Hanwag

Die Jagd nach dem Gramm ist noch lange nicht vorbei

„Weniger ist mehr!", lautet bei den Outdoor-Herstellern die Devise.

Ob Rucksäcke, Kocher, oder Zelte – das Rennen nach der leichtesten Ausrüstung ist wieder offen. Dabei beweisen sich manche Konstrukteure als sehr einfallsreich und verzichten auf eigentlich wichtige Ausstattungsdetails: Die Trekkingstöcke
ersetzen das eigentliche Zeltgestänge und auf ein Innenzelt verzichten gewichtsorientierte Abenteurer, wenn das eine oder andere Pfund eingespart werden kann. So sehr Outdoorer das eine oder andere Kilogramm an Ausrüstung einsparen, bei bestimmten Dingen hört für sie der Spaß in der Natur auf. Dazu gehört beispielsweise ein Mobiltelefon, dessen Akkus leer sind. Um solche Probleme zu lösen, steht marktreifes Equipment zur Verfügung, das sich als Verkaufsrenner entpuppen dürfte.

 

Sonne im Herzen und das Solar-Panel auf dem Rucksack. So könnte das Motto von so manchem hartgesottenen Outdoorer lauten. Schließlich will niemand in der Wildnis auf sein Smartphone, GPS-Gerät, den MP3-Player und die Digitalkamera verzichten. Doch der technische Ballast benötigt Strom, den es außerhalb der Zivilisation eher selten gibt. Damit man auch in den entlegensten Winkeln der Erde die Mobilbox checken und sich vor malerischer Kulisse seine Lieblingssongs auf dem MP3-Player anhören kann, sorgen diverse Anbieter von Solarlösungen. Neben Silva, Solarc, Powerfilm und Brunton ist auch Vaude mittlerweile in dieser lukrativen Nische tätig. Durch neue Fertigungstechniken ist es mittlerweile möglich, rollbare, mobile Sonnenkraftwerke zu produzieren, wie es Brunton mit seiner Solaris-Serie beweist. Auf dem Rucksack, Kajak oder der Pulka lassen sich die Module befestigen und dadurch die Akkus aufladen. Wer bei einer Trekkingtour im Himalaya oder in Feuerland von Licht-reflexen am Horizont irritiert wird, kann beruhigt sein: Es handelt sich höchstwahrscheinlich um mobile Solarpanels von anderen Trekkern.
Kleinkinder brauchen weniger Ausrüs-tung?! Das stimmt schon lange nicht mehr, denn früh übt sich, was ein Outdoorer werden will. Bushbaby brachte mit dem Nestegg ein insektendichtes Mini-Zelt für Kleinkinder auf den Markt. Die alte Wanderer Weisheit „Wie man sich bettet, so liegt man“ trifft auch auf die Kleinsten zu, und deshalb ist das Nestegg mit einer selbstaufblasenden Isomatte ausgestattet. Wenn es den Nachwuchs oder die gestressten Eltern einmal nicht nach draußen zieht, lässt sich das Nestegg auch als Spiel- oder Schlafzelt im Haus verwenden.

Verzicht auf überflüssiges Beiwerk

Immer puristischer fallen die Rucksäcke aus. Auf störendes Beiwerk verzichten die Hersteller und versuchen auch weiterhin das Gewicht der Säcke nach unten zu korrigieren. Am Material, Tragesystem und der Ausstattung lassen sich weitere überflüssige Pfunde einsparen. Bei Deuter wiegt das Modell Spectro mit 32 Litern knapp über einem Kilo. „Dieses Projekt war eine echte Überzeugungstat. Ausgereiftes noch besser machen und Leichtigkeit mit Funktion zu vereinen", erläutern die beiden Produktentwickler und Designer Steve Buffington und Thomas Hilger die Marschrichtung.
Um ein funktionelles Leichtgewicht handelt es sich auch bei dem Revo 35, einem Allround-Rucksack von Salomon. Dass Gewichtsersparnis nicht
immer auf Kosten von Komfort gehen muss, beweist die neuee Version dieses Modells: Hier erhielten die Schultergurte einen weicheren, per-
forierten EVA-Schaumstoff. Vom Trinkbeutelfach bis hin zur Eispickelhalterung bietet der Revo 35 etliche Detaillösungen, auf die Kunden achten.
„Fiat lux! – Es werde Licht!" Stirnlampen der neuen Generation zeichnen sich durch eine optimale Lichtausbeute, minimalem Batterieverbrauch und ein sehr geringes Gewicht aus. Petzl stattete seine Myo Xp mit drei verschiedenen Helligkeitsstufen aus. Hinzu kommen Sonderfunktionen wie der Boost-Modus. Hier scheint für 20 Sekunden lang die Stirnlampe 95 Meter weit. Ansonsten kommt der Lichtkegel bis maximal 45 Meter. Die Leuchtdauer gibt Petzl mit 170 Stunden an. Damit keiner der Nutzer Kopfschmerzen von der Lampe bekommt, beträgt das Gewicht inklusive Batterien nur 175 g. Noch leichter ist die Primus Prime Lite Race: Dieses Modell erzeugt eine Helligkeit von 100 Lumen und soll eine Reichweite von 200 Metern besitzen. Auf technische Spielereien wurde bei diesem Modell zugunsten des geringen Gewichtes von 140 Gramm verzichtet.

