Hanwag

Trend zur Natur pur besiegte den Regen

Der Trend zu Outdoor ist allgegenwärtig und durch den Crossover-Effekt in Richtung Freizeit lautet die Zielgruppendefinition: Alle sind potenzielle Kunden! Dass die Trendkraft trotzdem wesentlich im Kernsegment liegt, beweisen unabhängige Spezialisten. Die in den letzten Jahren gegründeten Shops konnten sich in der Regel nicht nur halten, sondern auch wachsen.
Selbst in der heiß umkämpften Berg-sportstadt Innsbruck halten sich etablierte – und etablieren sich neue Händler. Mountain’s Bergsport z.B. wurde vor vier Jahren gegründet und behauptet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Hervis und Eybl. Hervis verhökerte in Aktionen den ganzen Juni über Bergsportartikel, zum Beispiel eine Salomon Softshell-Jacke um 59,99 EUR. Nachbar Eybl pusht auf etwa 1000 qm Outdoor-Fläche u.a. seine Eigenmarke Seven Summit. Seit September 2009 wurden laut Marketingleiter Florian Größwang 400.000 entsprechende Teile österreichweit verkauft. Jetzt soll auf die von Testimonial Wolfgang Fasching propagierte Mainstream-Linie auch eine High-End-Linie folgen. Trotzdem sind  die Inhaber von Mountain’s Bergsport, Martin und Hannes Schwaighofer, der Überzeugung, dass sie in ihrem 220 qm-Shop von dieser Nachbarschaft profitieren. Sie setzen auf eigene Bergsporterfahrung und besondere Marken (z.B.: Montura, Arc‘teryx). Ihre erfolgreichs-ten Artikelgruppen sind Bekleidung und Schuhe.
In der Innsbrucker Innenstadt hat sich auch das im Frühjahr neu lancierte Konzept von Sportler Alpin bewährt. Geschäftsleiter Hjalmar Comploy
berichtet von Zuwächsen im zweistelligen Bereich.  Der Durchschnittspreis habe sich durch alle Sortimente erhöht. Auch bei ihm verkaufen sich primär Bekleidung und Schuhe. Sehr gefragt sind außerdem Zelte. Besonders Großflächenzelte für Familien, die für den Urlaub verwendet werden.

Klettern belebt das Geschäft

Klettern ist Thema Nr. 1. Viele sprechen von einem Boom. Forciert wird die Sportart von den zahlreich gegründeten Kletterparks, die das Natur-erlebnis auch in Stadtnähe bringen (z.B.: www.kletterpark.at). Von kontinuierlichem Wachstum berichten auch die Bergschulen. Peter Lercher, Chef von Bergsport Total in Ehrwald (Zugspitzarena), erklärt, dass das Interesse am Klettersteig jährlich steige. Seine Klienten sind sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene.
Im Handel werden primär Schuhe, Seile, Klettergurte und Sicherungsgeräte verkauft. Nicht zuletzt wegen der tendenziell jungen Zielgruppe und dem Trendfaktor wird das Segment jedoch hochgehalten. Schließlich ist Klettern auch Imagetool der Industrie.
Wachsende Bedeutung wird auch dem femininen Segment zugeschrieben.
Alwin Leitner, Bergsport & Outdoor Leitner (Dornbirn und Bezau), spricht von einem Anteil von 60%: „Die Frau bestimmt, was im Sport getragen wird. Sie bestimmt auch für den Mann.“ Das Kidssegment ist und bleibt preissensibel. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Sportler Alpin demonstriert seit dem Frühjahr auf 250 qm Fläche Kompetenz in Sachen Kids.

