Inline-Skates fahren wieder bergauf
09.04.2010
München. Der Skate-Markt zieht wieder: Bundesweit ist richtig Speed im Spiel. Der Handel konzentriert sich auf weniger Marken und Rollprodukte mit verbesserten Details.
Auch das Thema Schutzausrüstung gehört mittlerweile zum Standard, berichten Verkäufer und Hersteller. Da wird über Preise kaum diskutiert. Billiganbieter haben es deshalb schwerer.„Es läuft sehr gut an“, freut man sich nicht nur im hohen Norden. In Ahrensburg nördlich von Hamburg, bei Intersport Nessler, wurde das Thema Inline-Skates über die Jahre gepflegt. Jetzt beweisen die Kunden Treue und kommen wieder. Ob es um Fitness- oder Speed-Skates geht, über Preis-
lagen gäbe es bei den Käufern keine große Diskussion. Modelle von K2 seien neben der Intersport-Eigenmarke die meist nachgefragten Schuhe. Auch über das Thema Schutz (Knie, Ellenbogen, bis hin zum Kopfschutz) wird nicht verhandelt, sondern in der Regel mitgekauft, berichtet der Skate-Experte in dem norddeutschen Intersporthaus. Auch im Süden, im Münchner Karstadt-Sporthaus, läuft die Saison schon seit einiger Zeit auf Hochtouren. Dort werden Skates mehrheitlich ab 100 EUR verkauft, nach oben hin gibt es keine Grenzen. Mittlerweile hat sich das Sporthaus sogar einen Namen in der Szene an der Isar erarbeitet, da hier viele Mitarbeiter selber rollende Asphalt-Fans sind und auch eine breite Markenauswahl zu finden ist.
In der Bundeshauptstadt Berlin hat sich eine interessante Skates-Szene wieder neu belebt und herauskristallisiert. Nach Einschätzung von Branchenkennern hat sportliches Fitnessskaten das größte Potential, gefolgt vom Speed-Skaten. Aggressive Modelle würden allerdings weiter eine geringere Rolle spielen. Skate-Experte Manfred Piepho in Berlin (Der Berg ruft) bemerkt, dass sich die Verkäufe nach einem drastischen Einbruch vor einigen Jahren jetzt zumindest wieder stabilisiert haben. Schwerpunkte lägen bisher bei Ersatzrollen und Kugellager sowie im Skate-Bereich bei hochwertigen Modellen mit großen Rollen. Wer sich als Fachhändler behaupten will, muss an der Szene dranbleiben beziehungsweise selbst aktiv werden. Viele Händler beteiligen sich beispielsweise an entsprechenden Veranstaltungen wie die „Berlinparade“ oder ähnlichen Läufen in München. Ohne dieses Engagement wären viele Verkäufe nicht möglich. Aber auch neue Zielgruppen werden avisiert. Der Fachhandel versucht dabei Kinder wieder stärker an das Thema Skaten he-ranzuführen. Dabei erfährt der Handel massiv Unterstützung von Seiten der Hersteller.
Kinder im Blickpunkt
Bereits vor zwei Saisons hatte K2 nicht nur das Thema Urban-Skates auf den Weg gebracht, mit dem ein bestimmter Lifestyle und damit auch Verkaufstrend entfacht werden sollte. Auch im Bereich Kinderskates baute K2 neue Modelle und schob den Markt europaweit an. Mitbewerber Rollerblade ist mit dabei und ruft in dieser Saison die Initiative „Kids on Skates“ auf: In Schnupperkursen, die bundesweit mit Händlern durchgeführt werden, soll der Nachwuchs auf den Geschmack kommen. Vor allem aber soll auch Eltern die Angst genommen werden, dass die rollenden Schuhe gefährlich für die Spröss-linge sei. Es kommt vielmehr auf das richtige Training und auf die gute Ausrüstung an, will die Rollerblade-Initiative vermitteln. Der Fachhandel erhält damit weitere Chancen, sich zu profilieren. Das war in den letzten Jahren bei Thema Skates ein wenig aus dem Blickwinkel geraten.
