Outlet in Wals macht dem Sportfachhandel Sorgen
24.11.2009
Wals. Designerware zwischen 30 und 70% unter dem Normalpreis das Konzept im Outlet Salzburg (Wals) scheint aufzugehen: 200.000 Besucher nach nur drei Wochen.
Und nicht nur Salzburger, sondern auch Deutsche fühlen sich angesprochen.
Thomas Reichenauer, Country Manager Austria McArthurGlen, ist nach einem ersten Resümee zufrieden. Doch beim zweiten Outlet des britischen Betreibers in Österreich (nach Parndorf im Jahr 1998) kam der Erfolg nicht von ganz allein: Auch die Stadt Salzburg hat zur Frequenz beigetragen. Das rund zehn Minuten vom Stadtzentrum liegende Outlet (28.000 qm) ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Drei-Minuten-Takt zu erreichen. Vier Buslinien fahren hin. Die Linie 8 wurde extra um 7,5 km verlängert. Auch für Autofahrer ist der Standort an der Autobahn Salzburg/Wien (A1) ideal. Die Investitionssumme betrug 135 Mio. EUR und wurde mit einem Kooperationspartner finanziert, einer Investorengruppe der Vienna Insurance Group.
Pächter aus der Sportindustrie sind Northland, Columbia, Camel Active, Oakley, Titus, Crocs, Falke Sport, Zoo York – und neuerdings auch Vans. Mit Ausnahme von Northland und Columbia sind alle diese Marken übrigens auch in Parndorf vertreten.
Für Columbia ist es die Eröffnung des ersten Stores (175 qm) in Österreich. Mike Kaier, Columbia Sportswear Country Manager für Deutschland, Österreich und Slowenien, sieht den Store als Teil der „Go-to-Market-Strategie“, um die Retail-Struktur in Westeuropa auszubauen, das Markenbewusstsein und die Kundennachfrage zu erhöhen. O-Ton: „Da wir nur Restbestände und Ware aus vergangenen Saisons dort verkaufen, bedeutet dies keine Konkurrenz für unsere Handels-partner. Es ist eine Möglichkeit für Columbia, alte Bestände abzubauen und unseren Kunden beim Austausch von alter gegen neue Ware behilflich zu sein.”
Auch ein Händler ist in Wals: Bründl Sports (Kaprun), der unter Intersport-Flagge mittlerweile 16 Shops in Zell am See, Kaprun, Ischgl und Mayerhofen führt. Im Outlet betreibt Bründl eine Fläche von 370 qm für den Verkauf von Altware und Einzelteilen. GF Christoph Bründl erklärt: „Durch den Standort direkt an der A1 und der hohen Frequenz von Gästen, die in die Skigebiete reisen, versprechen wir uns sehr viel vom Shop.“
Betroffenheit imlokalen Handel
Im nahe gelegenen Sportfachhandel sieht man das Outlet überhaupt nicht gern, aber noch gelassen. Die Zahl der Pächter aus dem Sportbereich sei überblickbar und das Angebot stark textillastig. Hans Peter Gallbauer, unabhängiger Sportfachhändler in Elixhausen und Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Salzburg, möchte das Outlet aber auch nicht unterschätzen.
Er verweist auf die verzerrte Umsetzung des amerikanischen FOC-Gedankens in Europa. In Amerika sei das FOC das Ventil der Industrie, die aus dem Handel die alte Ware herauszieht, bevor die neue geliefert wird. In Europa diene das FOC der Industrie um Über- und Fehlproduktion lukrativ abzustoßen. Das sei kein Mit-, sondern ein Gegeneinander. Auch Hannes Hettegger senior, Sportfachhändler im 50 km entfernten Bad Ischl, fühlt sich betroffen: Weil Markenartikel so billig angeboten werden, darunter auch Marken, die im eigenen Haus geführt werden und gegen Lieferantenaussagen auch aktuelle Ware geführt wird. Mit denen habe er das Problem bereits besprochen, aber nur wenig zufrieden stellende Antworten erhalten. Hettegger: „Den Konsumenten versteh’ ich, den Lieferanten nicht. Das ist kurzfristig gedacht.“ Er will sich von den betreffenden Marken distanzieren. McArthurGlen verfügt europaweit über 17 Outlets und möchte bis 2010 fünf weitere Projekte realisieren. Wird die Quelle der Pächter auch in der Krise weiter wachsen? su

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