Industrie schlägt platziert auf
09.04.2010
Die Hersteller sind zufrieden: Tennis gehört nach wie vor zu den Lieblingssportarten der Deutschen und dementsprechend gut wurde geordert.
Der klassische Sportfachhandel ist oft weniger euphorisch: Gelockerte Dresscodes auf dem Platz, weniger Nachwuchs und der Preisdruck der Versender machen das Thema Tennis als Umsatzbringer für viele weniger attraktiv.
Adidas, einer der großen Stammspieler auf dem Court, ist zufrieden: „Aufgrund der starken Kollektion und der Einführung des neuen ´Barricade` verlief die erste Orderrunde erwartungsgemäß sehr positiv“, betont Oliver Brüggen, der Sprecher der Marke in Deutschland. In der Saison 2011 wird es bei der Drei-Streifen-Marke „ jung, frisch und aufregend“ zugehen: Adidas setzt auf viel Farbe, modische Schnitte und technologische Materialien. „Unser Ziel ist es, jeden Spieler mit den bestmöglichen Produkten zu unterstützen“, so Brüggen. Welche Rolle spielt das Vereinsgeschäft auf dem Court? „Mit der Tennis-Teamwear-Linie wird Adidas allen Anforderungen des Vereinsgeschäftes im Tennissport gerecht. Tennis wird traditionell im Verein gespielt und daher werden wir auch in Zukunft weiterhin die passenden Produkte für Vereinsspieler anbieten.“
Bei Traditions-Hersteller Fila ist man ebenfalls glücklich mit der Order für die kommende Saison: „Unsere Abverkäufe sind sehr zufriedenstellend“, betont Thomas Becker, der als frisch-gebackener Country Manager die Geschicke der Marke in Deutschland und Österreich lenkt. Welche Outfits Fila in der Saison 2011 auf den Platz schickt, möchte Becker noch nicht verraten. Sicher sei jedoch, dass man getreu den italienischen Wurzeln der Marke „sehr klassisch“ bleibe, was aber neue Farben und Eye-Catcher keineswegs ausschließe. Ein großes Potenzial sieht der 39-Jährige im Vereinsgeschäft, das leider in der Vergangenheit von Fila etwas vernachlässigt wurde: „Das soll in der Zukunft ausgebaut werden.“
„Dafür, dass wir erst Mitte Juli 2009 mit Tennis eingestiegen sind, lief die Order sehr gut“, freut sich Frank Saeger, Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Erke Sports. Der Markt für Tennisbekleidung sei sehr preissensibel, aber nach wie vor „da“. Leider habe sich der Fachhandel aber immer mehr von diesem Geschäft verabschiedet, kleinere Spezialisten machen jedoch „sehr, sehr gute Umsätze“. Dass das Geschäft brummt, beweisen laut Saeger auch die Versender, die sehr gute Zahlen schreiben. Geändert haben sich in den vergangenen 15 Jahren die Bekleidungs-Vorschriften: „Heute wird auf dem Court oft etwas getragen, was eher nicht dahin sollte.“ In puncto Design müssten die Hersteller auch oft die Kluft zwischen Generationen überwinden: Besonders viele Tennis-Fans seien entweder sehr jung oder in der Altersgruppe 40+ anzutreffen. „Hier sind verschiedene Design-Handschriften innerhalb einer Kollektion sinnvoll.“ Neu sind bei Erke in der kommenden Saison unter anderem die DTB-Linie, pünktlich zum Start der Chinesen als offizieller Ausstatter des Deutschen Tennis Bundes im Januar 2011, und eine Match-und-Mix-Linie, die Tennis und Fitness multifunktionell verbindet.
Fachhandel ist vorsichtig
Der gelockerte Dresscode auf dem Court ist für Heidi Schauer, Inhaberin von Sport Schauer in Schliersee, ein Grund, eher zurückhaltend zu ordern. Generell gehe man in der Auswahl auch nicht mehr so in die Tiefe wie in früheren Jahren: „Tennis kann ja jetzt mit jeglicher Bekleidung gespielt werden.“ Die Sportfachhändlerin habe aber auch in diesem Jahr wieder auf einige Artikel gebaut, wie zum Beispiel auf Skorts – kurze Röcke mit innen eingearbeiteten Shorts. Probleme bereiten Schauer die Versender: „Die sind unser Untergang.“ Dabei sei in ihrem Traditionsgeschäft, das seit fast 40 Jahren besteht, der Beratungsdiebstahl noch kein so immenses Problem wie woanders. Man setze auf Service: „Man hat nach so langer Zeit einen gewissen Stand. Die meisten Kunden meinen es ehrlich, aber wir haben andere Fälle auch.“ Bei den Marken setzt die Geschäftsfrau besonders auf Limited Sports, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme und auch Farben und Größen immer auf Lager seien.
„Von Jahr zu Jahr weniger“ ordert auch Georg Keil, Inhaber von Sport Keil im niedersächsischen Barsinghausen. Ein Grund sei der Tennis-Nachwuchs, der immer weniger werde. Außerdem schlagen die jungen Spieler in Outfits auf, die nicht zur klassischen Tennisbekleidung gehören. Die Generation 40+ gehe dagegen noch „in Short und Tennishemd“ auf den Platz und sei noch öfter bereit, „den Preis zu bezahlen, der draufsteht“. Die Versender seien für den Intersport-Händler jedoch kein Problem: „Wenn ein Kunde zu uns kommt und ein Modell zum selben Preis wie im Internet haben möchte, können wir da mitgehen.“
Versandhandel brummt
Seit fünf Jahren gehen bei keller-sports.com (München) Tennisartikel über den virtuellen Ladentisch. Der stationäre Shop auf dem Gelände des renommierten Münchner Tennisclubs MTTC Iphitos sei eher ein Service für die Vereinsmitglieder: „Wir haben uns ganz klar auf das Internet spezialisiert“, betont Inhaber Jakob Keller, „bei uns kaufen Kunden gezielt die Produkte der Stars.“ Unter den Online-Kunden richten laut Keller vor allem die Herren ihr Outfit nach den Topspielern der Tour aus. Für Frauen seien eher modische Akzente kaufentscheidend. Nike und Adidas haben im Sortiment des Versenders deutlich die Nase vorn. Der Kampf um Preise und Marktanteile sei durchaus ein Thema: „In den letzten drei Jahren hat die Preisaggressivität zugenommen. In Zukunft wird es weniger, aber größere Anbieter geben.“ Obwohl sich keller-sports.com noch in einer starken Wachstumsphase befinde, habe man bei der Order für die kommende Saison aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage „vielleicht einen Tick konservativer“ geplant.
Eveline Heinrich



