Leserbrief von Alexander Hausch, Verkaufsleiter bei Sport Tiedje
19.02.2010
„Im Titel und im Teaser Ihres Artikel locken Sie mit Informationen zu den Themen „Bauerfänger“, „-krake“ und „Bedrohung". Leider gehen Sie im Artikeltext nicht wieder darauf ein.Sämtliche Gegenargumente ungenannt mit dem Argument: „verkauft ist verkauft“ vom Tisch zu wischen ist viel zu einfach. […] Ich sage, es ist bei allen geschilderten Vorteilen vielen Interessenten und Nutzern nicht bewusst, dass Sie bei Nutzung der Handelsplattform Amazon Marketplace einem Wettbewerber Geld dafür zahlen, ihn mit Verkaufsstatistiken zu versorgen.
Amazon ist und bleibt ein Händler, der in allen Kategorien selber verkauft, nachdem genügend Marketplace-Teilnehmer auf eigenes Risiko für posi-
tive Verkaufszahlen gesorgt haben. Amazon analysiert genau, welches Produkt zu welchem Preis in welcher Stückzahl verkauft wird und bootet die eigenen Kunden (Marketplace-Händler) aus.
Auch vielen Herstellern, die direkt mit Amazon arbeiten, ist nicht bekannt, dass das Amazon-Sortiment in den USA immer mehr von Amazon-Eigenmarken durchsetzt ist. Die Marke Amazon-Basics im Elektronikbreich wird ja noch offen kommuniziert. Die Amazon-Handelsmarken Strathworth, Denali, Pike Street und Pinzon werden vom US-Verbraucher kaum als solche wahrgenommen und werden sogar von anderen Händlern außerhalb Amazon vertrieben.
Mein Fazit: Wer an einem kurzfristigen Umsatz interessiert ist und dem „verkauft ist verkauft“ passt, kann sich weiter mit Amazon beschäftigen. Der Fachhändler, der langfristig plant und keinen Wettbewerber stark und schlau machen möchte, sollte die Finger von Amazon lassen.“
Sehr geehrter Herr Hausch,
die politische Brisanz des Themas „Amazon Marketplace“ aus Fachhandelssicht ist mir wohl bewusst. Sie haben völlig recht, wenn Sie hier mehr Details einfordern. Mir war wichtig, zuerst Chancen für den Einzelnen aufzuzeigen. Und hier hat Amazon einiges zu bieten. Kleinere Händler ohne eigene Online-Plattform können mit Amazon Potentiale erschließen, die auf dem Wege üblicher Werbebemühungen meist nicht zu erreichen sind. Meiner Einschätzung nach sind direkte Nachteile für den Einzelnen kaum auszumachen. Ein „Bauernfänger“ ist Ama-zon gewiss nicht.
Betrachtet man das Thema jedoch in einem moralischen Zusammenhang, stimme ich Ihnen zu: Der Marktführer kann hier dank technologischer Überlegenheit sehr strukturiert umfassende Marktdaten erheben. Diese Daten sind wesentlich präziser als studien-basierte Marktforschung, da sie auf tatsächlichen Transaktionen beruhen. Auf diesem Wege kann Amazon natürlich sehr exakt bestimmen, welche Produkte in welchen Ländern zu welchen Preisen am besten verkäuflich sind. Die Entscheidung, deswegen auf die Nutzung dieses Absatzkanals zu verzichten, muss jeder für sich in seinem stillen Kämmerlein treffen.
Beste Grüße, Ihr Nils-Peter Hey
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