Spielstand Wettbewerb hat noch nie geschadet
25.03.2010
Jules Verne, der geniale Trivial-Literat des 19. Jahrhunderts, schrieb mal einen Roman, der auf den Namen „Die Leiden eines Chinesen in China“ hört.
Darin geht es gewissermaßen um einen „gelben Mann“, der einen Killer auf sich ansetzt, damit dieser sein Leben auslöscht, womit die Familie des jungen Mannes eine fette Versicherungsprämie kassieren würde. Im Lauf des Buches entscheidet sich der Chinese allerdings anders und entlässt den westlichen Killer. Der wurde aber bereits bezahlt und verhält sich entsprechend professionell, um den armen Versicherungsnehmer erbarmungslos zu jagen. Keine Sorge: Der Roman geht gut aus für den sympathischen Mann aus Fernost, der die Erzählung überlebt.Im Sportartikelgeschäft scheinen die Leiden des Chinesen in China in mehrfachem Sinn aufzuhören: Die Volksrepublik und ihre Wirtschaft scheinen robust aus der globalen Krise herauszukommen, obwohl ihre Handelspartner in der westlichen Welt teilweise schwächeln. Wichtiger ist
folgende Nachricht von der Ispo in Peking: Die Chinesen machen sich auf, um ihre eigenen Marken zu entwickeln.
Damit ist eine neue Runde in der Diskussion eingeläutet über die Frage, wer eigentlich wen jagt. Der Kunde den Lieferanten oder umgekehrt? Der Westen den Osten oder andersrum?
Die schlechte Nachricht für den Westen ist gleichzeitig die gute: Die europäischen, japanischen oder amerikanischen Sportartikelmarken, die bislang gute Absatzzahlen im Fernen Osten vermelden konnten, werden ihre Hoheit als weltweite Vermarkter von Markenartikeln auf Dauer in China nicht behaupten können. Dafür sind die chinesischen Marken wie Toread oder K2 Sports (nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Jarden-Tochter) inzwischen einfach zu stark. Die gute Nachricht ist im gleichen Zusammenhang zu sehen: China wächst schnell, und das bedeutet, dass die inländischen Marken derzeit eher damit zu tun haben, ihren eigenen Markt zu befriedigen.
Es ist keine schlechte Nachricht, dass die Chinesen aufwachen und ihre eigenen Marken entwickeln. Es wird noch viel Zeit brauchen, bis diese Unternehmen fest in westlichen Märkten auftreten, denn sie haben noch einiges vor sich, um in Sachen Marketing mit den Brands aus Amerika oder Europa mithalten zu können. Starke Marken werden immer gefragt sein, und das müssen die Chinesen bei sich zu Hause erst mal üben. Das werden sie auch tun – und zwar werden sie es erfolgreich tun, um im Anschluss nach anderen Kontinenten Ausschau zu halten. Der Wettbewerb wird sich erhöhen, nachdem die Leute aus Fernost gelernt haben, dass sie gleichberechtigte Partner neben den westlichen Marken sind – und nicht mehr nur deren günstige Lieferanten.
Dann wird der sympathische junge Mann seinen selbst bezahlten westlichen Killer vielleicht auch anderswo aufspüren wollen als nur in China. Die Ispo in Peking hat gezeigt: Neuer Wettbewerb zieht herauf unter den Marken. Und das muss doch gar nicht schlecht sein.
Markus Huber
ANZEIGE



