Promotionaktivitäten durchführen. Dabei erhalten unsere Kunden zum Beispiel besondere Give-aways, können sich über die afrikanischen Mannschaften informieren und im Rahmen eines Gewinnspiels für den Fachhandel können Verbraucher sogar eine Teilnahme an unserem Afrika-Camp in Paris gewinnen.
2011 ist die Frauenfußball-WM bei uns im eigenen Land. Sport 2000 war letztes Jahr mit dem „girls soccer day“ bereits mit von der Lady-Partie. Wie frauenlastig will Puma sich künftig auf dem Rasen positionieren? Als Sportlifestyle-Marke engagiert sich Puma seit vielen Jahren sehr stark im Frauenfußball. Indem Einflüsse aus der Welt des Sports, des Lifestyles und der Mode vereint werden, kreiert Puma außergewöhnliches Design in allen Produktkategorien und gerade diese einzigartige Verbindung aus Sport und Lifestyle verkörpert der Frauenfußball perfekt. Beispiel USA: Seit 2008 sind wir dort offizielles Gründungsmitglied und offizieller Sponsor aller WPS-Bereiche (Women’s Professional Soccer). Zudem hat Puma internationale Frauenfußballprofis unter Vertrag, wie die kürzlich bereits zum vierten Mal in Folge zur „FIFA World Player Of The Year“ ernannte Marta Vieira da Silva. In Deutschland ist Puma Partner von sehr vielen Frauenfußball-Nationalspielerinnen wie beispielsweise Simone Laudehr oder Inka Grings. Aber auch im Amateurbereich sind wir aktiv und bieten gemeinsam mit Sport 2000 die Puma Girls Soccer Days an. Diese Eventinitiative für fußballbegeisterte Mädchen führt Puma zusammen mit Sport 2000-Teamsport-Händlern in verschiedenen Städten durch. Die Mädchen können nicht nur unsere Fußball-Produkte testen, sondern sich von einer der Puma-Frauennationalspielerinnen vor Ort Tipps geben lassen und eine gemeinsame Trainingseinheit absolvieren. Zusammen mit unseren Sport 2000-Partnern werden wir das Thema Frauenfußball weiter fokussieren und ausbauen.
Neben König Fußball: Welche Ziele verfolgen Sie in anderen Performance-Bereichen wie zum Beispiel Running und Teamsport? Der Bereich Running stand 2009 mit den Weltrekorden unseres Superstars Usain Bolt natürlich im Rampenlicht. Bolt verkörpert auf ideale Weise Spitzensport und einen lässigen Lifestyle und passt damit natürlich perfekt zu uns. Aber auch die Leistungen unserer deutschen Athletinnen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin haben überzeugt. Auch 2010 wird der Bereich Running neben dem Fußball eine wichtige Rolle spielen. Bereits zur Frühjahr/Sommer-Saison 2010 haben wir zwei neue Modelle, den Complete Ventis im Neutral- und den Complete Spectana im Stability-Laufschuhsegment, eingeführt und wir werden zur Herbst/Winter 2010 Saison wieder zusätzliche Modelle, auch im Trail-bereich, anbieten.
Im Teamsport bietet der Bereich Handball weiterhin viel Potenzial. Ab Herbst 2010 führen wir eine neue Handballkollektion ein und erweitern damit unser bestehendes Produktportfolio im Bereich Schuhe um eine Textil- und Accessoireslinie. Neue Top-Indoor-Schuhe runden die Kollektion ab. Als Ausrüster sind wir vor allem in der 1. und 2. Handball-Bundesliga engagiert, z.B. beim VfL Gummersbach, HSG Wetzlar und dem MT Melsungen. Auch im Frauenhandball ist Puma als Marke stark vertreten und stattet die beiden Top-Mannschaften Handball-Club Leipzig und den TSV Bayer 04 Leverkusen aus. Durch neue Fachandelskonzepte, die wir um unsere Vereine herum entwickelt haben, beschreiten wir neue Wege, von denen der Handel profitiert.
