Mit Schwung in die nächste Saison
04.02.2010
Topfit und ausgeruht starten Deutschlands Geräte-Hersteller durch ins neue Fitness-Jahrzehnt.
Anders als die Autoindustrie müssen sie sich von keinem Konjunkturtief erholen: Deutschland hält sich fit selbst wenn das Geld etwas knapper ist. Grund genug, sich die Neuheiten, Glanzstücke und aktuellen Trends in der Branche genauer anzusehen.
Die Ausgangsposition für neue Höhenflüge ist gut, sowohl bei Studio- wie bei Heimgeräten. Im vergangenen Jahr wurden nach Branchenschätzungen 130 bis 140 Mio. EUR an Geräten in kommerzielle Studios investiert. Der Heimtrainermarkt verbuchte sogar ein Umsatzvolumen von 260 bis 280 Mio. EUR. Rund 260.000 Großgeräte werden jedes Jahr an Endverbraucher verkauft. Und der Strom reißt nicht ab.
Der größte Fisch im Home-Fitness-Teich bleibt Kettler (Ense-Parsit). Der Markführer setzt weiterhin auf Heimtrainer, Crosstrainer und Ergometer. Zusammen mit dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Dortmund hat Kettler das Technologie-Konzept „e-sys“ („exact system“) entwickelt. Dieses ist für die Feinabstimmung zwischen mechanischen und elektronischen Komponenten sowie für die optimale Anpassung der Geräte an die Körperhaltung zuständig. So soll ein sicheres und genau dosierbares Training ermöglicht werden. Neun Modelle – vom Einsteiger- bis zum Profi-Gerät – stehen zur Verfügung.
Junges Design bringt frischen Wind
In Zusammenarbeit mit der Design-Agentur Kiska entstand die neue Crosstrainer-Serie „ELYX“, die deutlich laufruhiger und mit sportlich-dynamischem Design daherkommt. Die Geräte sind leicht, aber trotzdem kompakt und standfest. „Mit dem neuen Design möchten wir besonders die Jugend
ansprechen“, erklärt Daniel Marchwinski, Junior Produktmanager Sports. Die klassische Zielgruppe für Heimtrainer seien Menschen ab 40, aber mit einem frischen Design wolle man den Spagat schaffen.
Zusätzlich bringt Kettler in der kommenden Saison als POS-Zuckerl ein durchgestyltes Accessories-Programm auf den Markt. Anhand von drei Farbgruppen lassen sich die einzelnen Komponenten auf den ersten Blick unterscheiden: Die Balance Line steht für Entspannung, Wellness sowie Pilates und ist in Apfelgrün mit Lila gehalten; die in Blau gestaltete Workout Line steht für die Steigerung der körperlichen Fitness, während Rot als Grundfarbe die Produkte der für das Krafttraining zuständigen Power Line trägt.
Schickes Aussehen ist nicht genug
Musik ist Pflicht bei Style Fitness (Frechen): Die Elliptical Ergometer der neuen Generation warten nicht nur mit einem außergewöhnlichen Design sowie MP3-Anschluss und iPod-Dock auf (etwa das Diamante Rojo E5), sondern kombinieren es mit einem Höchstmaß an Ausstattung und robuster Bauweise. Schickes Aussehen genügt aber nicht: Eine maximale Griffhöhe von 198 cm ermöglicht auch großen Sportlerinnen und Sportlern eine ideale Bedienung des Geräts. Der geringe Q-Faktor (Pedalabstand) hilft im Zusammenspiel mit extragroßen, bewegungsdynamischen Pedalen der idealen Trainings-Ergonomie auf die Sprünge.
Das drehzahlunabhängige Elliptical Ergometer Elite E5000 von Style Fitness ist mit einer Induktionsbremse ausgestattet. Dieses Modell verfügt über zehn Trainingsprogramme, inklusive einem pulsgesteuerten und zwei Benutzerprogrammen. Es ist für Benutzer bis zu einem Gewicht von 140 kg geeignet. Überdies besitzt das Elite E5000 über ESQF, zwei proFILE-Benutzerspeicher, bewegungsdynamische ERGOflow-Pedale und ein iPod-Dock.
