Viele Aus- und Übertritte bei Sport 2000 Österreich
17.06.2010
Ohlsdorf. Per Stichtag 30. April 2010, also zum Ende des Geschäftsjahres, gab die österreichische Sport 2000 kürzlich ihren Lieferanten einen beträchtlichen Mitgliederschwund bekannt: elf Austritte sowie zehn Übertritte in eine Partnerschaft.
Nun mehren sich die Zweifel in der Branche, ob die Einkaufsgenossenschaft den anstehenden Aufgaben gewachsen ist. Die neue Finanz- und Organisationsstruktur der Sport 2000 sei nicht durchweg auf positive Resonanzgestoßen, erklärt Marketingleiter Florian Schönleitner auf Anfrage. Er spricht allerdings nicht gerne von „ausgetreten“, sondern lieber von „weggefallen“. Grund: Bei der Fluktuation seien auch Liquidationen durch Nachfolgeprobleme, Karteileichen und Insolvenzen darunter. Zudem gebe es auch Fälle von Spezialisierung, wie
etwa bei Falle in Villach. Bei Händlern, die von der Mitgliedschaft in eine Partnerschaft übertreten, ändert sich für die Lieferanten lediglich die Kundennummer. Beim betreffenden Händler hingegen fallen bei einer Partnerschaft Lizenzgebühren und Marketingbeiträge weg. Zudem wird die Haftungseinlage nach zwei Jahren ausgezahlt. Diese beträgt bei einem kleineren Händler rund 28.000 EUR. Außerdem verzichten Partnerschafts-Händler auf ihre Stimmrechte. Die Option auf Partnerschaft besteht bereits seit Jahren, doch erstmals wurde diese in solchem Ausmaß genutzt.
Verlustgeschäfte verschwiegen
Vergleichsweise groß ist jetzt die Aufregung unter den Mitgliedern. Die Hauptkritik gilt den veralteten Managementstrukturen. Unter anderem ist jetzt auch zu erfahren, dass die unabhängige Finanzprüfung im April 2009 nicht vom Management, sondern von den Mitgliedern der Sport 2000 gefordert wurde.
Denn es seien nicht nur in Zahlungsverzug geratene Mitglieder gewesen, die die Hausbank auf den Plan gerufen haben, sondern auch von der Einkaufsgenossenschaft angekaufte, defizitäre Geschäfte (Salu, Wien) und eine Beteiligung (Südpark, Klagenfurt).
Die Salu Handels GmbH soll seit 2009 eine 100%-ige Tochter der Sport 2000 sein. Das Unternehmen umfasst drei Standorte in Auhof, Baden und Wien (Millennium City) in der Größenordnung von jeweils 900 qm. Salu soll anhaltend Verluste schreiben. Gründer der Salu waren die Wiener Sport-2000-Händler Ernst H. Aichinger, Michael Löwe und Franz Unterhuber. Wie Schönleitner ausführt, sei den Gründern und Inhabern die Salu zusätzlich zu den eigenen Geschäften „zu viel geworden“. Als sie diese der Sport 2000 anboten, sei dies als ein Zeichen der Loyalität gesehen worden. Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen am 21. August 2001 eine Übernahme in drei Stufen. Den Mitgliedern wurde die Entscheidung in der Generalversammlung mitgeteilt. Zum Kaufpreis für die Salu schweigt Schönleitner. Bis 31. August 2005 war Franz Unterhuber GF der Salu. Am 1. September 2005 wurde er von Ulrich Mörzinger abgelöst, der vom Wiener Modehändler Fürnkranz kam. Manchem Mitglied ein Dorn im Auge: Michael Löwe,
einer der Salu-Inhaber, war zum Zeitpunkt des Übernahmevertrages im Vorstand der Sport 2000.
Das Projekt Südpark GmbH war von vierjähriger Dauer: Das Geschäft wurde im Herbst 2004 eröffnet und meldete am 23. September 2008 am Landesgericht Klagenfurt Insolvenz an. Der Schuldenstand betrug 581.000 EUR. Gesellschafter waren Klaus Kert (hielt 51% der Anteile) und die Sport 2000 (49%). Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat, die ebendiese Beteiligung beschlossen, waren mit einer Ausnahme (Josef Schretter, Graz, verließ den AR und Manfred Zernig, Deutschlandsberg, kam für ihn) identisch mit jenen, die den Beschluss fassten, die Salu zu kaufen.
Schließlich sei auch der Erfolg in den osteuropäischen Märkten Tschechien, Slowakei und Ungarn krisenbedingt hinter den Erwartungen geblieben.
Anfang 2009 zog sich die Einkaufsgenossenschaft nach zwei Jahren Präsenz aus dem Streckengroßhandel in Ungarn wieder zurück. Die ursprünglich gesicherte Lizenz für Polen wurde nie genutzt und unlängst an die Sport 2000 International zurückgegeben.
Mangelnde Abstimmung
Nach der unabhängigen Finanzprüfung im April 2009 soll ein Teil der Mitglieder eine Absicherung der Mitgliederbonität über die deutsche Zentralbank gefordert haben, um das Risiko der ungesicherten Forderungen auszuschließen. Zudem sollen ein schlanker Verwaltungsapparat und ein zeitgemäßes Management gefordert worden sein. Außerdem sei der Wunsch nach einer Fusion mit der Sport 2000 Deutschland laut geworden. Die einzigen Maßnahmen, die von der Zentrale unternommen wurden, war jene der unabhängigen Ratingagentur, die fortan die Bonität der Mitglieder prüft. Zudem wurden die Zügel im „Forderungsmanagement“ straffer gezogen.
Wie erst jetzt, besonders im Zusammenhang mit dem Salu-Kauf, verlautet, soll der Rücktritt des Vorstandes im März 2010 nicht zufällig, sondern konfliktbereinigend gewesen sein (siehe SFH Ausgabe 7/2010, S. 16): Die Langzeitvorstände Michael Löwe und Manfred Zernig (seit 2003) wurden von Josef Picher und Martin Jennewein abgelöst. Auch Peter Niedersüss (Rohrbach) schied aus dem Vorstand aus. Er schließt bekanntlich sein Geschäft zum 31. August. Die Immobilie hat er an den Intersport-Händler
Johann Pötscher verkauft (SFH Ausgabe 12/2010, S. 10).
Mitglieder werden nervös
Die angespannte Finanzsituation der Zentrale macht die Mitglieder immer nervöser. So wird kritisiert, dass die Wettbewerbsfähigkeit mit den bestehenden Einkaufspreisen fragwürdig sei. Auch die wenig flexible Einkaufspolitik ist Thema. Die Konvention Grundaufträge zu vergeben, während Filialisten ad hoc-Aufträge schreiben, sei grundsätzlich zu hinterfragen.
Hildegard Suntinger
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