Hanwag

Fußball-WM wirft positive und negative Schatten voraus

Zürich. Mit einem Umsatz von knapp 2,2 Mrd. CHF in 2009 stagniert laut schweizerischem Händlerverband (Asmas) der Schweizer Sportartikelmarkt auf hohem Niveau.

Zur Fußball-WM in Südafrika setzt die Branche große Hoffnung auf das bevorstehende Massenspektakel. Die WM könne zwar mit der im eigenen Land ausgetragenen EM kaum mithalten. Doch mit dem Start der National-Elf steht auch das Schweizer Nationalgefühl und damit die Sportartikelbranche Gewehr bei Fuß. Die ersten Händler sind schon aufs Spielfeld gegangen. Sie fürchten jedoch massive Störflanken seitens der Discounter.
Diese preschen vor, pressen schon jetzt Ware in den Markt: Über Kooperationen mit Sportvereinen vor Ort versuchen sich Athleticum, Ochsner & Co ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern. Auch Händlerverbände buttern schon fleißig in den WM-Wahn. Mit Fan-Artikeln unterm Weihnachtsbaum wie dem offiziellen WM-Ball oder Heim-Trikots konnte die Intersport Gruppe laut internationalem CEO Franz Julen ihre Bilanz für 2009 kräftig nach oben drücken. „Die WM ist für uns ein riesiges Event“, bestätigt auch René Spori, Marketingleiter von Intersport Schweiz, gegenüber sportFACHHANDEL. Über zusätzliche Marketingmaßnahmen und Kampagnen mit starken Marken, wie etwa dem Branchenriesen Adidas, wolle der Verband das Fußball-Spektakel im eigenen Händlernetz befeuern. „Die WM ist ein Treiber“, so der Marketing-Chef. Die Kunden seien voll und ganz auf das Thema Fußball sensibilisiert. Diesen Aufwind wolle Intersport nutzen, um den Handel zu unterstützen: „Auch für den Sportfachhandel ist es wichtig, dass wir das Event zum Thema machen.“
„Die WM ist für uns ein entscheidender Faktor“, unterstreicht Michel Pompanin, Geschäftsleiter von Sport Kost (Basel). „Wir planen verschiedene Aktionen und werden uns zur WM hin breit aufstellen“, betont der Händler, der bereits zur EM 2008 sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Auch Pompanin erwartet eine Sonderkonjunktur mit steigenden Umsätzen und will zur WM hin verstärkt ordern. Jetzt schon Ware zu bestellen, hält der Geschäftsmann allerdings für verfrüht. Er setzt auf Klasse, statt Masse: „Unser Ziel ist es die Identifikation mit dem Sport und dem Schweizer Team zu fördern“, so Pompanin. Die anstehende WM wolle er nutzen, um sich als Fachhändler zu profilieren und gezielt vom Discount- und Dumpingwahn abzugrenzen.

Trikotsumsätze laufen an
Seit Weihnachten auf Fußball eingestellt, ist Primus Greile (Fußball-Corner Oechslin) in Zürich. Im Weihnachtsgeschäft bereits wurden Maskottchen und Fanartikel verkauft. „Die ersten T-Shirts sind schon eingetroffen und wurden gut verkauft“, berichtet der Händler. Die Nachfrage und das Fieber würden sicher noch steigen. Bereits vor Monaten bestellte er Ware bestellen, meist bei den Firmen (Puma, Adidas, Nike) direkt, sonst würde nichts rechtzeitig eintreffen. Schon zur EM gab es da einige Enttäuschungen. „Fußball ist unsere Passion“, sagt der Händler, der seit 1974 im Geschäft und landesweite Anlaufstelle für Fans ist. „Wir verkaufen nur Original-Trikots“, erklärt Greile, der sich von der WM mindestens soviel verspricht wie bei der EM vor zwei Jahren im eigenen Land. Im März kommen die neuen Puma-Trikots der eigenen Nationalmannschaft, die ja das Ticket nach Südafrika schaffte. „Wenn die Schweizer eine Runde weiterkommen, verkaufen wir gleich 2000 Trikots mehr“, meint der Fußball-Spezialist.


Discounter angeln sich Vereine
Das WM-Fieber ist ausgebrochen, die Erwartungen im Fachhandel sind hoch. Da ärgert es ganz besonders, dass sich Discounter schon online in Stellung bringen und Preisaktionen ankündigen. Noch würde Ochsner seine Winterware rausdrücken, meint Greile, doch bald würde der Filialist starten. Dabei wurmt es den Händler vor allem, dass „die Discounter häufig mit Netto-Preisen operieren“. Das sei immer gefährlich für den Fachhandel, weil es den Konsumenten verunsichert, sagt der Händler. Und im Raum Bern schloss Athleticum offenbar mit örtlichen Sportvereinen eine Art Sponsor-Vertrag, mit denen die Vereinsmitglieder vergünstigt bei der Manor-Tochter einkaufen könnten, schimpft ein ansässiger Verbandssporthändler.     rf

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