Trekkingstöcke ersetzen Zeltgestänge
Trekker, welche Wert auf eine möglichst leichte Ausrüstung legen, kommen an der britischen Zeltmarke Terra Nova nicht vorbei. Ein Solozelt das nur 500 Gramm auf die Waage bringt, ist das Laser Ultra 1. Überraschend an der Konstruktion ist, dass das Zelt doppelwandig ist. Mit schlechtem Wetter sollen sich die Briten bekanntlich auskennen und haben die Außenplane entsprechend beschichtet.
Dänen lügen nicht! Schon gar nicht wenn es um die Gewichtsangabe von einem Zwei-Personen-Zelt geht: Oase Outdoors präsentiert in Friedrichshafen mit dem Atmos den bisher leichtesten Witterungsschutz dieser Klasse. Wer in diesem Fliegengewicht übernachten möchte, sollte auf keinen Fall seine Trekkingstöcke vergessen. Vier von diesen sind nämlich notwendig, um das Zelt aufzustellen. Die Außenplane ist an den Nähten ge-
taped und besteht aus Hydro Tex Xtl. Das Thema Gewichtersparnis lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln angehen: Bessere, leichtere Materialien und Technologien sparen das eine oder andere Gramm ein. Beim GoLite Shangri-La 3 war der Ansatz der Letztere. Dazu Marcus Bauer, GoLite-Repräsentant in Deutschland: „Es wurde einfach die Frage gestellt: Wofür brauche ich ein Zelt? Es soll einen Schutz gegen Regen und Wind sein." Die Folge war, dass die Produktentwickler von Go-Lite alles Entbehrliche aus dem Zelt verbannten. So verschwanden bei dem Shangri-La 3 das Innenzelt und der
Boden. „Alles ein Luxus an den wir uns heute gewöhnt haben – den wir aber auch tragen müssen", meint Bauer schmunzelnd. Dieses Konzept, vereint mit modernen Materialien ergab ein Zelt, das in der Minimalkonfiguration nur 700 g für drei Personen wiegt und auch mit komplettem Innenzelt unter 2 kg bleibt.
Einen Trekkingstock mit nur 99 g bei einer Länge von 1,20 m konstruierte Prof. Dr. Gerhard Scharr. Der ließ sich bei dieser Innovation vom Aufbau eines Bambusstocks inspirieren. Das Ergebnis: hohe Elastizität verbunden mit der notwendigen Stabilität. Bisher ist noch offen, ob ein namhafter Hersteller diese ultraleichen Trekkingstöcke fertigen wird. Der italienische Outdoor-Ausrüster Camp hingegen bietet mit dem Backcountry Carbon einen Teleskop-Stock an, der auf 380 g abgespeckt wurde. Auch hier kamen Verbundstoffe zum Einsatz. Der Vorteil von diesem Material ist das geringe Gewicht und die gleichzeitig hohe Steifigkeit. Auch am Felsen wird kräftig abgespeckt. Leichter und stabiler ist ein Trend beim Klettern, der sich weiter fortsetzt. Camp brachte mit dem Photon einen Karabiner auf den Markt, der mit Schraubverschluss nur 42 g wiegt. Formvollendet und mit poppigen Farben präsentiert Vaude-Tochter Edelrid mit dem Jul ein außergewöhnliches Sicherungsgerät für das Top-Ropen. Neben Design und Funktion achtete Edelrid auch auf das Gewicht und so entstand ein Gerät, das lediglich 63 g wiegt.

 

Bakterien müssen draußen bleiben
98,5% weniger geruchsbildende Bakterien verspricht Salewa den Nutzern der neuen Phantom-Flex-Schlafsäcke. In Zusammenarbeit mit Schoeller entwickelte der alpine Multispezialist eine Möglichkeit, Daunen mit Silber-ionen zu behandeln. Ein positiver Nebeneffekt: Für Allergiker soll dieser Schlafsack besonders geeignet sein. Nicht nur leichter Essen, auch für leichter Kochen besteht Bedarf am Markt: Der Kocher Gant der jungen US-Marke Monatauk besteht aus Titan und gehört zu den Leichtesten auf dem Markt. Lediglich 48 g wiegt das Modell und verfügt über eine Leistung von ca. 3300 W/h.
Die Leichtbauweise ist kein kurzfristiger Trend. Auch weiterhin werden Outdoorer nach Ausrüstungsgegenständen fragen, die wenig wiegen und trotzdem eine hohe Funktion garantieren.

Ulrich Wittmann


 

ANZEIGE

ANZEIGE

3D Viewer

iyinet 2012 seo yarışması llhtnbşklhyktr l-carnitine weight loss