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Athleticum und SportXX: „Für uns kein Thema“

Wolhusen. Der Schweizer Sportausrüster Stöckli feiert in diesem Jahr 75. Jubiläum.

Mit André Hüsser (45) soll künftig der Outdoor-Sports-Einkauf verstärkt werden. Hüsser war vorher bei Großflächen-Händlern wie SportXX beschäftigt. „Kein Nachteil für uns", meint Geschäftsführer Beni Stöckli im Gespräch mit sportFACHHANDEL. Die Ableger von Manor und Migros werden jedoch nicht beliefert.

 

sportFACHHANDEL: Herr Stöckli, Sie haben soeben mit André Hüsser Verstärkung für den Einkauf auf der Geschäftsleitungs-Ebene geholt. Was ist geplant? Beni Stöckli: Hüsser wird bei uns am 1. September beginnen. Wir hatten zuvor keinen Einkäufer im Haus. Bislang wurden alle Kanäle in der Verkaufsleitung bearbeitet. Jetzt wollen wir jemand haben, der die gesamte Supply-Chain kennt und überwacht und sich um den Einkauf von Ski, Trekking und Bike kümmert. Somit kann Hüsser auch das Merchandising in unseren eigenen Läden mit einbeziehen. Es ist ein großer Vorteil, wenn der Einkäufer alles aus einer Hand anbieten kann.

Welche Vorteile erhoffen Sie sich von der Tatsache, dass er zuvor bei Filialisten wie SportXX und Manor gearbeitet hat? Hüsser ist ein Branchen-
Insider und nach unserer Meinung ein starker Einkäufer. Seine vorherige Tätigkeit kann für uns nur nützlich sein. Für mich heißt das außerdem, dass ich weniger koordinieren muss und stärker an der Verkaufsfront sein kann.

 

Gibt es denn jetzt ein neues Vertriebsverhältnis zu Athleticum (Manor) und SportXX (Migros)? Wie werden diese beiden Großflächen-Anbieter beliefert? Können Sie sicher sein, dass diese beiden ein vernünftiges Preisniveau einhalten? Nein, dorthin werden wir nicht liefern. Das ist für uns kein Thema. Ich bin überzeugt, das wäre ein Schuss ins eigene Knie. Unser Vertriebssystem mit 14 eigenen Läden und 35 Partnern ist sehr selektiv. Unsere Händler bekommen die Kernsortimente Ski und Bike sowie unsere Trekkingausrüstung exklusiv. Wenn wir zu breit vertreiben, würde unsere Aussage verwässert. Wir halten unser Vertriebssystem für einen Erfolgsfaktor und das soll auch so bleiben.

Ihr Unternehmen feiert in diesem Jahr 75. Jubiläum. Worin unterscheiden sich die Herausforderungen in der Branche heute und gestern? Grundsätzlich ist alles viel schnelllebiger und anspruchsvoller geworden. Die Sortimente sind heute viel breiter und vor allem tiefer, die
Produktzyklen viel kürzer. Dieser Umstand stellt massiv höhere Anforderungen an die Produktentwicklung. Gleichzeitig gibt es sehr viel mehr
Verkaufsflächen, was wiederum die Konkurrenzsituation verschärft bzw. die Marge schwinden lässt. Aus diesen Gründen ist heute eine klare Positionierung der Marke ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor. Stöckli bietet seiner Kundschaft deshalb nicht nur die Kernprodukte, sondern ergänzt diese mit zahlreichen Zusatzleistungen in den eigenen Verkaufspunkten. Dies wiederum stellt hohe Anforderungen an das Personal, welches aus diesem Grund stetig geschult und gefördert wird.
 
Wie hat sich das Jahr bislang entwickelt? Grundsätzlich sind wir mit dem Verlauf zufrieden. Vorwiegend bei unserem Eigenprodukt im Sommer, dem Bike, konnten wir unsere Wachstumsziele erreichen. Auch im Trekkingbereich sind wir mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Die Bereiche Inline oder Running haben aufgrund der schlechten Witterung gelitten, weshalb die Vorjahreszahlen noch nicht erreicht werden konnten.
 
Stöckli hat sich in den vergangenen Jahren vom Ski- und Bike-Anbieter ganz bewusst zum Outdoor-Ausrüster gewandelt. Was war der Grund für diese Erweiterung? Der Hauptgrund für diese Entscheidung ist die Notwendigkeit, die Firma unabhängiger vom Winter zu positionieren. Viele Skianbieter geraten logischerweise in Probleme, wenn der Schnee ausbleibt. Aus diesem Grund haben wir uns vorgenommen, unsere Anstrengungen beim Eigenprodukt im Sommer, dem Bike, weiter zu intensivieren und auch die Sortimente in den gängigsten Out-door-Bereichen, Trekking, Running, Walking oder Inline zu erweitern. Dieser Prozess wird jährlich optimiert und ausgebaut.
 
