Hanwag

Besonders die Sortimente Wintersport und Outdoor sind das Öl im Getriebe

München. Die Daumen zeigen deutlich nach oben im deutschen Sporthandel. Das Geschäft mit Markenartikeln in Deutschland wuchs 2010 (Jan. bis Dez.) wertmäßig um satte 8%, wie die Marktforscher der GfK in Nürnberg jetzt ermittelten. Eine besonders gute Vorstellung lieferte der Bereich Textilien, der 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 13% zulegen konnte. Mit einem wertmäßigen Wachstum um 7% traten im letzten Jahr auch Sportschuhe mit einer guten Performance auf. Demgegenüber musste der Bereich Hartware ein Minus von 4% verbuchen.

 

Mit einer neuen Untersuchungsmethode startete die GfK in das Jahr 2011. Erstmals hatten die Marktforscher dabei nicht nur die Wachstumsraten in den jeweiligen Segmenten untersucht, sondern interessierten sich bei der Auswertung auch noch um den Umsatzanteil der jeweiligen Segmente beim Händler und dessen Veränderung. Präsentiert werden jetzt die Ergebnisse aus einer Befragung unter Multisport-Händlern, wozu auch die Sportgeschäfte der Warenhäuser zählten.
Dabei untersuchte GfK den Markt für Markenartikel und befragte repräsentativ den klassischen Sport-Fachhandel. Das Sport-Business der Discounter (von Aldi bis Tchibo) sowie das Geschäft mit No-Names wurde außen vor gelassen. Ziel sei es, zukünftig ein
verlässliches und vergleichbares Barometer für den reinen Sporthandel
parat zu halten, erklärt Stefan Brunner, verantwortlicher Sport-Retail-Manager bei der GfK. Bei dieser Zählung kommen die Marktbeobachter auf ein Marktvolumen im Marken-Markt in Deutschland von knapp 4 Mrd. EUR in 2010. Das Wachstum gegenüber 2009 betrug nach Auszählung der GfK-Daten 8%. Der Markt inklusive Discounter und No-Names wird allgemein auf 7,5 Mrd. EUR in Deutschland geschätzt.

Zwei Segmente geben den Ton an
Die größten Umsatzbringer waren die Bereiche Wintersport und Outdoor. Der Umsatz von Ski und Winterbekleidung schnellte 2010 um stolze 15% im Vergleich zum Vorjahr nach oben. Dabei gewichtete der Händler dieses Segment im letzten Jahr noch stärker innerhalb seines Gesamtangebots. Laut GfK gewann Wintersport (Hartware und Sportmode) anteilsmäßig in den Sportgeschäften an Bedeutung: Wintersport kam 2009 im Fachhandel auf einen Anteil von durchschnittlich 16,9%, ein Jahr später waren es bereits 18%. Nicht zuletzt das gute Wintergeschäft in der Saison 2009/2010 sowie ein früher Wintereinbruch im Herbst 2010 motivierten die Händler, mehr Wintersport-Artikel in die Regale zu packen. Ebenfalls zweistellig zulegen konnte das Segment Indoor-Sports, worunter die GfK-Macher auch die Themen
Fitness, Boxing und Workout zählen. Im vergangenen Jahr kletterten diese Verkäufe wertmäßig um 10,9% nach. Und auch hier wuchs der Anteil am Gesamtsortiment leicht von 3,9 auf 4%. Und wen verwundert dieses Ergebnis: Den größten Anteil im Sportgeschäft belegt das Thema Outdoor. 2009 wurden im Durchschnitt 26,9% der Umsätze im Fachhandel mit Outdoor-Artikeln erwirtschaftet. Ein Jahr später, 2010, waren es bereits 27,5%. Der Händler stützte sich also hier besonders auf die wachsende Outdoor-Nachfrage. Das war wohl auch eine gute Entscheidung, da dieses Segment 2010 insgesamt eine wertmäßige Wachstumsrate von 10,5% hinlegte. Wintersport, Fitness und Outdoor zählten 2010 damit zu den drei stärksten Umsatzträgern und Wachstums-Garanten. Der Händler setzte weiter stark auf Textilien. Funktionale Wintersport- und Outdoor-Bekleidung ist stark beratungsbedürftig – hier konnte der stationäre Händler seine Trümpfe einmal mehr ausspielen. Der Trend zu Toning-Schuhen hat dem Bereich Fitness deutliche Impulse gegeben.
Recht konstant und zuverlässig bewegt sich der Bereich Multisport (Bälle, Accessoires, Helme, Sportnahrung, Trinkflaschen etc.), der 2010 im Durchschnitt 18% des Umsatzes (2009: 18,5%) beim Händler ausmachte und im vergangenen Jahr ein Plus von 4,6% bescherte.
Die Marktforscher machten aber auch zwei Verlierer für das letzte Jahr aus: Lauf- und Racketsport. Und dabei verlor das Segment Running, Walking, Nordic Walking und Leichtathletik gleich an zwei Fronten: Einerseits wurde für 2010 ein Umsatzrückgang von 4,3% im Vergleich zum Vorjahr ermittelt, andererseits verlor dieser Sektor auch an Bedeutung in den untersuchten Multisport-Geschäften. Anteilsmäßig machte der Laufsektor 2010 durchschnittlich nämlich nur noch 9,3% (2009: 10,5%) vom Umsatz bei den Händlern aus. Nicht berücksichtigt wurden in dieser Befragung jedoch reine Spezialis-ten wie etwa die Lex-Gruppe, betonen die GfK-Zähler.

Erneute Netzroller im Racketgeschäft
Der zweite Verlierer ist Racketsport. Gleich um 12,9% fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Und auch hier ruderte der Händler in seiner Sortiments-Gestaltung noch weiter zurück. Tennis und Squash kamen 2010 durchschnittlich nur noch auf einen Umsatzanteil in den Sportgeschäften von 2,4% (2009: 3%).
Auf durchgehend gleichbleibendem Niveau hingegen bewegte sich Team- und Ballsport. Sowohl 2009 als auch 2010 wurden mit Sportarten wie Fußball, Basketball, Handball und Hockey 8,2% des Umsatzes im Handel erwirtschaftet. Und ebenfalls um 8,2% wuchs das Geschäft mit Teamsport wertmäßig im untersuchten Sportmarkt.

Nicolas Kellner

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