Bonusmeilen für den Mittelstand –oder so
25.03.2010
Mittelstand, du darfst dich freuen: Die Politik hat immer ein offenes Ohr für dich und lässt dich teilhaben an der großen weiten Welt.
Zuletzt war das bei der extrem wichtigen Reise des Bundesaußenministers nach Lateinamerika zu besichtigen. Wie die letzten Plätze der deutschen Wirtschaft in solchen Flugzeugen besetzt werden, haben wir nicht herausfinden können, wohl aber, dass der Mittelstand in der Business-Class sitzt – vom Auswärtigen Amt ganz fest versprochen. Guido Westerwelle höchst da selbst gab aus den Tropen Auskunft (mittels der soliden Welt am Sonntag), dass es weitere Reisen geben werde, und der Mittelstand ist – gewissermaßen als Rückgrat der Wirtschaft, wie sich der Chefdiplomat ausdrückt – auch weiterhin dabei.Von daher müsste es eigentlich ein schlaues Leben sein, ein Mittelständler zu sein: Als mittlerer Unternehmer zeigt man künftig nicht mehr nur Rückgrat gegenüber seinen eigenen Kunden, sondern tut dies auch noch im Namen eines ganzen Landes. Das macht stolz, bürdet aber allerhand Arbeit auf: Bitte nicht mehr hinter dem eigenen Ladentisch wegducken und Maulaffen feil bieten! Das ist altmodisch. Stattdessen sollte jeder aufrichtige Händler Rückgrat zeigen, nicht über sein kaputtes Kreuz jammern und den beschwerlichen Weg in die Sonne auf sich nehmen. In letzter Zeit war im Angebot: Argentinien bei milden Temperaturen, Brasilien im Vorfeld der übernächsten Fußball-WM, und Chile soll ja auch ganz nett sein. Das alles für lau, Bonusmeilen inklusive.
Damit sind natürlich der mittelständische Sportfachhandel und dessen Lieferanten aktiv angesprochen: Bitte buchen, Bonusmeilen sammeln und beim Reiseveranstalter Auswärtiges Amt aktiv nachfragen, in welche Listen man sich für die Bewerbung eintragen darf. Früher hat man gesagt: „Frech kommt weiter!“ Heute gilt das nicht mehr, denn frech „fliegt“ weiter. Letzter Aufruf! mh
ANZEIGE



