Mit der Zerschlagung von Stiefelkönig wird es ernst
23.02.2011
Wien. Die Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft (Bawag PSK), seit 2003 Eigentümerin vom Schuhfilialisten Stiefelkönig, verkaufte soeben 19 Geox-Franchise-Läden, die bisher von Stiefelkönig geführt wurden, an Geox Italien (Biadene di Montebelluna). Die Geschäfte liegen in den wichtigsten Einkaufsstraßen und Shopping-Malls u.a. in Wien, Linz, Graz und Innsbruck. Geox-Chef Mario Moretti Polegato will weiter sein Monobrand-Stores-Konzept forcieren, ob als Franchise-Geschäft oder in Eigenregie.Seit 2008 versuchte die Bank, im Besitz des US-Investmentunternehmens Cerberus Capital Management, den 1919 in Graz gegründeten Schuhhändler mit seinen 70 Filialen zu veräußern. Die EU besteht per Auflage darauf, dass sich die Bawag von dem Unternehmen trennt, da es nicht zum Kerngeschäft zählt. Seit Juli wird der Verkauf der drittgrößten österreichischen Schuhkette forciert.
Der Countdown läuft
Noch in diesem Frühjahr soll ein weiterer Deal unter Dach und Fach sein: Salamander Österreich (Wien), ein Tochterunternehmen der deutschen Ara AG (Langenfeld), das in der Alpenrepublik 34 Geschäfte betreibt (und rund 170 Filialen in Deutschland, Frankreich, Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn), übernimmt 35 Filialen der Stiefelkönig-Vertriebslinie Delka. Diese sollen samt ihren 240 Mitarbeitern weiter unter der Marke Delka laufen. Der Verkaufspreis soll im einstelligen Millionenbereich liegen.
Als größter Interessent taucht außerdem der Handels- und Immobilieninvestor Jamal Al-Wazzan und die steirische Ringschuh auf. Al-Wazzan, bekannt durch die Übernahme der angeschlagenen Modekette Schöps im August 2008 und anschließender Schließung der maroden Firma (mittlerweile eine Immobilienfirma), ist an 40 bis 50 der insgesamt 70 zur Disposition stehenden Filialen interessiert. Von den Filialen in weniger lukrativer Lage, würde er sich nach einem Erwerb trennen.
2008 hat Stiefelkönig Verkaufserlöse in Höhe von 127 Mio. EUR erzielt und dabei einen Verlust von knapp 14,5 Mio. EUR erlitten. In Kroatien und Slowenien ist das Unternehmen ebenfalls mit Filialen vertreten.
Lediglich die Billigkette Turbo konnte die Bawag bisher abstoßen: 2009 schnappte sich Deichmann die meisten der 37 Schuhläden. Zehn Geschäfte packte Textildiscounter Kik ein. rs/uw
ANZEIGE



