So springen neue Azubis nicht ab
01.07.2011
Viele Händler wissen jetzt bereits, wer in den Geschäften im September als Azubi anfängt. Oft ist sogar schon der Ausbildungsvertrag unter Dach und Fach. Doch was, wenn der Auszubildende am 1. September seine Stelle nicht antritt? Dann fehlt nicht nur ein neuer Mitarbeiter. Als Händler haben Sie auch viel Geld und Zeit in den Sand gesetzt. Mit der Umsetzung der Ideen des sogenannten Ausbildungsmarketings können Händler regulierend eingreifen. Mit Blick auf September lautet die erste Maßnahme: Binden Sie jetzt schon den zukünftigen Auszubildenden an Ihr Unternehmen.
Gewiefte Schulabgänger haben bei der Lehrstellen-Suche oft mehrere Eisen im Feuer. Von daher ist es keine Seltenheit, dass sich Azubis im letzten Moment doch noch für ein anderes Unternehmen entscheiden, auch wenn der Ausbildungsvertrag bereits ausgehandelt wurde. Für Sie als Händler bedeutet dies, dass Sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld verlieren. Geld, das Sie nie mehr wiedersehen, denn laut § 12 Abs. 2 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) können Sie, selbst wenn der Ausbildungsvertrag unterschrieben ist, keine Vertragsstrafe einfordern.
Experten raten Unternehmen nicht nur deshalb, die Strategien des Ausbildungsmarketings konsequent umzusetzen und sich schon jetzt um die Fachkräfte von morgen zu kümmern.
Künftige Vorgesetzte sollten vorab für Klarheit sorgen
So sollte der Auszubildende bereits vor Ausbildungsbeginn wissen, wer im Betrieb sein Ansprechpartner sein wird. Dies sollte entweder der Chef selbst oder der betriebsinterne Ausbilder sein. Wichtig für diese Position ist absolute Loyalität dem Unternehmen gegenüber und eine hohe Fachkompetenz. Daneben ist es sinnvoll, im Betrieb ein sogenanntes Patensystem zu installieren. Die Funktion des Paten kann schon ein Azubi im zweiten oder dritten Lehrjahr übernehmen. Damit stärken Sie als Händler auch seine Position im Team. Außerdem wirkt sich das hohe Maß an Vertrauen, das Sie ihm gegenüber aussprechen, aufgrund der damit einhergehenden Motivations- und Loyalitätssteigerung wiederum positiv auf Ihr Unternehmen aus. Der Pate steht dem neuen Azubi zur Seite und hilft ihm, sich in die Gepflogenheiten des Betriebs einzufinden. Beide Personen, der Ansprechpartner auf höherer Ebene wie der Pate, sollten schon vor dem „Einstand“ für Fragen des neuen Azubis zur Verfügung stehen.
Der Kontakt zum Azubi darf nicht abreißen
Personalprofis legen Händlern ebenso ans Herz, in der Zeit vor Ausbildungsbeginn unbedingt Kontakt zum zukünftigen Auszubildenden zu halten. Möglichkeiten dazu gibt es viele: Ist Ihr zukünftiger Azubi sportlich aktiv, feuern Sie ihn doch einmal mit Ihrem Team bei einem Wettkampf an.
Versorgen Sie ihn mit Infopost über den künftigen Betrieb. Geben Sie ihm einen Ausbildungsplan, aus dem Ausbildungsinhalt, Ausbildungszeiten, Methoden der Ausbildung und Zuständigkeiten ersichtlich werden. Planen Sie ein Sommerfest, vergessen Sie nicht, ihn einzuladen. „Ich würde allen Händlern empfehlen, noch vor dem September eine Fragestunde durchzuführen, an der alle aktuellen Azubis, die Ausbilder und die zukünftigen Azubis teilnehmen sollten“, meint Oliver Lilie, Geschäftsführender Gesellschafter der MA&T Organisationsentwicklung GmbH, die auch eine Ideenliste mit „Maßnahmen zur Verbesserung des Ausbildungsmarketings“ im Internet veröffentlich hat:
http://www.perwiss.de/tool-ideenlisteausbildungsmarketing.html. Größeren Unternehmen, in denen im September gleich mehrere Azubis ihre Ausbildung beginnen und die sehr jung sind, schlägt MA&T außerdem ein Treffen aller Azubis mit deren Eltern vor.
Ausbildungsmarketing stärkt auch den guten Ruf
Die Vorteile der Maßnahmen gehen über die Bindung des zukünftigen Azubis an den Betrieb hinaus. Sie verbessern das Image des Ausbildungsbetriebes nach Außen, was in den Folgejahren die Azubi-Suche erleichtern wird. Der gute Ruf Ihres Geschäfts wird junge Menschen ohne großes Zutun von Ihrer Seite anlocken. Denn es spricht sich in den Peergroups schnell herum, wo Azubis willkommen sind. Sie vermeiden außerdem Ausbildungsabbrüche, die für alle Beteiligten unbefriedigend und frustrierend sind. dw
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