Welche Rolle soll in Zukunft das Segment Lifestyle spielen? Neben den Bereichen Teamsport und Fundamentals konzentrieren wir uns 2010 auch auf den Bereich Lifestyle. Mit unserer „Puma Archive“- Kollektion werden wir ganz sicher für die eine oder andere Überraschung sorgen. Unser Klassiker, der Suede Classic, erlebt dabei in sorgfältig ausgesuchten Vertriebswegen gerade sensationelles Comeback. Mit neuen, frischen Farben setzen wir hier Akzente. Und ein weiterer Klassiker ist mit dabei: der Top Winner. Dieser trendige „Oldschool-Sneaker“ kommt in der schlichten Farbkombination rot-weiß, blau-weiß und schwarz-weiß auf den Markt und hat das Zeug, wie zuvor schon in den Siebzigern, die Turnhallen nun auch das Straßenbild von heute zu prägen. Und zur Herbst/Winter 2010 Saison konzentrieren wir uns dann auf unsere neuen Top-Styles: Dallas, Fast Rider, Dr. Clyde und den Easywing. Coole Mix-Styles aus Nylon kombiniert mit feinstem Wildleder – genau die richtige Mischung für Handel und Verbraucher. Als Marke werden wir im Bereich Lifestyle vor allem im Januar und Juli auf der Bread & Butter in Berlin vertreten sein sowie zusätzlich auf der Bright Tradefair in Frankfurt.
Sie gelten als Vertriebsprofi und übernahmen die Puma-Geschäftsführung in Deutschland in schwierigen Zeiten: Nach einer Serie von Rekorden fielen weltweit die Umsätze und die Gewinne sackten stark ab. Haben Sie Wachstumsprognosen für dieses Jahr im heimischen Markt? Wie wollen Sie schlagkräftiger werden? Natürlich ist der Sturm an den weltweiten Finanzmärkten nicht an Deutschland vorbeigezogen, weshalb wir unser Puma-Boot rechtzeitig wetterfest machen mussten. Dazu haben wir im Rahmen einer konzernweiten Restrukturierung verschiedene Maßnahmen ergriffen, um für das Unternehmen auch auf dem deutschen Markt ein langfristiges und profitables Wachstum zu sichern. Wir haben unsere Organisationsstruktur sowie die operativen Prozesse optimiert, um künftig noch effizienter und damit schneller auf die Bedürfnisse unserer Kunden und Handelspartner reagieren zu können. Für einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2010 ist es angesichts des anhaltend schwierigen Marktumfeldes sicher noch zu früh, aber wir hoffen natürlich auf eine Verbesserung des Konsumumfeldes im Vorfeld der Fußball-WM. Als führender Ausrüster in Afrika wollen wir unsere Präsenz nutzen, um durch innovative Produkt- und Marketingkonzepte auch im deutschen Handel Akzente zu setzen.
Neue Showrooms unter anderem in Berlin, Sindelfingen und nun im nagelneuen Puma-Vision-Headquarter in Herzogenaurach machten auf. Am Firmensitz gibt es jetzt auch einen neuen Concept-Store und ein Factory-Outlet. Dort ist genug Platz. Warum eigentlich zieht Puma Deutschland mit seinen knapp 150 Mitarbeitern nicht auch ein und bleibt stattdessen in der Würzburger Straße? Wir haben gezielt in neue Show- und Orderräume investiert, um unseren Handelspartnern ein modernes, puma-typisches Ambiente bieten zu können und damit auch unsere Sichtbarkeit am Markt zu verbessern. Durch den Bau unserer neuen Firmenzentrale am deutschen Sitz in Herzogenaurach konnten wir viele internationale Abteilungen und Funktionen, die an verschiedenen Standorten angesiedelt waren, nun unter einem Dach vereinen. Für den Konzern ist die „PUMAVision“ natürlich ein Meilenstein, eine echte Visitenkarte des Unternehmens. Wir profitieren natürlich davon, indem wir neue Showräume dort nutzen und Veranstaltungen künftig vor der Kulisse einer beeindruckenden Architektur und eines außergewöhnlichen Designs durchführen können. Durch die frei gewordenen Büros in der alten Firmenzentrale in der Würzburger Straße haben wir nun die Möglichkeit, mit unserer deutschen Vertriebsorganisation dorthin umzuziehen und die freien Kapazitäten nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Darauf freuen wir uns natürlich.
Kosteneinsparungen in einem dreistelligen Millionen-Euro-Bereich standen letztes Jahr bei Puma an. Vier eigene Geschäfte in Berlin, Bremen, Hannover und Köln wurden geschlossen. In welchem Umfang ist Puma Deutschland von künftigen Effizienzmaßnahmen betroffen? Das bisher durchgeführte Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramm, zu dem auch die Optimierung unserer Einzelhandelsgeschäfte gehört, ist bis zum Ende letzten Jahres weitestgehend abgeschlossen worden. Nun setzen wir natürlich auf die Fußball-WM. Sie bietet uns dafür in diesem Jahr eine echte Steilvorlage, denn aufgrund unserer engen und einzigartigen Verbindung zum afrikanischen Fußball haben wir einen echten Heimvorteil. Den wollen wir auf dem deutschen Markt zusammen mit unseren Partnern im Handel und den Verbrauchern nun bestmöglich für uns nutzen.
Mit Matthias Bäumer sprach
Reinhard Schymura



