Die Schweiz kann auch billig!
25.03.2010
Bern. In der Schweiz trumpft Intersport im nächsten Jahr mit einer neuen Billiglinie auf.
Diese heißt „Budget“ und wurde bereits fünf Jahre lang in Finnland erfolgreich getestet. Dafür verantwortlich ist Intersport International mit Sitz in Bern (IIC) unter der Führung von Franz Julen. Der versprach seinerzeit: In fünf Jahren wolle man rund 50 Budget-Stores in bis zu acht Ländern führen. Doch davon ist der internationale Händlerverbund weit entfernt. In Finnland selber existiert ein Dutzend Budget-Läden, mit der Schweiz ist nun das erste Land nach dem skandinavischen Vorreiter auserkoren, die Billigstrategie fortzuführen.
Ob von den Eidgenossen aus der Roll-out auch Richtung Deutschland und Österreich erfolgen wird, möchte noch kein Beteiligter kommentieren. Zunächst soll in der Schweiz ab nächstem Jahr der Testlauf absolviert werden. Intersport-International Sprecher René Spöri ist sich sicher, dass es dort einen Markt für günstige Sportartikel gibt. Bezeichnenderweise suchte sich Intersport bei den Eidgenossen als ersten Vertriebspartner den Schweizer Billig-Filialisten Otto´s aus, der nahezu flächendeckend über 100 Läden verfügt. Otto‘s wurde vor 30 Jahren vom späteren Nationalrat Otto
Ineichen gegründet und jetzt von Sohn Mark Ineichen geleitet. Verkauft werden dort hauptsächlich Restposten und Schnäppchen-Angebote von der Bekleidung bis zur Waschmaschine und Autos. Welche Art von Sportartikeln Otto‘s im Angebot habe könnte, wird noch nicht verraten.
Die IIC betont jedenfalls, dass für die Abwicklung und Positionierung von „Budget-Sport“ eine eigenständige Firma mit einem selbstständigen Vertrieb und Einkauf aufgebaut werden soll. Die neuen Vertriebspartner, die Otto‘s folgen sollen, werden in ein Franchise-System eingebettet. Das Sourcing der Ware wird von der IIC übernommen. Nach Informationen von sportFACHHANDEL soll es so wenig wie möglich Überschneidungen mit dem Waren-angebot aus dem offiziellen Zentral-regulierungs-Bestand von Intersport geben. Dem Vernehmen nach dürfte Intersport International also auch auf internationalem Parkett auf Produktsuche gehen oder direkt bei den Herstellern anklopfen, um das Budget-Angebot zu vervollständigen. Ob und was es für eine Art von Budget-Eigenlinie geben könnte, ist noch unklar. Derzeit wird zunächst nach weiteren Vertriebspartnern in der Schweiz gesucht, die mit Otto‘s gleichziehen sollen. Ab 2011 wird Otto‘s mit neuen eigenen Pilotgeschäften in der Schweiz an den Budget-Start gehen, erklärt Spöri.
Keine Konkurrenz in den eigenen Reihen
Eine direkte Konkurrenz zu den Intersport-Franchisepartnern sieht Spöri nicht. Die Argumentation: Der Markt wachse in zwei unterschiedlichen Richtungen. Einerseits verstärke sich der Premium-Sektor und andererseits wachse der Günstig-Bereich. Schweizer Sporthändler aus dem Hause Intersport sollen vorwiegend den Premiumsektor abdecken; mit Budget im Billigbereich will Intersport im unteren Preissegment künftig stärker mitmischen. Der Konsument erhalte bei Budget Sport eben keine Beratungskompetenz, sondern qualitativ gute Eigenmarken und auch Fremdmarken zu absoluten Tiefpreisen, betont Spöri. Ob dazu auch noch eine Bestpeis-Garantie abgegeben wird, ist noch umstritten. Ungeklärt ist auch noch, ob sich nicht doch noch Intersport-Händler für die Budget-Linie entscheiden und in Zukunft selber Läden parallel zu den regulären Sportgeschäften eröffnen dürfen. rf