Lederschuhe wieder im Kommen
Das Segment Schuhe ist 2009 laut Analysen der NPD-Group (Nürnberg), um 10% auf ein Marktvolumen von 38,2 Mio. EUR gewachsen. Und auch in der laufenden Saison sind Schuhe neben Bekleidung Hauptumsatzträger. Im Mainstream sind Multifunktionsschuhe Umsatztreiber. Hier hat Salomon mit dem Modell „XA Pro 3D“ die Nase vorn. Im Segment Wandern sind Schuhe mit Klimamembran und Vibramsohle in einer Preisklasse bis 200 EUR gefragt. Prototyp der Kategorie sei der „Lowa Renegade“, ist vermehrt zu hören. Im Kernsegment wird punktuell von einem Zurück zum Lederschuh gesprochen.  Martin Schwaighofer (Mountain’s Bergsport, Innsbruck), argumentiert damit, dass 80% der Berggeher bei schönem Wetter unterwegs sind. Auch bei Sportler Alpin ist diese Zielgruppe bekannt. Im Angebot ist der Tiroler Lederschuh von Stadler.

Regenschutz war stark gefragt

Zweifellos wirkte sich das unbeständige Wetter positiv auf den Absatz von Funktionsware aus. Leichte Hardshells, Softshells und Fleece dominieren die Verkaufscharts. Bei Fleece rechnet man mit einem Wachstum. Bei Soft-shells scheint der Zenith erreicht. 
Allerdings sind die Händleraussagen dazu unterschiedlich. Besonders im konsumigen, aber auch in einem sophisticated Kernsegment sind Styles und Farben gefragt. Intensives Grün, Violett und Fuchsia (für Damen) haben offenbar Lust auf Farbe gemacht. Trotz zunehmender Modenähe ist die Branche jedoch weit von der Kurzlebigkeit der Mode entfernt. Anbieter verweisen unisono darauf, dass starke Marken den Verkaufserfolg einer Jacke oft über
Jahre halten können.    >>>

Kunden wünschen hautnahe Natur
Michael Lanmüller (Steppenwolf, Wien) beobachtet, dass Ökologie zunehmend zum Thema wird. Recyclefähiges, Recyceltes oder Biologisches ist in den von ihm geführten Kollektionen allgegenwärtig. Allerdings frage der Kunde nicht explizit danach. Im Vordergrund stehe das Funktionsargument. Umweltfreundliches Material sei Zusatzbonus. Der Konsument äußere seine ökologischen Bedenken primär mit der Frage nach dem Produktionsort. Wobei China das Unwort sei. Akzeptiert sind auch die noch relativ neuen Shirts in Mischungen von Baumwolle mit Modal oder Polyester. Die Shirts sind leicht, saugen gut und trocknen schnell.
Allgemein wird die Popularität von Merinoshirts und -wäsche bestätigt. Der Kunde fragt bereits gezielt danach. Dietmar Klammer (Bergwerk Mountain Store, Linz) verkauft im Sommer etwa zu 50% Merino-Qualität. Im Winter betrage der Anteil 80 bis 90%.
 
Stöcke: Entweder gut oder billig
Das Angebot im Stocksegment – ausgelöst durch den Nordic-Walking-Boom in der Saison 2003/2004 – hat sich wieder reduziert. Die Großflächen forcieren Eigenmarken. Im Mainstream ist die Preisklasse von 29 bis 69 EUR mittelpreisig.
Bei Leki beginnen die Preise bei 80 EUR. Heinz Redler jun. (Leki Österreich), freut sich über beachtliche Absatzmengen bei Vollcarbonstöcken in der Preisklasse von 130 EUR. Die Volumina von Trekking- und  Nordic-Walking-Stöcken halten sich die Waage, erklärt Redler. Leki Österreich wachse derzeit sowohl mengen- als auch preisbedingt. Sein Statement zur Marktsituation: „Entweder gut oder billig.“ Bei Rucksäcken zeigt sich der Markt konstant. Im Vordergrund stehen Modelle mit einem Fassungsvermögen von 20 bis 30 Liter. Die Zeit der Großraummodelle  scheint endgültig vorbei. Die Generation Interrail ist erwachsen geworden. Auch der Rucksack steht im Spannungsfeld von Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit. Funktionalität wird unterschiedlich
bewertet. Ein Händler berichtet, dass der Konsument jetzt auch bereit sei, auf Features zu verzichten, um in den Genuss von mehr Leichtigkeit zu kommen.

Hildegard Suntinger



 

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