Was bedeutet für Sie Outdoor? Wir konzentrieren uns vorwiegend auf die Outdoor-Bereiche, welche auch von einer breiteren Käuferschicht ausgeübt werden. Natürlich prüfen wir stetig weitere Möglichkeiten, um auf Trends oder vielversprechende Neuigkeiten reagieren zu können. Es wird jedoch in absehbarer Zeit wohl kein Stöckli-Kanu oder Stöckli-Surfbrett geben.
 
Konkret: Wie soll das Thema in den Bereichen Schuhe und Textil umgesetzt werden? Wird es vielleicht sogar eine neue Eigenmarke geben? Wir führen mit der Marke Stöckli im Bike-Bekleidungssektor bereits eine sehr starke Eigenmarke. Diese wird derzeit um funktionelle Textilien noch erweitert. Wir wollen die Marke auch im Trekkingsektor aufbauen, drei bis vier Teile gibt es schon. Auch im Accessories-Bereich werden wird die Eigenmarke Stöckli ausbauen. Im Bereich Schuhe jedoch halten wir uns noch ein wenig zurück. Dort liegen nicht unsere Kernkompetenzen. Das muss aber nicht immer so bleiben.

Die Schweiz ist Wintertsport- und Outdoor-Land. Welche Vorteile bringt das? Die Schweiz ist ein Land, in dem aufgrund der Topographie überdurchschnittlich viel Schnee- und Outdoor-Sport betrieben wird, weshalb wir von diesem Umstand natürlich profitieren können. Mittlerweile erfreuen sich unsere Produkte einer hohen Akzeptanz im Schweizer Markt, der für unsere Eigenprodukte Ski und Bike nach wie vor der wichtigste Markt ist.
 
Welchen Stellenwert hat „Made in Switzerland"? „Made in Switzerland" ist für uns sowohl im In- wie im Ausland sehr wichtig. Die Schweiz ist ein Bergland und die „Marke Schweiz" steht inter-national für Qualität, Innovation und Zuverlässigkeit. Dies sind alles Anforderungen, die wir auch an unsere
Produkte stellen, weshalb wir gerade im Ausland eine hohe Glaubwürdigkeit genießen. Wir sind überzeugt, dass sich die Mehrkosten dadurch rechtfertigen und werden am Produktionsstandort Schweiz festhalten.
 
Wann und warum haben Sie begonnen, eigene Geschäfte unter Stöckli laufen zu lassen? Der Ursprung lag in den 60er Jahren, als die ausländischen Mitbewerber verstärkt auf dem Schweizer Skimarkt auftraten. Zu dieser Zeit gab es in der Schweiz noch über 30 heimische Skiproduzenten. Diese sind
schlussendlich dem Margendruck erlegen, weil sie mit den Produktionskosten der Anbieter aus dem Ausland nicht Schritt halten konnten. Mein Großvater hat sich aus diesem Grund dafür entschieden, den Fachhandel nicht mehr zu beliefern und die Ski mehr oder weniger direkt ab Fabrik zu verkaufen. Um das Vertriebsnetz jedoch nicht nur auf einen Standort auszurichten, hat mein Vater anfangs der 80er Jahre begonnen, weitere eigene Filialen zu eröffnen und hat so die vertikale Integration unseres Vertriebs vorangetrieben. Diese entscheidende Maßnahme hat das Bestehen der Unternehmung gesichert, weshalb wir heute der einzig verbliebene Skihersteller der Schweiz sind.
 
Sind Sporthändler nicht empört, dass Stöckli ihnen direkte Konkurrenz macht? Zur Zeit meines Großvaters waren einzelne Händler natürlich verärgert. Mit dem Einstieg in den Skiweltcup und die damit verbundenen Erfolge ist die Nachfrage beim Handel stark angewachsen. Aus diesem Grund konnten wir uns Mitte der 90er Jahre ein Netz an Fachhändlern aufbauen, welche vorwiegend im Wallis und in Graubünden ansässig sind, wo wir mit unsern eigenen Filialen aus dem Flachland nicht hingelangen. So erreichen wir eine schweizweite, sich ergänzende Abdeckung.

Was sagen die Einkaufsverbände? Wir wurden lange Zeit nicht in den Schweizer Skipool aufgenommen, da sich die Verbände aufgrund unserer Vertriebsstrategie quergestellt haben. Heute ist dies alles kein Thema mehr, da wir mittlerweile 35 Fachhändler in der Schweiz mit unseren Produkten beliefern.
 
Wie werden Sie das Thema eigene Shops in Zukunft behandeln? Wir haben im letzen Jahr eine weitere Filiale in Ittigen-Bern eröffnet. In diesem Jahr wird das Hauptgeschäft in Wolhusen und eine weitere Filiale in Wädenswil (Zürich) ausgebaut und Ende September ein neuer Standort in Niederlenz (Aarau) eröffnet. Es sind künftig weitere Standorte geplant, die jedoch aufgrund des Standes der Vertragsverhandlungen noch nicht spruchreif sind. Wir gehen jedoch davon aus, dass 20 – 25 eigene Shops in der Schweiz sinnvoll sind und werden den Vertrieb dementsprechend weiter ausbauen.

Das Gespräch führte Nicolas Kellner.

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