Gute Trends rosten nicht
Für die neue Saison setzt die Hammer Sport AG (Neu-Ulm) derzeit noch auf Altbewährtes: 2007 auf den Markt gebracht, entwickelte sich Finnlo Bio Force 2009 nach Auskunft von Hammer-Vertriebschef Roland Mayer zur bestverkauften Kraftstation Deutschlands in ihrem Preissegment. Anstatt mit Gewichten funktioniert das Gerät mit stickstoffgefüllten Zylindern. So lässt sich die Intensität verändern, ohne die Übung zu unterbrechen.
Ein gleichbleibender Trend lasse sich auch bei den Ellipsentrainern ausmachen, sagt Mayer. Die frontgetriebenen Geräte erleichtern den Umstieg auf den Crosstrainer mithilfe einer größeren Schrittlänge (51 cm) und einem besonders geringen Pedalabstand (11 cm). Zwar wird bei Hammer Sport im Gerätebereich momentan intensiv geforscht und getüftelt, aber Roland Mayer will noch nichts Genaueres verraten: „Dafür ist es noch zu früh.“
Trend: Selfness statt Wellness
Florian Schmetz, Account Manager Vertrieb der Ludwig Artzt GmbH (Dornburg) macht für die kommende Saison drei Trends aus: „Wir beobachten eine Zunahme der Eigenvorsorge – Selfness statt Wellness, das Verschmelzen der Branchen Gesundheit und Fitness zur sogenannten Medical Fitness sowie ein steigendes Qualitätsbewusstsein.“ Man tue etwas für sich, um Geist und Körper in Schwung zu halten. Die Ludwig Artzt GmbH hat sich als Experte von Kleingeräten für den Privatkundenmarkt etabliert. „Hier liegt eine große Chance für den Fachhandel“, sagt Schmetz. „Es muss nicht immer das Gruppenerlebnis im Fitnessstudiu sein.“ Das Repertoire der Marke Artzt vitality umfasst neben klassischen Produkten wie Übungsbändern, Stabilitätstrainern und Fitness-Matten, auch richtungweisende Innovationen wie Mini-Stabilitätstrainer für Füße und Sprunggelenke oder etwa Kinesiologische Tapes zur Selbstapplikation. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Produkten und Konzepten, deren Effizienz sportwissenschaftlich belegt ist.
Schnell wie der Wind
Reebok Fitness und damit auch ihr größter europäischer Vertreiber Green Fitness (Limburg an der Lahn) möchten der Konkurrenz 2010/11 im wahrsten Sinn des Wortes davonlaufen. „Wir setzen im Bereich Fitnessgeräte stark auf das Thema Laufen und Laufbänder als natürlichste Fortbewegungsform“, sagt Marketing Manager Fabian Kolonko. Die Reebok-Laufbänder der neuen Generation sind perfekt auf die speziellen Bedürfnisse von Homefitness-Sportlern abgestimmt: Die Lauffläche ist extragroß (140 x 50 cm), jedes Laufband verfügt über einen integrierten Pulsmesser; eine spezielle Dämpfung, das Rubber Cussion Deck, schont die Gelenke und dämpft die Laufgeräusche. Zusätzlich sind alle Laufbänder mit einem Klappmechanismus ausgestattet, der eine besonders leichte und platzsparende Lagerung ermöglicht.
Das Reebok-Laufband-Highlight der Saison ist das T5.2. Es verfügt über einen Computer mit integriertem Multicolor-TFT-Touchscreen und eine iPod-Dockingstation inklusive Doppellautsprecher. 2,25 PS Motorleistung, die 15-fach elektronische Höhenverstellung sowie 44 Trainingsprogramme und Direktwahltasten für Steigung und Geschwindigkeit bringen selbst Profis ins Schwitzen.
Je höher die Steigung, desto schneller purzeln die Pfunde: Schmidt Sports (Solingen) setzt in der kommenden Saison voll auf den Nordic-Track-Incline-Trainer. Mit einer Motorleistung von 1,75 PS, einer Geschwindigkeit von bis zu 16 km/h und einer per Knopfdruck regulierbaren Steigung von bis zu 40% ermöglicht der Incline-Trainer einen fünffach höheren Kalorienverbrauch als beim einfachen Gehen. Neun Programme sind vorinstalliert; die Reflex-Federdämpfung absorbiert bis zu 38% der Gelenks-belastung. Auch für Unterhaltung ist gesorgt: Das Hi-Altitude-Grafixx-Display simuliert den Bergaufstieg, ein iPod-Dock versüßt die virtuelle Gipfeltour.
Anita Klingler



