Großes Kino: Emotionale Kassenschlager zur Kundenbindung
16.12.2009
München. Filmevents rund um Outdoor liegen im Trend: Die bekannteste Veranstaltung ist die European-Outdoor-Film-Tour (EOFT), die nun schon im 10. Jahr durch 6 Länder und 85 Städte tourt.
Über 70 Händler sind Partner der Veranstaltung, die sie zur Kundenbindung und Abverkaufshilfe nutzen. In diesem Jahr werden erstmals über 50.000 Filmtickets verkauft.„Wir stellen dem Händler ein komplettes Paket hin“, erklärt Projektleiter Ulf Michels (Moving-Adventure). Die Münchner Werbe- und Filmagentur organisiert das Spektakel seit Anfang an mit Mammut und Gore. Den Ticketverkauf übernehmen die Händler. Außerdem bewerben sie die Aktion, um möglichst viele Kunden und neue Fans in die Kinos, Stadthallen oder zu anderen Austragungsorten zu locken. Manch einer schafft es, bis zu 800 Gäs-te und potenzielle Kunden einzuladen. Häufig gilt die Eintrittskarte (10 bis 12 EUR) noch als Gutschein. „Die Händler können alle Möglichkeiten nutzen, um ihre Kunden anzusprechen“, unterstreicht Michels. „Wir statten alles aus, bieten die Technik und das Drumherum.“ Der jeweilige Händler trete jedoch als Mitveranstalter auf und könne sich so seinen Kunden vor, während und nach der Vorstellung präsentieren. Die Dekoration der Werbefläche im Sportgeschäft übernimmt die Agentur. Auch in den Medien wird die Veranstaltung groß beworben, die bis Ende Dezember durch sechs europäische Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Niederlande und Belgien) tourt.
Nur einer darf mitmachen
Entsprechend groß ist der Run auf die Tour: Immer mehr Händler wollen mitmachen. „Wir nehmen nur einen Partner pro Stadt“, erläutert der Projektleiter. Das führt kurioserweise dazu, dass in Berlin Globetrotter von Anfang dabei war und auch weiter als Tour-Partner auftritt, während der in diesem Jahr neu eröffnete Markenstore von EOFT-Gründer Mammut außen vor bleiben muss.
„Sonderaktionen wie die EOFT-Filmtour sind zentraler Bestandteil in unserem Marketingmix“, sagt Mammut-Sprecherin Katharina Habermann, „wenn der Kunde zwei, drei Stunden einen Film anschaut und vielleicht ein Produkt testet, ist das viel intensiver als klassische Werbung.“ Der Kunde werde emotional gepackt, das erhöhe die Wirkung der Marke. Das unterstreicht auch Gore-Presseleiter Hans-Peter Rudolph: „Retail-Aktionen sind für unsere Marketing-Strategie ein zentrales Standbein, wir sehen darin den Hauptblock neben der klassischen Werbung.“ Die Aktion stelle für Gore auch eine Abverkaufshilfe für den Handel dar. „Wir wollen unseren Händlern den Kontakt zum Kunden erleichtern.“ Die Strategie geht auf: „Wir haben immer volle Hütte. Das ist für uns der deutlichste Beweis.“
„Partnerschaft mit Herstellern muss man leben.“
Auch bei den Outdoorhändlern kommt die Kooperation mit den Herstellern gut an. „Die letzten Jahre waren super“, freut sich Daniel Ehrich, der das Event für Unterwegs (Bremen) koordiniert. Vor fünf Jahren wurde der Händler von seinem Lieferanten angesprochen, erinnert er sich. Nach einem eher schleppenden Start sei die Nachfrage beim Kunden stark angestiegen. „Im letzten Jahr haben wir spontan einen größeren Kinosaal gemietet, weil der Andrang so groß war“, erzählt er zufrieden. Und auch in diesem Jahr waren alle 530 Karten schnell ausverkauft. Neben klassischer Werbung und Retail-Aktionen inves-tiert die Outdoorkette in den eigenen Onlineshop. „Wir sind online sehr aktiv und wollen unsere Präsenz im Netz noch stärker ausbauen“, erklärt Ehrich. Der Schwerpunkt liege nach wie vor auf lokaler Ebene im Geschäft. Aus diesem Grund bietet Unterwegs die Karten ausschließlich an der Ladentheke an.
Anders handhabt das Dirk Sundermann. Der Chef von Bergsport Sundermann (Münster) ist seit der 1. Filmtour dabei und verkauft sein Kartenkontingent (800 Stück) hauptsächlich im Laden und zu einem Drittel online. Sundermann, dessen Familienbetrieb im vergangenen Jahr 30. Jubiläum feierte, sieht in der Tour vor allem eine Investition in Kundenbindung. Um seinen Kunden immer etwas Neues zu bieten, lässt er sich viel einfallen: So habe er seinen Kunden jüngst auch den neuen Salewa-Film „Nanga Parbat“ exklusiv als einer von sechs Veranstaltern in Deutschland vorgeführt. „Die Partnerschaft mit den Herstellern muss man leben. Dann funktionieren die Dinge auch.“
Ramona Fischer