Die Talsohle scheint durchschritten. Nach dem letzten Einbruch vor fünf Jahren auf weit unter einer Million Paar Markenskates setzt seit vergangenem Jahr ein leichter Aufwärtstrend ein. Anfang 2001 sind es 1,5 Millionen Paar Markenskates gewesen. Der Sporthandel ordert zwar vorsichtig, kann in diesem Jahr allerdings auf ein nie da gewesenes Preis-Leistungs-Verhältnis der Markenanbieter zurückgreifen. Damit wollen und müssen sich K2, Rollerblade, Powerslide & Co. den No-Name-Anbietern entgegen stemmen, die sich ihren festen Platz in den Regalen der Discounter und branchenfremden Anbieter erobert haben. Ob die Höchststände aus den Jahren 1995 und 1996 von annähernd 1,8 Millionen Paar verkauften Marken-skates in Deutschland jemals wieder erreicht werden können, ist aber eher fraglich. Marktsättigung und Preisverhau hatten zum Marktkollaps 2001 geführt, wobei Warenhäuser und Versender mit einem mengenmäßigen Einbruch von über 40% am stärksten betroffen waren. Im Sporthandel und bei Filialisten konnten die Rückgänge mit etwas über 20% etwas besser abgefedert werden. In den folgenden Jahren rappelte sich der Markt wieder auf.
Aufschwung im Markt
Handel und Industrie setzen auf einen neuen Aufschwung. „Es läuft besser als im Vorjahr“, berichtet Powerslide-Mitarbeiter Sebastian Krauß. Seiner Beobachtung nach zieht auch das Thema „Aggressive“ wieder an, auch wenn es regionale Unterschiede gebe. Die Zielgruppe hier liege im Alter zwischen 10 und 25 Jahren. Einsteigermodelle liegen bei 100 EUR, Fitness-Skates würden am besten um 200 EUR verkauft. Hierbei handelt es sich um das dankbarste Thema, denn mit Fitness-Skates könnten sogar Altersgruppen bis zu 60 Jahren erreicht werden. Diese Kunden kaufen auch keine Billigmodelle, sondern wollen bestens ausgestattet sein. Auch Speed-Modelle liegen gut im Rennen. Hier könnten in der Regel die höchsten Preise erzielt werden. Man dürfe aber immer noch nicht die Billigangebote unterschätzen: „Die latente Gefahr besteht darin, dass damit ausgerüstete Neueinsteiger schnell wieder die Lust am Skaten verlieren.“
Rollerblade-Verkaufsleiter Christian Pichler erkennt ebenfalls einen Stimmungsumschwung im Skate-Markt. Vor allem im Norden der Bundesrepublik ginge das Geschäft schon sehr gut los. „Qualität steht im Vordergrund“, freut sich Pichler. Wer sich im Fachhandel mit Inline-Skates engagiert, könne auch die Früchte ernten. Der Bereich Rollsport insgesamt liegt aber im Fokus von Sportfans und Sporthandel. Das zeigt auch der Erfolg von Heelys. In Deutschland und Österreich fahren Kinder und Jugendliche weiterhin auf Heelys, den Schuhen mit der Rolle in der Ferse, ab. Dies bestätigen sowohl die im Funwheel-Segment überdurchschnittlichen Abverkäufe im Frühjahrs- und Ostergeschäft, als auch die gewachsenen Vororderzahlen für die zweite Jahreshälfte 2010, berichtet Heelys. Ein langfristiges Wachstum der Marke und konstantes, planbares Geschäft war auch die Intention von Dominik Wieder, Deutschland-Chef der Heeling-Sports EMEA: „Von Anfang an war es unser Ziel, einen kurzlebigen, saisonalen Hype von Heelys zu vermeiden und einen längeren Produkt-Lebenszyklus zu erwirken. Wir sind im dritten Jahr jeweils mit leichten Wachstumsraten konstant in der Nachfrage und zugleich preisstabil.“ Die Produktidee ist einfach: Der Heelys-Sneaker ist Sport- und Spielgerät, zugleich auch trendiger Turnschuh. Die Rolle in der Ferse lässt sich in einem Handgriff aus- und einklicken. Doch hinter dem Erfolg von Heelys steckt ein durchdachtes Marketingkonzept, das auch den Händlern zugute kommt: Die geplante Web 2.0-Kampagne in mehreren Kanälen soll die Verbindung zur jungen Zielgruppe weiter stärken. Ebenso liefen Kooperationen sowie TV-Werbekampagnen zu Weihnachten und Ostern in Zielgruppen affinen Medien. Händler werden überdies mit Produktschulungen sowie der Bereitstellung von POS-Materialien usw. unterstützt. Die Preispolitik setzt auf Stabilität: Die Preise für Heelys sind seit 2008 weitestgehend gleich geblieben, einige Kindermodelle sogar günstiger geworden. rf



