Hanwag

2009: Von Paukenschlägen und Freudenhäusern

Wien. 2009 war für Spannung gesorgt: Zum Risikofaktor Wetter gesellt sich die drohende Krise.

Mit einem Paukenschlag, der als »Althaus-Effekt« in die Sportgeschichte eingeht, beginnt das Jahr. Der tödliche Skiunfall am Neujahrstag, an dem der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus beteiligt war, schürt heiße Diskussionen zur Helmpflicht. In einer Unfallrisikostudie des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) wird der Effekt gemessen. Ergebnis: Die Helmtrage-Moral der Österreicher stieg seit Dezember 2008 um 20%. Nun ist die Helmpflicht da, jedoch beschränkt auf Kinder und abhängig von länderspezifischen Entscheidungen.

Sorge um den Skinachwuchs
Der Wermutstropfen: Der schleppende Skiverkauf. Die Branche plagt der schwer zu motivierende Skinachwuchs. Das weltweit erste live im TV zu sehende Skirennen in einer Skihalle, das der neu gegründete Verband ESF (Präsident: Peter Schröcksnadel) im französischen Amneville les Thermes organisierte, sollte aber signalisieren, was im verstaubten Skisport alles möglich ist. Zumindest die Wiederbelebung der als Schulveranstaltung geführten Wintersportwoche wird von Netzwerk Winter forciert: In Kooperation mit dem VSSÖ, dem Bundesministerium für Unterricht, den Skimarken Atomic, Blizzard, Fischer und Head sowie dem Sportfachhandel ist es gelungen, dass Lehrer einen Rabatt von 40% auf ihre Ski bekommen.

Gedränge am Outdoor-Markt
Outdoor ist der Marktgigant. Lange unter Wert gehandelt, scheint nun das Gegenteil einzutreten: große Überschätzung. Dementsprechend auch das Klagen im Handel. Störfaktor Nr. 1 sind Trittbrettfahrer. Wenn es um die Eigenmarken der
Filialisten geht, klagt die Industrie mit. Intersport Österreich und Sport Eybl rühmen den Erfolg ihrer Eigenmarken. Trotz angespannter Marktsituation rechnet die Branche im Outdoor-Segment allerdings mit einem weiteren Wachstum.

 

Wettrüsten der Einkaufsverbände
Sport 2000 startete im April eine Restrukturierung, die nicht ganz schmerzlos war: Der Kündigung von zehn Mitarbeitern und der internen Straffung von Abteilungen folgte der Antrag, die Genossenschaftseinlagen zu erhöhen. Zu einer Einigung und Kapitalaufstockung kam es erst im Oktober, als eine stille Gesellschaft gegründet wurde, damit sich die (nach Einkaufsvolumen festgelegten) Mitgliedereinlagen nicht in Stimmrechten niederschlagen.
Hohe Erwartungen werden in den Verleihmarkt gesetzt: Um Argumente im Preiskampf zu haben, installierte Sport 2000 ein TÜV-Zertifikat zur Qualitätssicherung.
Innerhalb der Intersport Österreich lassen starke Mitglieder die Muskeln spielen: Das Motto lautet Expansion. Intersport Bründl (Kaprun), mittlerweile mit 16 Shops sehr aktiv, eröffnet im Outlet Salzburg (Wals) eine Res­-terampe. Die Gesellschafter der Intersport Montafon, Schruns und Rankweil (Tobias Stergiotis, Bernd und Irene Montibeller, Erhard Fischer) investieren 11 Mio. EUR in das neue Geschäft (2200 qm) in Dornbirn. In Eigenregie legt die Intersport mit zwei so genannten Mustershops in Vomp bei Innsbruck und Oyenhausen bei Baden los.

Einkaufserlebnis neu definiert
Zu den außergewöhnlichen Projekten zählt das „Freudenhaus“ der Familie Lürzer in Obertauern. Die Betreiber von drei Hotels, zwei Skihütten und einer Skischule kreieren das Shopping-erlebnis „Mundwerk“, eine Kombination aus Restaurant, Lounge und Bar. Auch Kneissl hat mehr als einen Stern verdient mit der Star Lounge in Innsbruck, die Shop und Gastronomie vereint.
Ambitionierte Konzepte gibt es auch in der Boarderszene: Blue Tomato (Schladming) will im Herbst 2010 einen neuen Shop in Wien eröffnen. In der Neubaugasse, angrenzend an eine der größten Einkaufsstraßen, die Mariahilfer Straße, soll die jugendliche Klientel mit den Themen Snowboard, Freeski, Skate und Surf angesprochen werden. Der Shop soll sich über drei Etagen füllen.

Hildegard Suntinger

 

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