Talwärts
11.03.2010
Wer das Internet und seine Vorteile richtig nutzt, hat nicht nur in unserer Branche die Nase vorn.
Die Ansätze sind vielfältig: Sie reichen von der reinen Imageseite über Info-Portale bis hin zum eigenen Web-Shop. sportFACHHANDEL testet an dieser Stelle neue, interessante oder auffällige Websites von Sportgeschäften und bewertet sie. Heute nehmen wir uns den niederbayerischen Händler Herbert Hackl vor, der sich seit 20 Jahren in der Snowboard-Szene einen Namen macht. Auch im Netz ist er vertreten, doch dort steht bei ihm nicht der Verkauf im Vordergrund, sondern Kompetenz in Beratung und Event-Marketing. Zudem gibt er sportlichen Insidern viele Tipps und Tricks und verblüfft auch mit einem Snowboard-Lexikon.
Herbert Hackl ist seit 1989 Wegbereiter des Snowboard-Sports in Deggendorf. Mit seiner Devise „all business is local“ belebt er die Snowboard-Szene und holt Kunden in sein Geschäft. „Mein Laden ist eine stabile Burg“, resümiert Hackl, dessen konsequente Strategie sich auszahlt. sportFACHHANDEL hat www.talwaerts.de online besucht und auch persönlich mit dem Fachhändler über Kundenbindung über das Netz gesprochen.
Aufklärung wichtig
Die Webseite liefert Informationen rund ums Snowboarden. Die Navigationsleiste links gliedert sich unter anderem folgendermaßen auf: Snowboard Lexikon – Einsteiger wie Fortgeschrittene finden ausführliche Erklärungen zu Begriffen, über die man in der Szene stolpert. Tipps und Tricks – hier verrät der Service-Spezialist bewährte Methoden zur Pflege und Wartung der Bretter. Buyer‘s Guide – vermittelt dem Kunden, was er bei der Auswahl eines Snowboards beachten sollte. Die funktionale Positionierung der Kontaktdaten und Öffnungszeiten entspricht der Philosophie des Inhabers: „Mit teurem Marketing-Schnickschnack habe ich nichts am Hut. Wir setzen auf Information und Wissensvorsprung“, erklärt der Händler seine Motivation. Professioneller Service steht für den Fachhändler, der neben seinem Shop auch einen Snowboard-Verleih betreibt, an erster Stelle. „Online-Discounter ruinieren den professionellen Fachhandel“, ärgert sich Hackl. Mit seinem Angebot will er sich von Billig-Händlern abgrenzen und mit fachlichem Know-how zeigen, dass individuelle Beratung bei der Suche nach dem optimalen Snowboard notwendig und im Sinne des Kunden wichtig ist.
Plattform für den Regionalmarkt
Personalisierung ist ein zentraler Bestandteil von Talwärts. Ziel ist, dem Kunden Spaß und Freude am Boarden zu vermitteln. „Über die gemeinsame Passion wollen wir Kunden für uns gewinnen und langfristig an uns binden.“ In einem tagesaktuellen Blog postet er News und Trends aus der Szene, gibt Tipps rund ums Boarden oder berichtet über die Schneeverhältnisse auf der lokalen Piste. Mit seiner Website richtet sich der Fachhändler dabei gezielt an sein lokales Publikum. „Es gibt hier eine sehr lebendige Szene, die wir in den letzten 20 Jahren aufgebaut haben“, erzählt Hackl. Seinen Webshop sieht der Händler vor allem als „Plattform für den Regionalmarkt“. Bei den angebotenen T-Shirts handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt. Die Kollektion habe er zusammen mit Studenten entwickelt, produziert und fotografiert. „Diese Kollektion ist komplett au-thentisch, das gibt es nur von uns.“ Der Händler hat inzwischen ca. 50 Anfragen abgelehnt, seine Kollektion in größeren Mengen zu verkaufen. Die Produkte landen hinterher nur im Online-Versand, vermutet Hackl. „Ich konzentriere mich lieber auf mein lokales Geschäft.“
Szenetreff Snowboard-Laden
Auf lokaler Ebene sieht der Händler die Stärke des Fachhandels. Nach Ladenschluss investiert er viel Zeit und Energie in Aktivitäten der heimischen Szene; so veranstaltet er zwei Mal pro Woche Racer- und Freestyle-Treffen, bietet Ausfahrten an und organisiert Freestyle-Shows. Mit seiner „Green-Pants“-Aktion – Aufkleber die Teilnehmer auf ihre Boards kleben können – soll ein Gemeinschaftsgefühl geweckt werden. Dieses Ziel verfolgt Hackl auch an der Verkaufsfront. Im Rahmen eines Umzuges plant er im September dieses Jahres den Relaunch seines Snowboard-Ladens als Szenetreff mit integrierter Bar. Auch online will der Händler in diese Richtung investieren. Neben Social-Network-Seiten wie Facebook oder MySpace plant er sich auch inhaltlich noch deutlicher zu positionieren. „Meine Seite wird moderner, umfangreicher – und noch kritischer.“
„Man muss selbst zur Marke werden“
Um das damals exotische Produkt „Snowboard“ an den Kunden zu bringen, setzte der Händler von Beginn an auf Testaktionen, bei denen die Kunden verschiedene Produkte ausprobieren konnten. Mit dem Online-Boom habe er diesen Service vor einigen Jahren jedoch reduziert und bietet die Test-Events nur noch zwei Mal im Jahr an. „Vertrauen ist das A und O“, sagt Hackl, der sich über die Jahre einen treuen Kundenstamm aufgebaut hat. „Die Leute kommen auf Empfehlung, weil sie wissen, dass sie vernünftige Ware zu einem vernünftigen Preis bekommen.“ Sich allein auf eine Marke zu verlassen, sei für den langfristigen Erfolg der falsche Weg. „Man muss selbst zur Marke werden“, ist der Fachmann überzeugt.
Fazit: Ein personalisiertes Händlerprofil, das zeigt, wie man mit einfachen Mitteln eine informative und kundenorientierte Website gestalten kann. rf



